WhatsApp-Betrug: Kaspersky warnt vor Malware und CEO-Impersonationen
Veröffentlicht: 14.07.2026 um 22:44 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Cyberkriminelle setzen zunehmend auf WhatsApp, um Unternehmen und Privatpersonen um Millionenbeträge zu bringen. Sicherheitsforscher schlagen Alarm.
Die Messaging-Plattform WhatsApp entwickelt sich immer mehr zur Drehscheibe für professionelle Betrugsnetzwerke. Gleich mehrere Vorfälle der vergangenen Tage zeigen, wie ausgeklügelt die Angreifer vorgehen – von getarnten Schadsoftware-Dateien bis hin zu perfekt inszenierten Chef-Identitäten.
Gefährliche VBScript-Dateien im Umlauf
Sicherheitsforscher von Kaspersky haben am heutigen Dienstag eine neue Malware-Kampagne aufgedeckt, die über WhatsApp verbreitet wird. Die Angreifer verschicken Dateien mit harmlos klingenden Namen wie „Financial Reports.vbs". Öffnet ein Empfänger die Datei, lädt sie im Hintergrund eine Fernwartungssoftware herunter.
Das Programm „ManageEngine Endpoint Central" ist eigentlich für IT-Administratoren gedacht. In den falschen Händen verschafft es den Angreifern jedoch vollen Zugriff auf das infizierte System. Die Kampagne erstreckt sich über ein Dutzend Länder – darunter Spanien, Australien, Singapur und Großbritannien.
Der Chef, der keiner war: Millionenbetrug per WhatsApp
Besonders perfide ist eine Masche, die derzeit Unternehmen in Schrecken versetzt: sogenannte CEO-Impersonationen. Kriminelle geben sich als Geschäftsführer aus und fordern per WhatsApp Überweisungen an. Das indische Cyber Crime Coordination Centre (I4C) warnte bereits am Montag vor dieser Entwicklung.
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Ein aktueller Fall zeigt das ganze Ausmaß: Die Baufirma SKS Infra Projects aus Agra verlor umgerechnet rund 220.000 Euro. Ein Buchhalter hatte eine WhatsApp-Nachricht erhalten, die vom Handy des Direktors zu stammen schien. Die Anweisung: Überweisung auf ein Drittanbieter-Konto. Die Polizei ermittelt.
21 Millionen Euro in Krypto-Scam verloren
Noch dramatischer ist der Fall eines Wirtschaftsprüfers aus Gwalior. Er fiel auf eine mehrstufige Betrugsmasche herein, die im Dezember 2025 begann. Eine angebliche „Divya Singh" lockte ihn per WhatsApp auf eine gefälschte Handelsplattform für Kryptowährungen.
Das System zeigte phantastische Gewinne von umgerechnet rund 3,5 Millionen Euro an. Doch als der Mann sein Geld abheben wollte, verlangten die Betrüger immer neue Gebühren – zuletzt angeblich 1,1 Millionen Euro Steuern. Am Ende stand ein Verlust von 2,2 Millionen Euro.
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Das Geldwäsche-Netzwerk dahinter
Die Ermittler staunten nicht schlecht, als sie die Geldströme verfolgten. Die gestohlenen Gelder wurden über mehr als 20.000 Transaktionen geschleust. Ein komplexes System aus vier Kontenschichten sollte die Spuren verwischen:
- 77 Konten in der ersten Schicht
- 493 Konten in der zweiten Schicht
- 12.700 Konten in der dritten Schicht
- 7.500 Konten in der vierten Schicht
Bislang konnten die Behörden rund 200.000 Euro einfrieren. Etwa 570 weitere sogenannte Mule-Konten werden noch verfolgt – viele davon im Süden Indiens.
Die neue Vielfalt der Betrugsmaschen
Doch nicht nur Großbetrug ist ein Problem. Sicherheitsbehörden registrieren einen deutlichen Anstieg von „Task Scams" – falschen Jobangeboten für einfache Tätigkeiten wie das Liken von Videos. In Einzelfällen verloren Opfer umgerechnet mehrere tausend Euro.
Hinzu kommt eine Welle von Account-Übernahmen. Die Täter nutzen gekaperte Verifikationscodes und KI-generierte Phishing-Seiten in zahlreichen Sprachen. Die Botschaft der Experten ist eindeutig: Zahlungsanweisungen per WhatsApp niemals blind vertrauen – und verdächtige Dateianhänge grundsätzlich ignorieren.
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