Demenz, Essverhalten

Demenz und Essverhalten: Vier Warnsignale, die frĂŒh auffallen können

Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 23:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de
VerĂ€nderte Mahlzeiten, fehlender Appetit und SĂŒĂŸhunger zĂ€hlen zu möglichen Hinweisen; auch andere Erkrankungen können Demenzsymptome verursachen.
Ein leerer, weißer Teller auf einem schlichten Holztisch in einem hellen, ruhigen Raum. Illustration mit AI erstellt.

VerĂ€nderungen der alltĂ€glichen Essgewohnheiten können frĂŒhzeitige Anzeichen einer beginnenden Demenzerkrankung darstellen. Neben den weithin bekannten GedĂ€chtnisproblemen rĂŒcken neurologische Fachleute zunehmend subtile Verhaltensmuster in den Fokus, die sich bereits Jahre vor einer gesicherten Diagnose bemerkbar machen können. Berichten zufolge definieren Mediziner vier spezifische Warnsignale im ErnĂ€hrungsverhalten, die auf neurodegenerative Prozesse hindeuten.

Vier Warnsignale rund um die Mahlzeiten

Der Neurologe Majid Fotuhi von der Johns-Hopkins-UniversitÀt verweist darauf, dass gravierende Wandlungen des Essverhaltens eine medizinische AbklÀrung erfordern. Zu den charakteristischen Indikatoren gehört die zunehmende Vereinfachung von Mahlzeiten.

Demenz beeintrÀchtigt fortschreitend die PlanungsfÀhigkeit, was die Zubereitung komplexer Gerichte erschwert, wie der Neurologe Joel Salinas von der New York University erlÀutert. Ein weiteres Signal ist der Verlust des Interesses an Nahrung, der hÀufig durch eine BeeintrÀchtigung des Geruchssinns ausgelöst wird.

DarĂŒber hinaus vergessen Betroffene mitunter regulĂ€re Essenszeiten. Der Neurologe Adam Mednick fĂŒhrt dies auf gestörte Signalwege fĂŒr Hunger und SĂ€ttigung zurĂŒck. Als viertes Warnzeichen gilt ein ausgeprĂ€gter Heißhunger auf SĂŒĂŸes. Dieses PhĂ€nomen tritt besonders bei der frontotemporalen Demenz (FTD) auf und wird durch neuronale SchĂ€digungen im Frontalhirn verursacht.

Differenzierung der Demenzformen und Verhaltenssymptome

Demenzerkrankungen Ă€ußern sich nicht ausschließlich durch den Verlust kognitiver Erinnerungen. Rachel Daly von der Organisation Dementia UK betont, dass sich Erkrankungen oft ĂŒber subtile Funktions-, Verhaltens- oder KommunikationsverĂ€nderungen ankĂŒndigen.

WĂ€hrend sich die Alzheimer-Krankheit typischerweise durch eine fortschreitende GedĂ€chtnisstörung manifestiert, zeigt sich die frontotemporale Demenz primĂ€r ĂŒber Persönlichkeits- und VerhaltensĂ€nderungen.

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Bei der Lewy-Körper-Demenz treten hÀufig visuelle Halluzinationen, fluktuierende Kognition und REM-Schlafstörungen auf, wÀhrend vaskulÀre Demenzen vor allem mit exekutiven Dysfunktionen und entsprechenden Risikofaktoren einhergehen.

Nach EinschĂ€tzung von FachĂ€rzten am Taipei City Hospital Renai zeichnet sich die frontotemporale Demenz im Anfangsstadium hĂ€ufig durch VerhaltensauffĂ€lligkeiten statt reiner Vergesslichkeit aus. Dazu zĂ€hlen ein schwindendes VerstĂ€ndnis fĂŒr Witze und Ironie, eine ungewohnt direkte Ausdrucksweise, mangelnde Empathie, zunehmende Sturheit sowie ein unangemessenes Sozialverhalten.

Bei anhaltenden AuffĂ€lligkeiten dieser Art wird eine differenzierte Bildgebung mittels Computertomografie oder Magnetresonanztomografie empfohlen, um andere Ursachen wie SchlaganfĂ€lle, Hirntumoren oder einen Hydrocephalus auszuschließen.

FrĂŒhe Vorboten und Abgrenzung zu anderen Erkrankungen

Neurologen weisen darauf hin, dass entscheidende Vorboten bereits fĂŒnf Jahre vor dem eigentlichen Ausbruch der Erkrankung auftreten können. Dazu gehören das Ausbleiben von Erinnerungen an kĂŒrzlich Erlebtes selbst bei Hinweisen, Orientierungsverlust auf vertrauten Wegen infolge von VerĂ€nderungen im Hippocampus sowie plötzliche WesensĂ€nderungen, Reizbarkeit, Misstrauen und Antriebslosigkeit.

Dr. Sri Mulyani von der FKKMK UGM unterstreicht, dass Familienangehörige solche VerhaltensĂ€nderungen meist als Erste bemerken. Eine frĂŒhe Diagnose sei entscheidend, um die weitere Pflege vorausschauend planen zu können.

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Die Neurologin Marissa Sakoda vom Straub Benioff Medical Center nennt als konkrete Warnsignale im Alltag das wiederholte Verfahren an vertrauten Orten, Probleme bei der Verwaltung von Finanzen oder Rechnungen sowie Schwierigkeiten bei der Erledigung der regulĂ€ren Hausarbeit. Bei solchen Anzeichen rĂ€t sie zu einem Termin beim Hausarzt, um kognitive Screenings durchzufĂŒhren und medikamentöse EinflĂŒsse oder Mangelerscheinungen auszuschließen.

Fachberichte betonen zudem, dass 10 bis 20 Prozent aller auftretenden Demenzsymptome auf sekundĂ€re und damit potenziell umkehrbare Ursachen zurĂŒckgehen. Dazu zĂ€hlen unter anderem ein Mangel an Vitamin B12 oder B1, Erkrankungen der SchilddrĂŒse, Leber oder Nieren, Elektrolytstörungen sowie Wechselwirkungen von Medikamenten oder Alkoholmissbrauch.

SchĂ€tzungen von Dementia UK zufolge bleibt derzeit rund ein Drittel der Ă€lteren Menschen mit Demenz in England ohne formelle Diagnose. Bei jĂŒngeren Betroffenen unter 65 Jahren werden die ersten Symptome zudem nicht selten fĂ€lschlicherweise als Stress, Depression oder Wechseljahresbeschwerden eingestuft.

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