Diabetes und Lebenserwartung: Hoher HbA1c kostet rund 100 Lebenstage
Veröffentlicht am: 08.11.2026 um 08:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deIm Vorfeld des Weltdiabetestags am 14. November mahnen Fachgesellschaften und medizinische Organisationen eine frühzeitige Diagnose von Diabetes mellitus an. Dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte schädigen Blutgefäße, Nerven, Nieren sowie Augen und begünstigen schwere Ereignisse wie Herzinfarkt und Schlaganfall. Da die Stoffwechselstörung oft über lange Zeit ohne spürbare Symptome verläuft, bleibt sie bei vielen Betroffenen jahrelang unbemerkt.
Hohe Fallzahlen und erhebliche Krankheitslast
Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) ist bei rund 10 Prozent der Erwachsenen in Deutschland eine Diabetes-Erkrankung diagnostiziert, was etwa 7 Millionen Menschen entspricht. Zudem besteht eine hohe Dunkelziffer unerkannter Fälle.
Die Organisation Deutsche Diabetes-Hilfe beziffert die Gesamtzahl der Betroffenen in Deutschland auf rund 11 Millionen Menschen, darunter 8,7 Millionen diagnostizierte Typ-2- und etwa 372.000 Typ-1-Fälle.
Die chronische Erkrankung verursacht zudem erhebliche Kosten im Gesundheitssystem. Das Statistische Bundesamt ermittelte für das Jahr 2020 direkte Krankheitskosten in Deutschland von über 7 Milliarden Euro.
Weitverbreitete Folgeerkrankungen an Nerven und Gefäßen
Wird der erhöhte Blutzuckerspiegel nicht rechtzeitig behandelt, drohen fortschreitende Komplikationen. Nach der Nationalen VersorgungsLeitlinie auf Basis von RKI-Daten weisen 14 bis 28 Prozent der Typ-2-Patienten eine diabetische Neuropathie auf.
Die Leitlinie empfiehlt daher abhängig vom Risikoprofil ein Neuropathie-Screening im Abstand von ein bis zwei Jahren. Nach Angaben von Fachgesellschaften entwickelt zudem jährlich etwa 2 Prozent der Menschen mit Diabetes erstmals ein akutes diabetisches Fußsyndrom.
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Auch die Augen sind häufig betroffen. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) berichtet, dass 10 bis 15 Prozent der Typ-2-Diabetiker von einer diabetischen Retinopathie betroffen sind. Bei bis zu 16 Prozent der Patienten lassen sich Schäden an der Netzhaut bereits zum Zeitpunkt der Erstdiagnose feststellen, was den oft schleichenden Verlauf vor der Erkennung verdeutlicht.
Diagnosekriterien und Einfluss auf die Lebenserwartung
Da Typ-2-Diabetes über Jahre hinweg beschwerdefrei verlaufen kann, kommt labormedizinischen Untersuchungen eine zentrale Rolle zu. Ein Nüchternblutzucker ab 126 mg/dl weist auf die Erkrankung hin.
Als Maßstab zur Bestimmung der Blutzuckereinstellung dient der HbA1c-Wert: Werte unter 5,7 Prozent gelten als Normalbereich, 5,7 bis 6,4 Prozent zeigen einen Prädiabetes an, während Werte ab 6,5 Prozent eine Diabetes-Diagnose begründen.
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Dauerhaft erhöhte Werte wirken sich messbar auf die Lebenserwartung aus. Eine britische Auswertung auf Basis des National Diabetes Audit bezifferte den durchschnittlichen Verlust an Lebensjahren bei Typ-1-Diabetes auf 7,6 Jahre und bei Typ-2-Diabetes auf 1,7 Jahre.
Ein HbA1c-Wert, der über den Zeitraum eines Jahres oberhalb von 58 mmol/mol liegt, kostet statistisch im Schnitt rund 100 Lebenstage. Regelmäßige Kontrollen der Laborwerte sowie gezielte Untersuchungen von Nieren-, Nerven- und Gefäßfunktionen gelten daher als unverzichtbar, um Organschäden frühzeitig vorzubeugen.
