Sprach- und Denkzensur an deutschen Hochschulen?

11.02.2020 - 15:46:38 | ad-hoc-news.de

Deutscher Hochschulverband moniert die fehlenden Möglichkeiten zu einer offenen Diskussion an deutschen Hochschulen.

Junge Leute vor einer UniversitÀt - Bild: ĂŒber dts Nachrichtenagentur
Junge Leute vor einer UniversitÀt - Bild: ĂŒber dts Nachrichtenagentur
Intoleranz ist nicht nur ein zunehmendes PhĂ€nomen in der öffentlichen Diskussion, sondern hat auch bereits die Elite-Bildungseinrichtungen in der Bundesrepublik erreicht, beklagt der Deutsche Hochschullehrerverband anhand der Zahlen einer Umfrage, die das Institut fĂŒr Demoskopie Allensbach am Dienstag veröffentlichte. Die Umfrage wurde unter 1106 Professoren und wissenschaftlichen Mitarbeitern durchgefĂŒhrt. Die Umfrage kommt zu dem Schluss, dass die befragten Hochschullehrer die Wissenschaftsfreiheit an deutschen Hochschulen fast durchweg als gut oder sehr gut beurteilten (93 Prozent), aber dennoch das Gesamtklima an den Bildungseinrichtungen kritisch beurteilen. In Punkto Wissenschaftsfreiheit rangiert die Bundesrepublik in der europĂ€ischen Perspektive unter den ersten zehn LĂ€ndern. Das liberalste Klima an Hochschulen herrscht demnach in der Schweiz, den skandinavischen Staaten und den Niederlanden. Die Umfrage, die in der Mittwochausgabe der „Welt“ veröffentlicht wird, rankt die Wissenschaftsfreiheit in der Bundesrepublik noch vor den USA, die auf einen Wert von 82 Prozent kommen. China landet mit 11 Prozent weit abgeschlagen. Das Problem der deutschen Hochschulen liegt in erster Linie in der Organisation des UniversitĂ€tsalltags. Hier lauert in Deutschland neben einer zeitaufwendigen VerwaltungstĂ€tigkeit, eine BĂŒrokratisierung des Lehr- und Forschungsbetriebs. Daneben beklagen die Dozenten die mangelnde finanzielle Ausstattung der Hochschulen, die zu einer AbhĂ€ngigkeit von Drittmitteln fĂŒhrt. Diese Aspekte sind seit Jahren in der Kritik und ihre Nennung ĂŒberrascht nicht. Was allerdings aufhorchen lĂ€sst, ist der Faktor der moralischen Standards, die zunehmend das Hochschulleben beeinflussen. Fast ein Drittel der Befragten Ă€ußerte sich gegenĂŒber dem Institut fĂŒr Meinungsforschung Allensbach negativ ĂŒber die formellen und informellen EinschrĂ€nkungen, die von einer falsch verstandenen „Political Correctness“ ausgehen. Faktoren wie zum Beispiel das Gender Mainstreaming, Frauen- und Minderheitenbeauftragte oder politische und individuelle Empfindlichkeiten, fĂŒhren laut Umfrage zu einem Klima der VerdĂ€chtigungen und Anschuldigungen. Die UniversitĂ€t hat die Aufgabe, eine gesellschaftliche RealitĂ€t abzubilden. Dies bedeutet fĂŒr 79 Prozent der befragten Dozenten, dass bei einer politischen Diskussion auch Vertreter des Rechtpopulismus vertreten sein sollten. Bei 75 Prozent herrscht allerdings die Überzeugung vor, dass ein derartiges Vorgehen auf einen erheblichen Widerstand in der Hochschule stoßen wĂŒrde. Dabei sehen sich die Hochschullehrer von zwei Seiten attackiert: von organisierten Hochschulgruppen einerseits und von einer UniversitĂ€tsleitung andererseits, die Konfrontation um jeden Preis vermeiden will. Eine genderneutrale Sprache trifft bei 72 Prozent der Befragten auf deutliche Vorbehalte. Bei Nicht-Einhalten der Gender-Sprachstandards rechnen immerhin 40 Prozent der Dozenten mit Protesten. Die Allensbach-Umfrage stellte auch die aktuelle Klimadebatte zur Disposition und erhielt hier ĂŒberraschende Zahlen. 43 Prozent der Hochschullehrer bestehen demnach auf dem theoretischen Recht, den Klimawandel in Frage zu stellen.
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