COPD, Muskelschwund

COPD und Muskelschwund: Sarkopenie betrifft bis zu 33 Prozent der Patienten

Veröffentlicht am: 04.10.2026 um 01:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Forschungsarbeiten verknüpfen Muskelschwund mit Entzündung und Zellstörungen; Krafttraining und ausreichendes Protein gelten als Gegenmaßnahmen.

Sarkopenie: Studien beleuchten Zellkommunikation und mögliche Gegenmaßnahmen
Mikroskopische Aufnahme von biologischen Zellstrukturen und Muskelfasern in einem Laborumfeld. Illustration mit AI erstellt.

Der altersbedingte Verlust von Muskelmasse und Kraft, in der Fachsprache Sarkopenie genannt, gilt als eines der zentralen Probleme des Alterns. Eine Übersichtsarbeit im Fachjournal Aging Cell ordnet das Phänomen neu ein: Demnach entsteht Sarkopenie nicht durch den Ausfall einzelner Zelltypen, sondern durch eine gestörte Kommunikation zwischen Muskelstamm-, Stromal-, Immun-, Gefäß- und Nervenzellen, wie scienmag.com berichtete.

Gestörte Zellkommunikation und blockierte Regeneration

Die Autoren verweisen auf Beobachtungen an Mäusen ab einem Alter von 20 Monaten: Bei ihnen verlieren manche Muskelstammzellen ihre Fähigkeit, in einen reversiblen Ruhezustand zurückzukehren. Ein Protein namens NDRG1 hemmt dabei den Signalweg mTOR, der für Zellwachstum und Regeneration zentral ist.

Gleichzeitig weisen die Forschenden darauf hin, dass viele der über sogenannte Omics-Verfahren identifizierten Signalwege bislang nur korrelativ nachgewiesen und kaum im lebenden Organismus validiert wurden. Die Arbeit von Kim und Kollegen ist unter der DOI 10.1111/acel.70733 veröffentlicht.

Entzündungswege bei COPD-assoziiertem Muskelschwund

Einen konkreten molekularen Mechanismus beschreibt eine weitere, ebenfalls in Aging Cell erschienene Studie, über die ebiotrade.com berichtete. Im Zentrum steht das Enzym Prodh2, das bei Patienten mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) und begleitender Sarkopenie erhöht war.

Untersucht wurden klinische Gruppen mit jeweils zehn Personen – gesunde Kontrollen, COPD-Patienten ohne Sarkopenie und COPD-Patienten mit Sarkopenie – ergänzt durch Maus- und Zellmodelle.

Der beschriebene Mechanismus: Der Entzündungsbotenstoff TNF-? aktiviert über das Protein p53 das Enzym Prodh2. Dadurch entstehen mitochondriale reaktive Sauerstoffspezies sowie eine Freisetzung mitochondrialer DNA, die wiederum den cGAS/STING-Signalweg aktivieren und Muskelvorläuferzellen schädigen.

Im Experiment kehrte ein Knockdown von Prodh2 die Zellschäden in vitro um; ein muskelgerichteter Knockdown verbesserte im Mausmodell sowohl Griffkraft als auch den Querschnitt der Muskelfasern. Laut der Studie liegt die Prävalenz von Sarkopenie bei COPD-Patienten bei bis zu 32 bis 33 Prozent.

Immunzellen und Muskelerkrankungen im Kindesalter

Dass Immunzellen auch bei anderen Muskelerkrankungen eine Rolle spielen, zeigt eine im Journal of Clinical Investigation veröffentlichte Studie von TWINCORE und der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), über die healthcare-in-europe.com berichtete.

Die Forschenden verglichen Blutzellen von Patienten mit spinaler Muskelatrophie (SMA) – mit und ohne Therapie – mit gesunden Kontrollen und untersuchten zusätzlich Immunzellen aus SMA-Mausmodellen. Dabei unterschieden sich sowohl die Zusammensetzung der Immunzellen als auch die Menge des SMN-Proteins zwischen den Gruppen: Monozyten und dendritische Zellen gesunder Kontrollen wiesen vergleichsweise höhere SMN-Werte auf.

In allen untersuchten Zelltypen war SMN bei Patienten und im Mausmodell vermindert, wobei sich bei nur drei Tage alten SMA-Mäusen bereits deutliche Veränderungen zeigten. Die Forschenden betonten jedoch, dass sich diese Befunde nicht direkt auf den Menschen übertragen lassen.

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Energieverbrauch, Proteinbedarf und Training

Jenseits der Entzündungsmechanismen liefert auch die Stoffwechselforschung Anhaltspunkte. Eine 2021 in Science veröffentlichte Studie mit mehr als 6.400 Teilnehmenden aus 29 Ländern, auf die qz.com Bezug nahm, zeigte, dass der an Körpergröße und -zusammensetzung angepasste tägliche Energieverbrauch zwischen etwa 20 und 60 Jahren weitgehend stabil bleibt und danach im Schnitt um weniger als ein Prozent pro Jahr sinkt. Das National Institute on Aging (NIA) beziffert den Muskelmasseverlust ab Beginn der Sarkopenie auf etwa 3 bis 8 Prozent pro Jahrzehnt.

Als Gegenmaßnahmen werden in der Berichterstattung ausreichende Proteinzufuhr und Krafttraining genannt. Die PROT-AGE Study Group empfiehlt für über 65-Jährige 1,0 bis 1,2 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht täglich. Krafttraining, zwei- bis dreimal pro Woche durchgeführt, kann laut Berichterstattung von qz.com dazu beitragen, Muskelmasse zu erhalten oder wieder aufzubauen.

Regeneration, Belastung und Lebensstilfaktoren

Auch Regenerationsprozesse nach Belastung hängen eng mit Entzündungsreaktionen zusammen. Laut einem Bericht von lifelines.name entsteht Muskelkater nicht durch Milchsäure, sondern durch Mikroverletzungen der Muskelfasern mit nachfolgender Entzündung und Schwellung. Die Beschwerden treten demnach meist 12 bis 24 Stunden nach einer Überlastung auf und klingen in der Regel nach zwei Tagen ab.

Sanfte Bewegung könne helfen, während intensive Belastung derselben Muskeln vermieden werden sollte; für Salben und Wärmeanwendungen sei eine positive Wirkung wissenschaftlich nicht belegt. Wiederholtes Training mit demselben Reiz schwächt den Muskelkater demnach mit der Zeit ab.

Auch Ernährungs- und Lebensstilfaktoren beeinflussen Entzündung und Regeneration. Laut einem Bericht von badcompany.biz können übermäßiger Zuckerkonsum und stark verarbeitete Lebensmittel Entzündungen fördern und sowohl Regeneration als auch Proteinsynthese beeinträchtigen.

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Alkohol kann demnach Testosteron senken, Cortisol erhöhen und die Muskelproteinsynthese hemmen – mit Auswirkungen, die laut im Artikel erwähnter Forschung 24 bis 72 Stunden nach dem Konsum anhalten können, abhängig von Menge, Trainingszustand und Ernährung.

Größere Mengen Alkohol, ab etwa 1,0 Gramm Ethanol pro Kilogramm Körpergewicht, reduzierten in Studien die Myofibrillen-Proteinsynthese selbst bei ausreichender Proteinzufuhr.

Vorsicht vor unbelegten Mitteln

Angesichts des wachsenden Interesses an Muskelerhalt im Alter warnt ein Beitrag von erfolgkraft.de ausdrücklich vor dem Einsatz von Trenbolon (Parabolan) als vermeintlichem Mittel gegen altersbedingten Muskelverlust. Es handle sich um keine zugelassene Standardbehandlung; mögliche Risiken reichten von Bluthochdruck über ungünstige Blutfettwerte und Herz-Kreislauf-Belastung bis zu Schlaf- und Stimmungsschwankungen sowie Leber-, Nieren- und Prostataproblemen und Wechselwirkungen mit Medikamenten. Empfohlen werden stattdessen ärztlich begleitetes, angepasstes Krafttraining in Kombination mit Ernährung und ausreichender Regeneration.

Zusammengenommen zeichnen die aktuellen Arbeiten ein Bild von Sarkopenie als komplexem Zusammenspiel aus chronischer Entzündung, gestörter Zellkommunikation und mitochondrialem Stress – mit Ansatzpunkten sowohl auf molekularer Ebene als auch im Alltag durch Ernährung, Training und Regeneration.

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de | wissenschaft | 70222001 |