Dankbarkeit trainieren: Studie mit 260 Personen zeigt weniger Sorgen
Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 15:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Regelmäßige Dankbarkeit lässt sich wie eine Fähigkeit trainieren und kann die psychische Verfassung messbar stabilisieren. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der Psychologin Hannah Heckendorf, die im Rahmen ihrer Doktorarbeit 260 Versuchspersonen analysierte.
Die Teilnehmenden einer speziellen Trainingsgruppe wiesen unmittelbar nach der Trainingsphase sowie drei Monate später signifikante Unterschiede im Vergleich zu einer Warte-Kontrollgruppe auf. Bei den trainierten Personen zeigten sich deutlich weniger Sorgen und Grübelgedanken, verringerte Angst- und Depressionssymptome sowie weniger Schlafbeschwerden.
Dass Dankbarkeit im Alltag eine zentrale Rolle spielt, belegte unter anderem eine Forsa-Umfrage aus dem Jahr 2023. Dieser Erhebung zufolge empfinden die Menschen in Deutschland vor allem für die eigene Familie, die Gesundheit und den Freundeskreis Dankbarkeit.
Körperliche und neurologische Veränderungen
Die Praxis wirkt sich nicht nur auf das emotionale Erleben aus, sondern zieht messbare biologische Reaktionen nach sich. Wissenschaftliche Untersuchungen verdeutlichen, dass Dankbarkeit das Stresshormon Cortisol senkt und zugleich die Ausschüttung von Neurotransmittern wie Dopamin und Serotonin anregt. Auf neuronaler Ebene stärkt dieser Zustand den präfrontalen Cortex, während die Aktivität der Amygdala gedämpft wird.
Zudem belegen Analysen Vorteile für das Stressmanagement, die emotionale Resilienz sowie den Schlaf. Ein tägliches Dankbarkeitsjournal von zehn Minuten Dauer über einen Zeitraum von mehreren Wochen führt demnach zu einer Verbesserung des Blutdrucks sowie der Herzratenvariabilität.
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Überdies geht eine dankbare Haltung mit selteneren körperlichen Beschwerden wie Kopfschmerzen, Übelkeit oder Gelenkschmerzen einher und wird mit geringeren Entzündungsmarkern im Organismus in Verbindung gebracht.
Begleitender Einsatz in Therapie und Beziehungen
Auch im klinischen Umfeld gewinnt der Ansatz an Bedeutung. Wird Dankbarkeit bei leichten bis mittleren Depressionen gezielt in die kognitive Verhaltenstherapie integriert, beschleunigt dies die Erholung der betroffenen Patientinnen und Patienten. Im zwischenmenschlichen Bereich profitieren Paare von der Praxis: Partner, die regelmäßig Dankbarkeit ausdrücken, weisen eine höhere Zufriedenheit in ihren Beziehungen auf.
Ergänzend dazu beschrieb der Ökonom James Andreoni bereits im Jahr 1990 im Rahmen seiner Forschung zum Spendenverhalten den sogenannten Warm-Glow-Effekt. Demnach spenden und helfen Personen nicht rein aus uneigennützigem Altruismus, da das Geben selbst ein positives Gefühl erzeugt.
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Bildgebende Studien untermauern diesen Zusammenhang, da freiwillige Hilfeleistungen die Belohnungsnetzwerke im Gehirn aktivieren. Allerdings hängt das Ausmaß der Wirkung von den individuellen Beweggründen ab: Wer aus eigener innerer Überzeugung handelt, zieht einen größeren Nutzen daraus als Menschen, die unter Druck oder aus reiner Verpflichtung agieren.
Laut einer Meta-Analyse sorgen insbesondere kleine Alltagsaufmerksamkeiten für einen verlässlichen, wenn auch kleinen bis moderaten Anstieg des Wohlbefindens.
Empfehlungen für den Alltag und mögliche Grenzen
Experten empfehlen, täglich etwa fünf bis zehn Minuten für entsprechende Übungen einzuplanen. Die methodische Umsetzung erfordert dabei keinen hohen Aufwand: Ein einfaches Journaling ist kostenfrei möglich, während spezialisierte Applikationen für digitale Angebote bis zu 10 US-Dollar pro Monat kosten können.
Trotz der belegten positiven Effekte weisen Fachleute auf mögliche Fehlentwicklungen hin. Als Risiko gilt eine toxische Positivität, bei der Betroffene schwierige oder negative Emotionen krampfhaft ausblenden und unterdrücken, anstatt sie angemessen zu verarbeiten. Dankbarkeitsübungen sollten daher als ergänzende Ressource verstanden werden und nicht dem Verdrängen belastender Gefühle dienen.
