Darm-Hirn-Achse: Studie mit ĂŒber 1.400 Erwachsenen findet messbare ZusammenhĂ€nge
Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 16:52 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie biologische Alterung des menschlichen Gehirns verlÀuft nicht bei jedem Menschen im gleichen Tempo. Wie eine im Fachjournal eBioMedicine publizierte Forschungsarbeit zeigt, weisen gesunde Erwachsene im Alter von 18 bis 65 Jahren teils HirnaktivitÀtsmuster auf, die Àlter wirken als ihr chronologisches Alter. Dieser sogenannte Gehirnalterungsindex steht laut den Untersuchungen in direktem Zusammenhang mit leicht schlechteren Ergebnissen im ArbeitsgedÀchtnis sowie bei Tests der Exekutivfunktionen. Zudem zeigten sich vermehrt depressive Symptome sowie messbare VerÀnderungen in der Zusammensetzung der Darmflora und der Stuhlchemie.
Abweichungen zwischen chronologischem und biologischem Gehirnalter
Forschende der UCLA Health Sciences untersuchten fĂŒr die Erhebung Daten von ĂŒber 1.400 gesunden Personen im Alter von 18 bis 65 Jahren, um die ZusammenhĂ€nge zwischen dem mikrobiellen Milieu im Darm und dem biologischen Gehirnalter zu analysieren. Das per Hirnscan geschĂ€tzte biologische Alter kann dabei spĂŒrbar vom Lebensalter abweichen.
Bei Personen, deren Gehirne Ă€lter wirken, beobachtete UCLA Health neben LeistungseinbuĂen beim GedĂ€chtnis auch eine schwĂ€chere Konzentration und Stimmungsschwankungen.
In der in eBioMedicine veröffentlichten Studie erfolgte die Analyse anhand von drei Kohorten mit jeweils 674, 444 und 344 Personen. Die modellbasierte AltersschÀtzung wich dabei im Durchschnitt um 6 bis 9 Jahre vom chronologischen Alter der Teilnehmenden ab.
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Die gemessenen Korrelationen zwischen den Werten des Brain-Age-Scores und den kognitiven Tests bewegten sich in einer Spanne zwischen 0,12 und 0,38, was maximal rund 14 Prozent der beobachteten Varianz erklÀrt.
Stoffwechselprodukte und BakterienstÀmme im Fokus
Ein besonderer Schwerpunkt der Forschungsarbeit lag auf der biochemischen Analyse der Darm-Hirn-Achse. Das untersuchte Darmprofil, das an 182 Teilnehmenden detailliert erhoben wurde, erklÀrte etwa 2 Prozent der Unterschiede im Brain-Age-Score. Bei Àlter wirkenden Gehirnmustern identifizierten die Forschenden spezifische Bakterien wie Clostridium und Collinsella sowie bestimmte chemische Verbindungen wie Ceramide und 24-Hydroxycholesterol.
Nach Angaben von UCLA Health traten bei schlechteren Testergebnissen vermehrt spezielle BakterienstĂ€mme sowie potenziell entzĂŒndungsfördernde Stoffwechselprodukte zutage, darunter Ceramide, DicarbonsĂ€uren und 24-Hydroxycholesterol. Zugleich waren die Konzentrationen kurzkettiger FettsĂ€uren sowie des Hormons Estetrol drastisch reduziert.
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Bestimmte FettmolekĂŒle und Cholesterinverbindungen standen somit im Zusammenhang mit einer beschleunigten Alterung der Hirnstrukturen. Umgekehrt wiesen jĂŒnger wirkende Gehirne höhere Werte von Neurotransmitter- und AminosĂ€ure-Stoffwechselprodukten sowie von Estetrol auf.
Methodische Einordnung und ernÀhrungsmedizinische AnsÀtze
Die Seniorautorin der Studie von UCLA Health, Dr. Arpana Church, erklÀrte zu den Befunden, dass Prozesse der Gehirnalterung nicht erst im fortgeschrittenen Lebensalter beginnen. Entsprechende biologische Signale seien möglicherweise bereits Jahrzehnte vor dem Auftreten klinischer Symptome im Organismus erkennbar.
Da es sich bei der in eBioMedicine dargelegten Arbeit um eine Querschnittsstudie handelt, lassen die Ergebnisse keine unmittelbaren RĂŒckschlĂŒsse auf kausale WirkungszusammenhĂ€nge zu. Die Daten belegen subtile statistische ZusammenhĂ€nge, begrĂŒnden jedoch keinen direkten Ursache-Wirkungs-Mechanismus.
UCLA Health verweist vor diesem Hintergrund auf prĂ€ventive Lebensstilfaktoren zur UnterstĂŒtzung des Mikrobioms: Neben dem Einsatz von Probiotika werden insbesondere eine mediterrane ErnĂ€hrung sowie die spezifische MIND-DiĂ€t als prĂ€ventive AnsĂ€tze hervorgehoben.
