Ukraine und Schweiz schmieden KI-Allianz für den „Agentic State“
15.05.2026 - 09:43:52 | boerse-global.deMitte Mai 2026 besiegelte Kiew eine strategische Partnerschaft mit Bern – und stellt das Konzept des „Agentic State“ vor.
Die auf zehn bis zwölf Jahre angelegte Zusammenarbeit zwischen dem ukrainischen Minister für digitale Transformation, Oleksandr Bornyakov, und dem Schweizer Delegierten Jacques Gerber zielt auf digitale Souveränität ab. Im Kern geht es um heimische Lösungen in Cybersicherheit, Cloud-Technologien und KI-basierten Diensten.
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Geplant ist unter anderem ein großangelegtes Technologie-Event in der Schweiz im Herbst 2026. Es soll politische Diskussionen mit praktischen Workshops zu Daten-Governance und sicherer KI verbinden.
Vom Smartphone-Staat zum KI-System
Anfang Mai 2026 stellte das Ministerium für digitale Transformation das Konzept des „Agentic State“ vor. Die Idee: Künstliche Intelligenz wird zur Kernschicht der Regierungsführung.
Entscheidungsfindungen, Regulierung der digitalen Wirtschaft und Bürgerinteraktionen sollen zunehmend durch KI-gestützte Systeme unterstützt werden. Ein wesentliches Element sind nationale Sprachmodelle (LLMs), die rechtlich konform und transparent auf Basis staatlicher Register arbeiten.
Ein praktisches Beispiel ist der Ende 2025 eingeführte „AI Mentor“ auf der Plattform Diia.Education. Das Tool nutzt Googles Gemini-Technologie, um personalisierte Lernpfade für über 2,7 Millionen registrierte Nutzer zu erstellen. Über 96 Prozent der Ukrainer verfügen inzwischen über grundlegende digitale Kompetenzen.
IT-Sektor als wirtschaftlicher Motor
Die Bedeutung der Technologiebranche belegt eine Studie der IT Ukraine Association vom April 2026. Der gesamte ukrainische IT-Markt erreichte 2025 ein Volumen von 7,85 Milliarden US-Dollar.
Der Anteil von IT-Dienstleistungen an den gesamten Service-Exporten stieg auf 41,6 Prozent. Jeder im IT-Sektor generierte Dollar erzeugt zusätzliche 1,09 Dollar in angrenzenden Bereichen wie Finanzen, Logistik oder Bildung. Ein einziger IT-Spezialist sichert rechnerisch etwa 2,29 Arbeitsplätze in anderen Branchen.
Insgesamt hängen über 800.000 Arbeitsplätze direkt oder indirekt vom Technologiesektor ab. Die Steuerzahlungen der Branche beliefen sich 2025 auf rund 1,2 Milliarden US-Dollar – und flossen direkt in die Verteidigungsfähigkeit des Landes.
Brave1: Krieg als Innovationsbeschleuniger
Das Defence-Tech-Ökosystem unter der Plattform Brave1 bündelt inzwischen über 800 Startups. 2025 wurden Investitionen von 129 Millionen US-Dollar öffentlich bekannt – eine Verdopplung gegenüber dem Vorjahr.
Besondere Aufmerksamkeit erregte die Eröffnung des „Brave1 Dataroom“ in Zusammenarbeit mit dem US-Unternehmen Palantir im Januar 2026. Die Einrichtung ermöglicht es, KI-Modelle mit echten Schlachtfelddaten zu trainieren.
Die Ukraine fungiert hier als „Live-Labor“: Technologien werden unter realen Bedingungen getestet und innerhalb von Wochen – statt Jahren – zur Einsatzreife gebracht. Viele Verteidigungslösungen finden zunehmend Anwendung in der Landwirtschaft oder im Gesundheitswesen.
Diia: Vom Vorzeigeprojekt zum Exportschlager
Die Plattform Diia zählt inzwischen mehr als 22 Millionen Nutzer – über die Hälfte der Bevölkerung. Das TIME-Magazin zeichnete die Ukraine 2024 für die weltweit erste vollständig digitale Eheschließung aus. Im November 2025 wurde der KI-Assistent „Diia.Ai“ als weltweit erster nationaler KI-Dienst für Regierungsleistungen registriert.
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Die Schweiz unterstützt nun die Ausweitung der ukrainischen Reformen auf europäischer Ebene. Für Kiew bedeutet das nicht nur Zugang zu Schweizer Expertise, sondern auch die Möglichkeit, erprobte Lösungen wie Diia auf dem europäischen Markt zu skalieren.
Ausblick: Digitale Nomaden willkommen
Für 2026 plant die Ukraine eine Intensivierung der Integration in den digitalen Binnenmarkt der EU. Die Angleichung an europäische Standards für elektronische Identitäten steht ganz oben auf der Agenda.
Das uResidency-Programm – das ausländischen Unternehmern eine vollständig digitale Unternehmensführung mit einem Steuersatz von 5 Prozent ermöglicht – soll in der zweiten Jahreshälfte auf weitere Länder ausgeweitet werden. Nach erfolgreichem Pilotbetrieb mit Teilnehmern aus Indien, Pakistan, Thailand und Slowenien will die Ukraine digitale Nomaden und Tech-Startups weltweit anziehen.
In technischer Hinsicht sind weitere KI-gestützte Verwaltungstools geplant, die komplexe Prozesse – von der Baugenehmigung bis zur Zollabwicklung – autonom bearbeiten können. Die Partnerschaft mit der Schweiz soll diese Lösungen auf ein Sicherheitsniveau heben, das auch für andere westliche Demokratien als Referenz dient.
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