Digitaler, Euro

Digitaler Euro: 699 Milliarden Euro könnten Bankensektor verlassen

24.06.2026 - 01:49:15 | boerse-global.de

Der Wirtschaftsausschuss stimmt für den Rechtsrahmen des digitalen Euro. Die Einführung der digitalen Zentralbankwährung rückt damit näher.

EU-Parlament ebnet Weg für den digitalen Euro
Digitaler - A glowing digital euro symbol over a map of Europe, with data streams connecting cities, representing digital currency and financial networks. 24.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Damit rückt die erste digitale Zentralbankwährung der Eurozone ein großes Stück näher.

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Historischer Beschluss in Straßburg

Am Dienstag stimmte der Ausschuss für Wirtschaft und Währung (ECON) mit deutlicher Mehrheit für den Rechtsrahmen: 43 Abgeordnete votierten dafür, 14 dagegen, einer enthielt sich. Das Votum erlaubt den Start der sogenannten Trilog-Verhandlungen mit der EU-Kommission und den Mitgliedstaaten.

Hintergrund des Vorstoßes: Europa will seine Zahlungssouveränität stärken. Derzeit wickeln die US-Konzerne Visa und Mastercard rund 61 Prozent aller Kartenzahlungen im Euroraum ab. Ein digitaler Euro soll diese Abhängigkeit reduzieren.

Geopolitische Notwendigkeit

Für viele Europaabgeordnete ist die Entwicklung einer eigenen digitalen Zahlungslösung längst eine geopolitische Notwendigkeit. Es geht darum, eine echte Alternative zu den US-Kreditkartenriesen und dollar-gestützten Stablecoins zu schaffen.

Der Zeitpunkt ist brisant: Am selben Tag, an dem der EU-Ausschuss zustimmte, verabschiedete der US-Senat ein vierjähriges Verbot für die Ausgabe eines digitalen Dollars für Privatkunden. Während die USA also bremsen, gibt Europa Vollgas.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde betont immer wieder: Der digitale Euro soll Bargeld ergänzen, nicht ersetzen. Der beschlossene Rahmen stellt daher klar: Bargeld bleibt gesetzliches Zahlungsmittel. „Kein Bargeld“-Schilder an Ladenkassen werden verboten.

Datenschutz als Trumpf

Ein zentrales Versprechen: Der digitale Euro wird sowohl online als auch offline funktionieren. Die Offline-Version soll die Privatsphäre von Bargeld nachahmen. Mittels „Privacy-by-Design“-Prinzipien und sogenannter Zero-Knowledge-Beweise erfährt die EZB nicht, wer wofür bezahlt.

Die wichtigsten Eckpunkte des Rahmens:

  • Höchstgrenzen: Die EU-Kommission legt Obergrenzen für die Guthaben pro Person fest – basierend auf EZB-Empfehlungen. Alle zwei Jahre wird nachjustiert. Das soll einen massiven Abfluss von Bankeinlagen verhindern.
  • Keine Spekulation: Unternehmen dürfen digitale Euro maximal 24 Stunden halten. Die Währung ist für Transaktionen gedacht, nicht als Wertanlage.
  • Kostenlos für Bürger: Der digitale Euro bringt keine Zinsen. Basisdienste sind für Privatnutzer kostenlos. Wie Banken und Händler entschädigt werden, ist noch offen.
  • Verlustrisiko: Wer sein Gerät mit Offline-Guthaben verliert, hat keinen Anspruch auf Rückerstattung.
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Milliardenrisiko für Banken

Die Einführung des digitalen Euro hat enorme finanzielle Folgen. EZB-Simulationen zeigen: Bei einer Obergrenze von 3.000 Euro pro Person könnten bis zu 699 Milliarden Euro aus dem kommerziellen Bankensystem abfließen – rund 8,2 Prozent aller Sichteinlagen.

Die geschätzten Einführungskosten liegen zwischen vier und sechs Milliarden Euro, verteilt auf vier Jahre.

Die meisten Unternehmen müssen den digitalen Euro akzeptieren. Ausnahmen gibt es für Selbstständige und Kleinstunternehmen. Die Ausgabe erfolgt über Banken, Zahlungsdienstleister, Postfilialen und regulierte Krypto-Firmen.

Fahrplan bis zur Einführung

Der Gesetzgebungsprozess nimmt nun Fahrt auf. Eine Abstimmung im EU-Parlament ist für Anfang Juli geplant. EU-Wirtschaftskommissar Valdis Dombrovskis hofft auf einen endgültigen Beschluss noch in diesem Jahr.

Die EZB plant für die zweite Jahreshälfte 2027 eine zwölfmonatige Pilotphase mit einer Beta-Version und ausgewählten Händlern. Wenn alles nach Plan läuft, könnte der digitale Euro 2029 für alle Bürger verfügbar sein.

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