Darmbakterien als Schlüssel gegen Diabetes und Jo-Jo-Effekt
15.05.2026 - 09:49:02 | boerse-global.deIm Fokus: Das Mikrobiom, der Jo-Jo-Effekt und die 20:80-Regel.
Probiotika senken Blutzucker
Eine aktuelle Studie im Fachmagazin Nutrients zeigt: Multispezies-Probiotika können den Nüchternblutzucker senken. In der doppelblinden Studie mit 39 Erwachsenen mit subklinischer Depression führte eine zwölfwöchige Gabe spezifischer Bakterienstämme zu einer signifikanten Reduktion. Die Forscher beobachteten zudem weniger Entzündungsmarker und veränderte inkretinbezogene Hormone wie GIP.
Eingesetzt wurden unter anderem Limosilactobacillus fermentum, Lacticaseibacillus rhamnosus, Lactiplantibacillus plantarum und Bifidobacterium longum. Während die kurzkettigen Fettsäuren im Blut stabil blieben, stieg der Valerat-Spiegel an.
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Neue Hoffnung gegen den Jo-Jo-Effekt
Forscher der Universität Maastricht liefern in Nature Medicine vielversprechende Ergebnisse. In einer klinischen Prüfung mit 90 übergewichtigen Probanden untersuchten sie die Wirkung des Probiotikums Akkermansia muciniphila (MucT™).
Nach einer achtwöchigen Diät mit 900 Kalorien täglich erhielten die Teilnehmer 24 Wochen lang entweder das Präparat oder ein Placebo. Die Probiotikum-Gruppe nahm im Schnitt nur 1,2 Kilo zu – die Placebo-Gruppe dagegen 3,2 Kilo. Zudem verbesserte sich die Insulinsensitivität. Ein Teil der Probanden nahm trotz Diät-Ende unter Probiotikum-Einfluss sogar weiter ab.
Ist der Jo-Jo-Effekt gar nicht so schlimm?
Eine Analyse in The Lancet Diabetes & Endocrinology stellt bisherige Annahmen infrage. Die Autoren, darunter Experten des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung, betonen: Es gibt keine hinreichenden Belege für dauerhafte Stoffwechselstörungen durch wiederholte Gewichtsfluktuationen. Eine erneute Zunahme führe lediglich zum Ausgangsrisiko zurück – die Vorteile des Abnehmens seien nicht zunichte gemacht. Besonders relevant sei dies im Kontext neuer GLP-1-Medikamente.
Die 20:80-Regel in der Praxis
Ernährungsmediziner Matthias Riedl vom Medicum Hamburg empfiehlt das Prinzip der 20:80-Regel. Demnach bleiben 80 Prozent der gewohnten Ernährung erhalten, nur 20 Prozent werden individuell angepasst.
Riedl rät zur Reduktion schnell verwertbarer Kohlenhydrate wie Kartoffeln, Reis oder Weißbrot. Stattdessen: mehr Gemüse, Eiweiß und hochwertige Fette wie Oliven- oder Leinöl. Der Experte setzt auf dauerhafte Umstellung statt kurzfristigen Verzicht. Morgens gibt es bei ihm eine Kombination aus Quark, Beeren und Leinöl.
Hülsenfrüchte senken Bluthochdruck
Eine Meta-Analyse im BMJ Nutrition Prevention & Health mit Daten von über 300.000 Teilnehmern aus zwölf Studien belegt die schützende Wirkung von Hülsenfrüchten. Ein täglicher Verzehr von etwa 170 Gramm senkt das Risiko für Bluthochdruck um rund 30 Prozent. Bei Sojaprodukten liegt der stärkste Effekt bei 60 bis 80 Gramm täglich. Grund: der hohe Gehalt an Kalium, Magnesium und Ballaststoffen.
Warnung vor Vitamin-Trends
Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) warnt vor unkontrollierten Trends. Besonders Drip-Spa-Infusionen mit hochdosierten Vitaminen stehen in der Kritik. Für diese Verfahren fehle oft der wissenschaftliche Wirksamkeitsnachweis und die Zulassung als Arzneimittel. Die Risiken reichen von Elektrolytstörungen bis zu anaphylaktischen Schocks oder Luftembolien.
Auch bei Nahrungsergänzungsmitteln für Kinder sehen Verbraucherschützer Aufklärungsbedarf. 2022 wurde in Deutschland mit solchen Produkten ein Umsatz von knapp drei Milliarden Euro erzielt. Untersuchungen der Verbraucherzentralen zeigten: Ein Großteil der Kinderprodukte war zu hoch dosiert. Ausnahmen bilden lediglich die Vitamin-D-Gabe für Säuglinge und die Fluoridprophylaxe.
Wenn der Dünndarm falsch besiedelt ist
In der klinischen Diagnostik gewinnt die bakterielle Fehlbesiedlung des Dünndarms (SIBO) an Bedeutung. Symptome wie Blähungen und Bauchschmerzen, die häufig dem Reizdarmsyndrom zugeschrieben werden, könnten in bis zu 80 Prozent der Fälle auf SIBO zurückgehen. Die Behandlung erfordert meist eine Kombination aus Antibiotika wie Rifaximin und angepasster Diät. Die Rückfallquoten liegen nach mehreren Monaten bei bis zu 50 Prozent.
Die Verbindung zwischen Stoffwechsel und Krebs
Forscher der Universität Birmingham identifizierten eine genetische Verbindung zwischen Adipositas, Diabetes und Bauchspeicheldrüsenkrebs. Bestimmte Gene und Entzündungsprozesse sind bei allen drei Krankheitsbildern aktiv. Das erklärt, warum Stoffwechselerkrankungen die Prognose bei Krebserkrankungen verschlechtern.
Vitamin D schützt das Gehirn
Eine Langzeitstudie der Universitäten Galway und Boston zeigt: Bereits in der Lebensmitte ist ein ausreichender Vitamin-D-Spiegel mit weniger Tau-Ablagerungen im Gehirn verbunden. Diese Ablagerungen gelten als charakteristisch für frühe Alzheimer-Stadien. Die Daten von knapp 800 Teilnehmern legen nahe: Die metabolische Gesundheit muss Jahrzehnte vor einer möglichen Demenz geschützt werden.
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Bewegung im Alltag und Schlaf als Hebel
Experten betonen die Relevanz von Alltagsbewegung (NEAT – Non-Exercise Activity Thermogenesis). Gezielter Sport macht oft nur einen Bruchteil des täglichen Energieverbrauchs aus. Die Steigerung kleiner Bewegungen im Alltag ist essenziell für Mitochondrien-Dichte und Fettverbrennung.
Auch Schlaf ist ein wesentlicher Hebel. Olympiasieger Matthias Steiner, der selbst mit Typ-1-Diabetes lebt, verweist darauf: Schlafmangel unter sechs Stunden erhöht den Insulinbedarf und provoziert Heißhungerattacken.
Ausblick: Individualisierte Therapie
Für die Zukunft zeichnet sich eine stärkere Individualisierung der Behandlung ab. Die Einbeziehung des Mikrobioms und gezielte Probiotika könnten ergänzend zu herkömmlichen Methoden an Bedeutung gewinnen. Fachkreise fordern zudem bessere Aufklärung über Triglycerid-Erhöhungen, die als Risikomarker oft unterschätzt werden.
Die Basis bleibt die Optimierung des Lebensstils. Die Kombination aus kohlenhydratreduzierter Ernährung, ausreichender Proteinzufuhr und Berücksichtigung des Mikrobioms bietet das größte Potenzial, um die steigenden Fallzahlen bei Stoffwechselerkrankungen zu begrenzen. Die Integration dieser Erkenntnisse in den medizinischen Alltag wird eine der zentralen Herausforderungen der kommenden Jahre.
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