Chronische Schmerzen: Erstes neues Mittel seit 15 Jahren zugelassen
10.06.2026 - 07:21:44 | boerse-global.de
Gleich mehrere Verfahren und Medikamente könnten die Behandlung von chronischen Schmerzen, Depressionen und Parkinson revolutionieren.
Hirnstimulation ohne OP
Forscher der Université de Genève und der ETH Zürich haben die sogenannte Temporal Interference Stimulation (TIS) verfeinert. Das Verfahren nutzt zwei hochfrequente elektrische Felder, um tiefe Hirnregionen zu erreichen – ohne chirurgischen Eingriff. Ein drittes Elektrodenpaar, ein sogenanntes Löschfeld, soll die Präzision erhöhen und unerwünschte Aktivierungen in anderen Arealen reduzieren. Ziel: künftige Behandlungen von Parkinson, Depressionen und Zwangsstörungen.
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Südkoreanische Wissenschaftler verfolgen einen noch ungewöhnlicheren Ansatz. Sie entwickelten eine spezielle Kontaktlinse, die ebenfalls TIS ermöglicht. In Mausmodellen führte eine tägliche 30-minütige Anwendung über drei Wochen zu besserer Kommunikation zwischen Hirnregionen und reduzierten Stressmarkern. Die Ergebnisse sind laut den Forschern mit klassischen Antidepressiva vergleichbar. Klinische Studien am Menschen? Die lassen noch Jahre auf sich warten.
Magnetstimulation bei Depressionen
Eine Metaanalyse im Journal of Psychiatric Research liefert neue Erkenntnisse zur beschleunigten repetitiven transkraniellen Magnetstimulation (rTMS) bei schweren Depressionen. Die Auswertung von 25 Studien mit 810 Teilnehmern zeigt: Die Wirksamkeit ist am größten bei mehr als 20 Gesamtsitzungen und einem Abstand von mindestens 50 Minuten zwischen den Sitzungen.
Erstes neues Schmerzmittel seit 15 Jahren
Das Unternehmen Vertanical erhielt am 9. Juni die Zulassung für Exilby – ein Medikament gegen chronische Kreuzschmerzen. Es ist das erste neue Mittel in dieser Indikation seit über 15 Jahren. Phase-3-Studien mit mehr als 1.200 Teilnehmern zeigten eine signifikante Schmerzreduktion über zwölf Monate. Der Clou: Exilby hat kein Abhängigkeitspotenzial wie Opioide. Die Markteinführung in Deutschland und Österreich ist für September geplant.
Parallel dazu startete das EU-Projekt RESOLVE. Mit 1,2 Millionen Euro Förderung untersucht ein internationales Konsortium unter Beteiligung des Universitätsklinikums Essen den Einsatz extrazellulärer Vesikel aus Stammzellen gegen chronische neuropathische Schmerzen. Die Idee: Die Vesikel sollen Entzündungsprozesse regulieren und die Gewebereparatur fördern.
Durchbruch in der Bildgebung
Das Universitätsklinikum Würzburg entwickelte einen neuen PET-Tracer namens [18F]Fluproxadin. Er ermöglicht eine hochauflösende Bildgebung des sympathischen Nervensystems. Das könnte die Diagnostik bei Herzinsuffizienz, Parkinson und Alzheimer deutlich verbessern.
Parkinson: Antikörper verzögert Verschlechterung
Die PADOVA-Studie zu Prasinezumab wurde im The Lancet veröffentlicht. Die Phase-II-Studie mit 534 Teilnehmern zeigt: Der Antikörper kann die motorische Verschlechterung bei Parkinson-Patienten verzögern. Besonders bei Patienten, die bereits mit L-Dopa behandelt wurden, betrug der zeitliche Vorteil gegenüber der Placebo-Gruppe rund 16 Wochen. Eine Phase-III-Zulassungsstudie läuft derzeit in Europa und Nordamerika.
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Nicht alle Verfahren überzeugen
Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) ist skeptisch. In einem Vorbericht vom 8. Juni bewertete es die neuromuskuläre Elektrostimulation bei venösen Beingeschwüren. Das Ergebnis: Der Nutzen oder Schaden dieser Methode ist unklar – die Datenlage sei unvollständig und teils widersprüchlich. Eine abschließende Stellungnahme ist bis zum 6. Juli möglich.
Die BEMER Int. AG forscht derweil weiter an niederfrequenten elektromagnetischen Feldern (PEMF). Das Unternehmen untersucht verstärkt deren Effekte auf die Mikrozirkulation und Entzündungsprozesse bei neurologischen Erkrankungen. Präklinische Hinweise deuten auf potenzielle Vorteile bei Schlaganfall oder Demenz hin. Eine allgemeine Empfehlung für die klinische Anwendung steht aber noch aus.
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