Chronisch, Kranke

Chronisch Kranke: Neue Notfallregel für kleinste Packungsgröße

Veröffentlicht: 10.07.2026 um 01:48 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Die SPD-Fraktion definiert die Sicherstellung von Medikamenten als staatliche Kernaufgabe und plant niedrigere Herstellerrabatte zur Stärkung des Standorts.

SPD will Arzneimittelversorgung als Teil der Landesverteidigung
Chronisch - Eine sterile pharmazeutische Produktionsanlage mit automatisierten Maschinen und Forschern im Hintergrund, die die Arzneimittelversorgung sichern. 10.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Ein Positionspapier der Bundestagsfraktion vom Juli 2026 definiert die Sicherstellung von Medikamenten erstmals explizit als staatliche Kernaufgabe.

Konkret schlagen die Abgeordneten vor, Pharmaunternehmen mit Forschung und Produktion in Deutschland besserzustellen. Dafür sollen die Herstellerrabatte sinken. Ziel: den Standort im internationalen Wettbewerb stärken und Abhängigkeiten von Lieferketten aus China reduzieren.

Der Branchenverband Pro Generika begrüßt den Vorstoß. Geschäftsführer Bork Bretthauer spricht von einem „wichtigen Signal“, um eine resiliente Produktion in Europa zu fördern.

AMNOG-Reform und Vorhaltepflicht

Das Konzept sieht zudem Anpassungen im Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) vor. Künftig sollen für alle neuen Medikamente – auch für sogenannte Orphan Drugs bei seltenen Erkrankungen – bereits bei Markteintritt belastbare Daten vorliegen.

Um Engpässe zu vermeiden, plant die Fraktion Vorhaltekapazitäten für Kinderarzneimittel und Basismedikamente. Die Finanzierung dieser Reserven soll über Steuermittel erfolgen.

Karlsruhe ebnet Weg für GKV-Spargesetz

Parallel zu den strategischen Plänen festigt sich der rechtliche Rahmen. Das Bundesverfassungsgericht lehnte am 9. Juli 2026 Eilanträge gegen das Beitragssatzstabilisierungsgesetz ab. Damit ist der Weg für massive Einsparungen frei – darunter Einschränkungen bei der beitragsfreien Mitversicherung und eine Absenkung des Bundeszuschusses.

Die wirtschaftliche Lage bleibt angespannt, besonders im Krankenhaussektor. Bundesratspräsident Andreas Bovenschulte beziffert das Defizit der Kliniken auf vier bis 4,5 Milliarden Euro und mahnt finanzielle Nachbesserungen an.

Der ursprünglich diskutierte dynamische Herstellerabschlag wurde verworfen. Stattdessen gilt ein fixierter Abschlag von 8,5 Prozent. Boehringer Ingelheim kritisiert: Die Verdopplung des konstanten Abschlags belaste die Branche erheblich.

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Apothekensterben: Honorare steigen – aber nicht genug

Der Apothekenmarkt durchläuft einen tiefgreifenden Wandel. Seit 2005 schrumpfte die Zahl der Apotheken von rund 21.000 auf 16.000. Neue Vergütungsmechanismen sollen die verbliebenen Betriebe stützen und gleichzeitig die Kassen entlasten.

Ab Juli 2026 steigt das Fixum pro rezeptpflichtigem Medikament auf 9,00 Euro. 2027 sind 9,50 Euro geplant. Gleichzeitig erhöht sich der Apothekenabschlag an die Krankenkassen ab 2027 von 1,77 auf 2,07 Euro.

Der Vorsitzende des Hessischen Apothekerverbands kritisiert diese Kombination als unzureichend. Ein erheblicher Teil der Honorarerhöhung werde durch den gestiegenen Abschlag faktisch neutralisiert.

Neue Notfallregelung für chronisch Kranke

Seit dem 2. Juli 2026 gibt es für Patienten eine wichtige Neuerung: Chronisch Kranke können in der Apotheke einmalig die kleinste Packungsgröße eines Medikaments erhalten – vorausgesetzt, es wurde zuvor über mindestens drei Quartale verschrieben. Die Regelung gilt für Medikamente ohne Missbrauchspotenzial und basiert auf Selbstzahlung.

Eine Ausweitung auf Akuterkrankungen ist für Sommer 2027 geplant.

Im Juli 2026 wird zudem abschließend über die weitere Ausgestaltung der Apothekenbetriebsordnung entschieden. Die Ergebnisse der Beratungen mit dem Bundesgesundheitsministerium werden maßgeblich beeinflussen, wie flexibel die Arzneimittelabgabe künftig sein wird.

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