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Digitaler Nachlass: 39% machen Backups, 55% ignorieren AGB

24.06.2026 - 01:11:18 | boerse-global.de

Studien belegen große Defizite bei der Regelung des digitalen Erbes. Nur wenige nutzen Instrumente wie digitale Testamente oder Nachlasskontakte.

Digitaler Nachlass: Warum die meisten Deutschen unzureichend vorsorgen
Digitaler - Eine Hand interagiert mit einem holografischen Bildschirm, der digitale Vermögenswerte und Symbole für Online-Dienste anzeigt. 24.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die Verwaltung des digitalen Nachlasses wird immer drängender – doch die meisten Deutschen sind darauf nicht vorbereitet. E-Mail-Konten, Social-Media-Profile, Cloud-Speicher, Online-Abonnements, Kryptowährungen und digitale Fotosammlungen: Der digitale Nachlass umfasst längst mehr als nur ein paar Passwörter. Trotz der wachsenden Bedeutung klafft eine massive Lücke zwischen dem Wert dieser Hinterlassenschaften und der tatsächlichen Vorsorge.

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Warum digitale Erbschaften so kompliziert sind

Die Regelung des digitalen Nachlasses ist oft schwieriger als die Verwaltung physischer Besitztümer. Hauptproblem: Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) vieler Online-Dienste schränken den Zugang für Erben häufig ein oder schließen die Übertragbarkeit von Accounts ganz aus. Ohne explizite Vorsorge stehen Hinterbliebene vor der Herausforderung, an wichtige Dokumente oder Familienfotos zu kommen.

Besonders kritisch: Vermögenswerte wie Kryptowährungen werden oft nicht ausreichend dokumentiert. Im Erbfall droht dann der Totalverlust. Lösungen wie ein digitales Testament, die Hinterlegung von Passwörtern oder die Einrichtung von Nachlasskontakten bei großen Plattformen sind essenziell – doch die wenigsten nutzen sie.

Studie zeigt eklatante Vorsorgelücken

Trotz der steigenden Relevanz ist die Bevölkerung schlecht vorbereitet. Eine Studie der Versicherungskammer und des WIP aus dem Juni 2026 zeigt: Während die Deutschen im Schnitt 2,5 Stunden pro Woche in ihre Gesundheit investieren und monatlich rund 200 Euro für die finanzielle Vorsorge ausgeben, hapert es massiv bei der Nachlassregelung und Vorsorgevollmachten. Die größten Hürden: Geldmangel und die Kluft zwischen „sollte ich machen“ und „mache ich dann doch nicht".

Diese Nachlässigkeit setzt sich bei der digitalen Sicherheit fort. Eine Bitkom-Umfrage vom Frühjahr 2026 ergab: Nur 39 Prozent der Befragten erstellen regelmäßig Backups. Zehn Prozent verzichten sogar komplett darauf. Und 55 Prozent lesen AGB selten oder nie – was den späteren Zugriff für Erben zusätzlich erschwert.

Diese Instrumente helfen bei der Nachlassplanung

Neben technischen Lösungen gewinnen klassische Finanzinstrumente an Bedeutung. Rückkaufsfähige Lebensversicherungen werden vermehrt genutzt, um Liquidität für Hinterbliebene zu schaffen – die Todesfallleistung wird direkt an die Begünstigten ausgezahlt. Wichtig zu wissen: Bei der Berechnung von Pflichtteilen wird oft nur der Rückkaufswert berücksichtigt, nicht die gesamte Versicherungssumme.

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Beim digitalen Zahlungsverkehr bleibt die Rechtslage dynamisch. Bei nicht autorisierten Zahlungen – etwa durch Phishing – sind Banken zur Erstattung verpflichtet, sofern dem Kunden keine grobe Fahrlässigkeit nachgewiesen wird. Angesichts von über 380.000 gemeldeten Phishing-Mails im Jahr 2025 und KI-gestützten Betrugsmaschen wie Deepfakes wird die Sicherung des digitalen Zugangs zur zentralen Säule der Vorsorge.

Gesellschaftlicher Handlungsbedarf

Der Aufklärungsbedarf ist enorm. Ein Beispiel: Die Betreuungsbehörde Dresden veranstaltet am 30. Juni 2026 einen Informationsabend zu Vorsorgevollmachten sowie Betreuungs- und Patientenverfügungen. Solche Dokumente bilden die rechtliche Basis, um auch im digitalen Raum handlungsfähig zu bleiben, wenn der Kontoinhaber selbst nicht mehr dazu in der Lage ist.

Parallel arbeiten Unternehmen wie Cloudflare, Mozilla, Google und Microsoft am Protokoll Private-Access-Control-Tokens (PACT). Es soll legitime Nutzer besser von Bots unterscheiden – ohne die Privatsphäre durch Tracking zu verletzen. Solche Entwicklungen könnten langfristig die Sicherheit digitaler Identitäten erhöhen und damit auch die Nachlassverwaltung sicherer machen.

de | wissenschaft | 69614409 |