Chronische, Schmerzen

Chronische Schmerzen: Melatonin reduziert Beschwerden um 9 Punkte

Veröffentlicht: 09.07.2026 um 01:21 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Geplante Gesetzesänderung könnte Vergütung von Psychotherapeuten drastisch kürzen und Versorgung von Millionen gefährden.

Gesundheitsreform: Psychotherapeuten bangen um ihre VergĂĽtung
Chronische - Eine Gruppe von Fachleuten und Politikern diskutiert ĂĽber Gesundheitspolitik in einem Konferenzraum, ihre Gesichter spiegeln Besorgnis und Nachdenklichkeit wider. 09.07.2026 - Bild: ĂĽber boerse-global.de

Ein neues Gesetz könnte die Vergütung von Psychotherapeuten grundlegend verändern – mit weitreichenden Folgen für Millionen Patienten.

Streichung der AngemessenheitsprĂĽfung

Im Zentrum der Debatte steht das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz. Ein Änderungsantrag sieht die Streichung der sogenannten Angemessenheitsprüfung für die Psychotherapie-Vergütung vor. Die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) lehnt das Vorhaben ab und verweist auf die verfassungsrechtliche Basis, die das Bundessozialgericht hergeleitet hat.

Die Deutsche PsychotherapeutenVereinigung (DPtV) und das Deutsche Psychotherapeuten Netzwerk (DPNW) warnen vor einer deutlichen Verschlechterung der Versorgungskapazitäten. Die Abstimmung im Bundestag ist für den 10. Juli 2026 angesetzt. Parallel haben Vertreter der Grünen einen Eilantrag beim Bundesverfassungsgericht eingereicht. Sie befürchten weitreichende Folgen für rund 75 Millionen Versicherte.

Finanzielle Einschnitte seit April

Die Branche steckt bereits seit dem Frühjahr 2026 in finanziellen Schwierigkeiten. Seit dem 1. April wurde die Vergütung psychotherapeutischer Leistungen um 4,5 Prozent gesenkt – das entspricht 899 Punkten pro Stunde. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat dagegen bereits Klage eingereicht.

Doch damit nicht genug: Ab 2027 könnten Zuschläge für die Kurzzeittherapie wegfallen. Auch eine Rückführung der extrabudgetären Vergütung steht im Raum. Fachverbände prognostizieren, dass die Versorgungskapazität um bis zu 25 Prozent sinken könnte. Besonders betroffen wären Kinder und Familien – mit längeren Wartezeiten auf Therapieplätze. Der durchschnittliche jährliche Reinertrag eines Psychotherapeuten liegt derzeit bei etwa 86.000 Euro.

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Neue Hoffnung aus der Schmerzforschung

Während die Politik über die Zukunft der Psychotherapie streitet, liefert die Wissenschaft neue Ansätze. Eine Metaanalyse der Universität Sydney, veröffentlicht im Fachjournal PAIN, untersuchte die Wirksamkeit von Melatonin bei chronischen Schmerzen. Die Auswertung von 23 Studien zeigt: Eine tägliche Dosis von 3 bis 10 Milligramm kann muskuloskelettale und postoperative Schmerzen reduzieren.

Die Schmerzlinderung liegt bei etwa 9 Punkten auf einer Skala von 0 bis 100. Damit sei der Effekt mit Paracetamol vergleichbar, so die Forscher. Zudem verbesserte sich die Schlafqualität der Probanden. Fachleute betonen jedoch: Melatonin ist eine Ergänzung, kein Ersatz für etablierte Therapiestandards.

Wissenschaftler schlagen Alarm

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Die Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs) sieht durch die kumulierten Änderungen die evidenzbasierte Versorgung und die Ausbildung des Nachwuchses gefährdet. Die Politik müsse die wissenschaftlich fundierte Psychotherapie langfristig absichern – statt die wirtschaftlichen Grundlagen der Praxen zu schwächen.

Aus der SPD kommen Signale für mögliche Ausnahmen bei der Kinder- und Jugendpsychotherapie. Die BPtK fordert eine grundsätzliche Nachbesserung des Gesetzentwurfs. Sollte der Bundestag zustimmen, plädiert sie dafür, dass der Bundesrat den Vermittlungsausschuss anruft – um die Existenzgrundlage ambulanter Praxen zu sichern.

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