Datenschutz-Welle: Milliardenvergleiche nach US-Datenlecks
Veröffentlicht: 14.07.2026 um 22:44 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Gleich mehrere Großkonzerne und Gesundheitsdienstleister haben diese Woche milliardenschwere Einigungen erzielt – mit direkten Auswirkungen auf Millionen von Verbrauchern.
23andMe: 65 Millionen Euro für Datenleck
Der Gentest-Anbieter 23andMe steht im Zentrum der größten Einigung. Eine Koalition aus 42 US-Bundesstaaten erzielte einen Vergleich über 18 Millionen Euro mit dem Insolvenzverwalter des Unternehmens. Hintergrund: Ein Datenleck im Jahr 2023, bei dem die genetischen Daten von rund 6,9 Millionen Kunden kompromittiert wurden.
Connecticut-Generalstaatsanwalt William Tong, der die Verhandlungen führte, erklärte, die ursprünglichen Forderungen hätten bei 150 Millionen Euro gelegen. Die tatsächliche Rückzahlung sei aufgrund der Insolvenz auf 18 Millionen Euro begrenzt gewesen. Die Summe verteilt sich auf die beteiligten Bundesstaaten – Connecticut erhält rund 887.000 Euro, Arizona 612.000 Euro und Pennsylvania 492.000 Euro.
Parallel dazu einigte sich 23andMe auf einen separaten Vergleich über 46,75 Millionen Euro für betroffene Kunden. Das Unternehmen, das im März 2025 Insolvenz anmeldete, wurde vom TTAM Research Institute übernommen. Die Vorwürfe der Staatsanwälte wiegen schwer: 23andMe habe grundlegende Sicherheitsmaßnahmen vernachlässigt, bevor sensible Gen-Daten in falsche Hände gerieten.
Comcast Xfinity: 117,5 Millionen Euro für Sicherheitslücken
Der Kabelriese Comcast zahlt 117,5 Millionen Euro, um eine Sammelklage nach einem Datenleck im Oktober 2023 beizulegen. Der Vorfall bei der Tochter Xfinity legte sensible Daten offen: Nutzernamen, Passwörter, Kontaktdaten, Geburtsdaten und die letzten vier Ziffern der Sozialversicherungsnummern. Comcast bestreitet jegliches Fehlverhalten, räumt aber ein, dass die Sicherheitsvorkehrungen nicht ausreichten.
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Bayview Asset Management: 26 Millionen Euro nach Hackerangriff
Ein Richter genehmigte im Juli 2026 einen Vergleich über 26 Millionen Euro für Bayview Asset Management. Der Hack aus dem Jahr 2021 traf über 5,77 Millionen Kunden. Die Einigung sieht 8,6 Millionen Euro für Anwaltskosten vor und entschädigt Betroffene mit bis zu 5.000 Euro für nachgewiesene Schäden. Bislang haben rund 550.000 Personen – 9,5 Prozent der Betroffenen – Ansprüche angemeldet.
Flagstar Bank: Frist bis August für Entschädigungen
Die Flagstar Bank einigte sich auf 31,5 Millionen Euro nach zwei Datenpannen im Jahr 2021. Mehr als zwei Millionen Kunden waren betroffen. Betroffene haben bis zum 11. August 2026 Zeit, Ansprüche auf nachgewiesene Verluste von bis zu 25.000 Euro geltend zu machen. Die abschließende Anhörung ist für den 1. Oktober 2026 angesetzt.
Gesundheitssektor: Mehrere Einigungen parallel
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Auch im Gesundheitswesen zeichnen sich Vergleiche ab:
- ApolloMD zahlt 4,02 Millionen Euro nach einem Hack im Mai 2025. Patienten, deren Namen, Adressen und Sozialversicherungsnummern gestohlen wurden, haben bis zum 30. September 2026 Zeit für Ansprüche.
- Lucent Health Solutions einigte sich auf bis zu 1,95 Millionen Euro nach einer Phishing-Attacke im Oktober 2023, die 37.000 Menschen betraf. Außergewöhnliche Verluste von bis zu 5.500 Euro müssen bis zum 5. September 2026 angemeldet werden.
- Greenbaum Rowe Smith Davis, eine Anwaltskanzlei aus New Jersey, meldete einen Datenschutzvorfall im November 2025. Die Sicherheitslücke legte medizinische und persönliche Daten von 12.801 Patienten offen, die mit großen Gesundheitssystemen wie Atlantic Health System und Hackensack Meridian Health verbunden sind. Die Kanzlei bietet betroffenen Personen Identitätsschutzdienste an.
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