Chronische Schmerzen: Gehirnstruktur verÀndert sich nachweisbar
Veröffentlicht am: 30.08.2026 um 00:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der Klinik Bassum hat die neue multimodale Schmerztherapie unter der Leitung von Dr. Sergej Vogelsang ihren Betrieb etabliert. Seit dem Start am 1. April wurden die Versorgungsstrukturen kontinuierlich ausgebaut; seit Mitte Juni erfolgt die stationÀre Behandlung von Patienten in Gruppen von jeweils acht Personen.
Das Therapieprogramm erstreckt sich ĂŒber einen Zeitraum von drei Wochen und konzentriert sich auf die Behandlung von Schmerzen, die seit mindestens sechs Monaten bestehen. Im Fokus der Intervention stehen die Schmerzlinderung sowie die Wiederherstellung funktioneller FĂ€higkeiten im tĂ€glichen Leben der Betroffenen.
StationÀre Versorgung und neurologische Befunde
Die wissenschaftliche Begleitforschung liefert neue Erkenntnisse ĂŒber die Auswirkungen chronischer Schmerzen auf die physische Struktur des Gehirns. Eine in der Fachzeitschrift NeuroImage: Clinical veröffentlichte Studie von Salome HĂ€uselmann verglich 30 chronische Schmerzpatienten mit 30 gesunden Probanden. Dabei wurden signifikante Unterschiede in der Faltung der GroĂhirnrinde festgestellt, wobei die linke Seite eine stĂ€rkere Faltung aufwies, wĂ€hrend die rechte Seite weniger tiefe Strukturen zeigte.
Betroffen sind Regionen, die fĂŒr die Verarbeitung von Emotionen und Schmerz sowie fĂŒr Bewertungsprozesse zustĂ€ndig sind. Ob diese strukturellen VerĂ€nderungen die Ursache oder eine Folge der chronischen Beschwerden darstellen, ist Gegenstand weiterer Untersuchungen.
Im klinischen Alltag gewinnen multidisziplinĂ€re AnsĂ€tze an Bedeutung. Neben der stationĂ€ren Behandlung in Bassum werden auch mobile Konzepte erprobt. Das LKH MĂŒrzzuschlag setzt ein sechsköpfiges Team fĂŒr die geriatrische Remobilisation (mobiREM) ein, um Ă€ltere Menschen nach Operationen oder Krankenhausaufenthalten in ihrer hĂ€uslichen Umgebung zu unterstĂŒtzen.
FĂŒr den Herbst ist eine Erweiterung dieses Angebots um physiotherapeutische Leistungen geplant, um die SelbststĂ€ndigkeit der Patienten weiter zu fördern.
Pharmakologische Innovationen und orthopÀdische Trends
Die medikamentöse Schmerztherapie steht vor regulatorischen und therapeutischen Neuerungen. FĂŒr September ist die EinfĂŒhrung des ersten verschreibungspflichtigen Cannabis-Medikaments zur Behandlung bestimmter chronischer Schmerzen angekĂŒndigt.
Das PrĂ€parat ist speziell fĂŒr Langzeitpatienten zugelassen und nicht fĂŒr die Akuttherapie vorgesehen. Parallel dazu konkretisiert die Deutsche Schmerzgesellschaft Empfehlungen fĂŒr neuropathische Beschwerden.
Da klassische Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen bei Nervenschmerzen oft als unzureichend wirksam gelten, wird der Einsatz von Antikonvulsiva wie Gabapentin oder Pregabalin sowie Antidepressiva wie Amitriptylin oder Duloxetin empfohlen. ErgÀnzend dazu können bei lokalen Schmerzarealen Pflaster mit Lidocain oder Capsaicin eingesetzt werden.
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Im Bereich der OrthopĂ€die beobachten FachĂ€rzte eine deutliche Zunahme von RĂŒckenbeschwerden. Eine Analyse von Behandlungsdaten bis August 2026 zeigt, dass in diesem Zeitraum bereits mehr Patienten mit RĂŒckenproblemen vorstellig wurden als im gesamten vorangegangenen Jahr.
Als wesentliche Ursache wird ein zunehmender Bewegungsmangel angefĂŒhrt, wobei im Durchschnitt lediglich rund 5.200 Schritte pro Tag erreicht werden. Bei BandscheibenvorfĂ€llen wird verstĂ€rkt auf konservative Methoden gesetzt, da eine Regeneration in der Regel innerhalb von 6 bis 12 Wochen möglich sei.
Rehabilitation, PrĂ€vention und neue VergĂŒtungsmodelle
Moderne Rehabilitationskonzepte integrieren verstĂ€rkt ErnĂ€hrungs- und Bewegungsaspekte. Das Reha-Zentrum Bad Pyrmont betreibt seit 2017 eine FrischekĂŒche mit einem Anteil von 77 Prozent frischen Lebensmitteln.
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Mit einem Budget von 8,50 Euro pro Patient und Tag liegt die Einrichtung ĂŒber dem Branchendurchschnitt von 7,07 Euro. Gesundheitsminister Philippi informierte sich Ende August bei einem Besuch ĂŒber das Projekt, das mit 20 Köchen tĂ€glich 600 Mahlzeiten zubereitet und jĂ€hrliche Mehrkosten von 300.000 Euro verursacht.
ErgĂ€nzend zur klinischen Versorgung bieten VerbĂ€nde wie die Rheuma-Liga Funktionstrainings mit Trocken- und Wassergymnastik fĂŒr rund 450 Mitglieder an. Unter der Leitung von Ăbungsleiterinnen wie Julia Götz und Tanja Japs werden in Heiligenberg und Pfullendorf Kurse durchgefĂŒhrt, deren Kosten bei Ă€rztlicher Verordnung von den Krankenkassen ĂŒbernommen werden.
Auch Sportvereine wie der TV Jahn Rheine erweitern ab September ihr Angebot um spezielle Faszienmassagen und Yoga-Kurse unter der Leitung von Dirk Martens.
Die Deutsche Gesellschaft fĂŒr Rheumatologie weist zudem darauf hin, dass in Deutschland etwa 1,8 Millionen Menschen an entzĂŒndlich-rheumatischen Erkrankungen leiden. WĂ€hrend die Studienlage fĂŒr PflanzenprĂ€parate bei entzĂŒndlichem Rheuma als unzureichend gilt, könne bei Arthrose der Einsatz von Kurkuma, Ingwer oder Weihrauch erwogen werden. GrundsĂ€tzlich wird eine pflanzenbetonte ErnĂ€hrung sowie regelmĂ€Ăige Bewegung empfohlen.
Auf gesundheitspolitischer Ebene wurde eine Einigung zwischen dem GKV-Spitzenverband, der Deutschen Krankenhausgesellschaft und dem PKV-Verband erzielt. Ab Januar 2027 sollen feste Pauschalen fĂŒr sektorenĂŒbergreifende Versorgungseinrichtungen (sĂŒV) gelten. Diese Regelung sieht fĂŒr zunĂ€chst drei Jahre eine VergĂŒtung fĂŒr internistische und geriatrische Leistungen vor, wobei die Intensivmedizin explizit ausgenommen bleibt.
