Chronische Schmerzen: Über 12 Millionen Betroffene in Deutschland
Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 07:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Erfassung und Behandlung chronischer Schmerzen stellt die medizinische Versorgung vor anhaltende Herausforderungen. Fachbeiträge betonen dabei zunehmend, wie schwierig Schmerzzustände trotz des unmittelbaren Erlebens der Betroffenen objektiv messbar sind, während gleichzeitig die Bedeutung präziser chirurgischer und konservativer Verfahren in der orthopädischen und interdisziplinären Versorgung wächst. Allein in der Schweiz sind nach Angaben der Schweizerischen Studienstiftung rund 1,5 Millionen Menschen von chronischen Schmerzen betroffen.
MRT-Befunde und die Grenzen rein bildgebender Diagnostik
Ein zentrales Problem in der Schmerzmedizin liegt in der Interpretation bildgebender Befunde. Dr. Gautam Das von der Daradia Pain Clinic in Kolkata führte am 7. Oktober 2026 bei einem Vortrag im Rahmen von ICRAPAIN aus, dass viele interventionelle Schmerzverfahren bereits vor dem eigentlichen Eingriff scheitern. Er nannte drei wesentliche Ursachen: die Behandlung des reinen MRT-Befunds anstelle des eigentlichen Patienten, das Nicht-Erkennen von nociplastischem Schmerz sowie das Übersehen psychosozialer Faktoren.
Degenerative Veränderungen im MRT wie Bandscheibenvorwölbungen, Facettengelenkarthropathien oder Modic-Veränderungen treten häufig auch bei vollkommen schmerzfreien Personen auf, wobei deren Häufigkeit mit dem Alter zunimmt. Vor jedem Eingriff sollten daher zwei Fragen geprüft werden: ob die Diagnose sowie die Patientenauswahl korrekt waren und ob die Technik stimmt.
Die Diagnose müsse an erster Stelle stehen, die Technik an zweiter. Zur Risikoeinschätzung verwies Das auf eine psychologische Ampel, die von Grün bei minimalen Faktoren über Gelb für moderate Belastungen mit Begleitunterstützung bis hin zu Rot bei schweren Belastungen reicht, bei denen ein Eingriff unter Umständen verschoben werden sollte.
In Deutschland leiden nach Angaben der Deutschen Schmerzliga über 12 Millionen Menschen an chronischen Schmerzen, davon 4 bis 5 Millionen mit deutlichen Einschränkungen im Alltag. Bei der Diagnostik stoßen Standardverfahren mitunter an praktische Grenzen: Gut 40 Prozent der Patienten brechen Untersuchungen in herkömmlichen MRT-Röhren laut Studien wegen Platzangst ab.
Als Alternative bieten fünf Privatpraxen in Hamburg, Hannover, Köln, Frankfurt und München offene Sitz-MRT-Systeme an, die Messungen im Sitzen oder Stehen ermöglichen und für Personen bis zu 250 Kilogramm ausgelegt sind. Im vorgebeugten Sitz ist die Bandscheibenbelastung dabei zehnmal höher als im Liegen.
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Fortschritte in Robotik und chirurgischer Präzision
Parallel zur differenzierten Diagnostik entwickeln sich technische Verfahren in operativen Fächern weiter. Das Klinikum Lippe führte an der Universitätsklinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie die europaweit erste Operation mit neuartigen Force-Feedback-Instrumenten am da Vinci 5 durch.
Die Technologie erhielt im September 2026 die CE-Kennzeichnung für Europa, nachdem sie zuvor nur in Japan und den USA eingesetzt worden war. Sensoren erfassen dabei Druck-, Zug- und Seitenkräfte rund 1.000 Mal pro Sekunde in Echtzeit; den Ersteingriff, eine rechtsseitige Hemikolektomie, nahm Dr. Michael Leitz vor.
An den Standorten Detmold und Lemgo betreibt das Klinikum Lippe vier da-Vinci-Systeme und verzeichnete 2026 bis Oktober insgesamt 877 robotisch assistierte Eingriffe.
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Auch in der Gelenkchirurgie nimmt der Einsatz hochpräziser Systeme zu. Das AGAPLESION Markus Krankenhaus in Frankfurt setzt als zertifiziertes Endoprothetikzentrum der Maximalversorgung (EPZmax) den VELYS-Knieroboter ein, der im Zehntelmillimeterbereich arbeitet.
Das Haus erzielte in einer Qualitätsbewertung der AOK Bestwerte bei Hüft- und Knieendoprothetik sowie in der Knochenbruchversorgung und gehört dort zu den besten 20 Prozent der bewerteten Kliniken.
Zudem plant das Zentrum für Bewegungsmedizin des Dreiland-Klinikums Lörrach, das über das einzige außeruniversitäre EPZmax in Südbaden verfügt, Informationsveranstaltungen zu Themen wie Gelenkerhalt sowie Navigation und Robotik in der Knieendoprothetik.
