Chronische Schmerzen: TENS plus Physiotherapie hilft 70% der Patienten
Veröffentlicht am: 20.06.2026 um 03:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Behandlung chronischer SchmerzzustĂ€nde im Beckenbereich und von Prostata-Funktionsstörungen setzt zunehmend auf multidisziplinĂ€re Konzepte. Aktuelle Leitlinien aus dem Juni 2026 zeigen: Rehabilitation, physikalische Therapien und integrative Medizin rĂŒcken in den Fokus.
Nach der OP: Kontinenz wiederherstellen
Ein zentrales Problem nach Prostataeingriffen ist die Harninkontinenz. Klinische Berichte dokumentieren Erfolge durch kombinierte Programme. Bei einem 76-jĂ€hrigen Patienten konnte ein tĂ€gliches Training mit Elektrostimulation und BeckenbodenĂŒbungen (Kegel-Ăbungen) nach sechs Monaten zur vollstĂ€ndigen Kontinenz fĂŒhren. Hilfsmittel waren danach nicht mehr nötig.
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Auch bei chronischen Schmerzen zeigt die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) Wirkung. Eine Studie mit 384 Teilnehmenden belegt: TĂ€gliche zweistĂŒndige TENS-Anwendung plus Physiotherapie reduziert bewegungsinduzierte Schmerzen deutlich stĂ€rker als Physiotherapie allein. Ăber 70 Prozent der Patienten berichteten von klinischer Besserung â der Effekt hielt sechs Monate an.
TCM und neue Algorithmen
Bei der benignen Prostatahyperplasie (BPH) gewinnen AnsĂ€tze der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) an Bedeutung. Die Erkrankung wird dort oft auf einen Nieren-Yang-Mangel zurĂŒckgefĂŒhrt. Modifizierte Rezepturen wie Tongguan Wan oder Shenqi Wan sollen das Yang stĂ€rken und pathologische Faktoren beseitigen.
FĂŒr das Restless-Legs-Syndrom (RLS) wurde am 18. Juni 2026 ein aktualisierter Behandlungsalgorithmus vorgestellt. Er empfiehlt die PrĂŒfung des Eisenstatus und nennt Gabapentinoide sowie bei schweren FĂ€llen niedrig dosierte Opioide als Optionen. Als physikalische Neuheit kommt die peroneale Nervenstimulation hinzu.
Minimalinvasive Alternativen
Bei Belastungsinkontinenz bieten sich minimalinvasive Verfahren an. Die UniversitĂ€tsmedizin Frankfurt setzt auf Hydrogel-Injektionen. Das Material besteht zu 97,5 Prozent aus Wasser und zu 2,5 Prozent aus Polyacrylamid. In einem zehnminĂŒtigen Eingriff wird es direkt in die Harnröhrenwand injiziert, um die Verschlussfunktion zu unterstĂŒtzen.
Dass ungewöhnliche Ursachen dahinterstecken können, zeigt ein Fall aus Ho-Chi-Minh-Stadt. Bei einer 53-jĂ€hrigen Patientin mit Harnverhalt diagnostizierten Ărzte eine Pseudozyste im Becken (12x15x20 Zentimeter). Sie enthielt 1,6 Liter FlĂŒssigkeit und wurde laparoskopisch entfernt. Die Patientin konnte nach drei Tagen entlassen werden.
Neue Versorgungsstrukturen ab Juli
Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) aktualisierte am 18. Juni 2026 die Disease-Management-Programme (DMP) bei chronischem RĂŒckenschmerz. Die Anforderungen basieren auf einer IQWiG-Auswertung mit 425 Empfehlungen aus elf Leitlinien. Kernpunkt: Patienten sollen aktiviert werden, um Angst-Vermeidungs-Verhalten zu verhindern.
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Die Evidenz fĂŒr alternative Methoden bleibt umstritten. Der IGeL-Monitor bewertete Osteopathie bei unspezifischen Kreuzschmerzen erneut mit âunklarâ. Zehn randomisierte kontrollierte Studien ergaben keinen belastbaren Zusatznutzen bei niedriger EvidenzqualitĂ€t.
FĂŒr gesetzlich Versicherte in Deutschland starten ab Juli 2026 neue Optionen: In Berlin und Brandenburg beginnt ein Arthrose-Programm, das Physiotherapie mit digitalen Anwendungen kombiniert. Zudem dĂŒrfen Apotheken ab dem 1. Juli assistierte Telemedizin anbieten â ein Gewinn besonders fĂŒr lĂ€ndliche Regionen.
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