Darmerkrankungen, Nanosensor

Darmerkrankungen: Nanosensor erkennt Entzündungen in Minuten

16.06.2026 - 02:03:28 | boerse-global.de

Forscher entdecken genetische Narben im Darm und entwickeln Schnelltests. Neue Sensoren weisen Entzündungsmarker in Minuten nach.

CED-Diagnostik: Nanosensoren und molekulare Narben revolutionieren Erkennung
Darmerkrankungen - Nahaufnahme einer mikroskopischen Ansicht von Darmzellen mit leuchtenden molekularen Markern, die die Forschung an Darmentzündungen symbolisieren. 16.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Forscher entdecken molekulare Narben im Darmgewebe und entwickeln Sensoren, die Entzündungen in Minuten nachweisen.

„Molekulare Narbe“ bleibt auch nach Abheilung aktiv

Eine großangelegte Studie in Nature Genetics kartierte die Genaktivität von über einer Million Darmzellen. Das internationale Team um das Wellcome Sanger Institute analysierte Proben von 111 Patienten und 232 gesunden Probanden.

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Das Ergebnis: In den Stammzellen der Darmschleimhaut fanden die Forscher genetische Veränderungen – eine „molekulare Narbe“. Diese bleibt selbst dann aktiv, wenn die Entzündung klinisch abgeheilt ist. Die hohe Individualität der Erkrankung zeigte sich daran, dass weniger als die Hälfte der Genexpressionsänderungen über verschiedene Patientengruppen hinweg replizierbar war.

Die Datenbank IBDverse mit über 1,1 Millionen Zellen steht der Forschung nun online zur Verfügung.

„Bouncer“-Zellen als neue Schutzmechanismen entdeckt

Parallel identifizierte die University of Glasgow einen neuen Immunzelltyp – die sogenannten „Bouncer“-Zellen. Sie blockieren schädliche Immunreaktionen im Darm und schützen das Gewebe vor übermäßigen Entzündungen. Regulatorische T-Zellen bestätigten die Forscher ebenfalls als wesentlichen Schutzfaktor.

Auf der anderen Seite rückten Makrophagen mit einer spezifischen ITGA4-Genexpression in den Fokus. Sie treiben Entzündungen über den JAK/STAT-Signalweg voran – ein Signalweg, den aktuelle Medikamente bereits angreifen.

Nanosensor erkennt Biomarker in Minuten

Ein Team aus MIT und weiteren Institutionen entwickelte einen fluoreszierenden Nanosensor auf Basis von Kohlenstoffnanoröhren. Er weist den Biomarker Indol-3-Propionsäure (IPA) innerhalb weniger Minuten im Blutplasma nach – und das mit einem Dual-Mode: Sichtbares Licht fürs klassische Screening, Nahinfrarot für Wearables.

Niedrige IPA-Werte korrelieren direkt mit der Aktivität von Darmentzündungen.

Multiplex-Analyse für Gewebeproben

Das Unternehmen Revolune aus Oberkochen bringt neue Reagenzien für die Multiplex-Immunfluoreszenz auf den Markt. Nach einem Early-Access-Programm mit über 30 Laboren ist die Technologie nun breit verfügbar. Sie visualisiert mehrere Protein-Biomarker gleichzeitig in intaktem Gewebe – entscheidend für die räumliche Beurteilung von Entzündungsprozessen.

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Gedruckte Biosensoren und KI-Analyse in Sicht

Das Projekt sensePrintLab arbeitet an gedruckten Biosensoren auf Papierbasis. Sie sollen Bakterien wie E. coli und pH-Veränderungen in Sekundenschnelle erkennen. Die Auswertung übernimmt KI direkt auf einem Lesegerät. Prototypen werden bis 2028 erwartet, die Markteinführung dauert wegen Zulassungsverfahren länger.

Dass KI bereits heute präzise arbeitet, zeigt Hetairos vom DKFZ Heidelberg. Das System erreicht bei schwierigen Gewebeproben eine Übereinstimmungsrate von rund 90 Prozent – ursprünglich für Hirntumore entwickelt, könnte es künftig auch komplexe Darmbiopsien beschleunigen.

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