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Digitales Erbe: Kryptoschlüssel und Passwörter werden zum Hindernislauf

18.06.2026 - 01:21:57 | boerse-global.de

Der Zugriff auf digitale Konten und Kryptowerte wird für Erben oft zur Hürde. Neue Urteile verschärfen zudem die steuerlichen Regeln für Vermögensübertragungen.

Digitales Erbe: Zugangshürden und Steuerfallen für Angehörige
Digitales - Ein glühendes digitales Vorhängeschloss auf einem geöffneten Rechtsbuch mit binärem Code, der über einen dunklen Schreibtisch fließt. 18.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Der Bundesgerichtshof bestätigte zwar schon 2018, dass sich auch Online-Konten und digitale Verträge vererben lassen. Doch in der Praxis hapert es gewaltig.

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Ohne Passwort kein Zugriff

„Ohne die richtigen Zugangsdaten bleiben Erben oft außen vor“, warnt Felix Kohn vom VerbraucherService Bayern. Besonders heikel wird es bei Kryptowährungen. Hier reicht eine einfache Vollmacht nicht – ohne den privaten Schlüssel (Private Key) ist der Zugriff schlicht unmöglich.

Ein Fall aus Passau zeigt die ganze Absurdität: Ein Neo-Broker-Konto konnten die Erben freischalten lassen. Die darauf liegenden Kryptowerte blieben aber unzugänglich. Die Schlüssel fehlten.

Experten empfehlen daher eine strukturierte Nachlassliste nach der Methode der drei Ws: Wo liegt was? Und wie kommt man ran? Bei Plattformen wie Steam ist eine Kontoübertragung meist ausgeschlossen – der Zugriff läuft dann über die hinterlegten Zugangsdaten. E-Books sollten Anwender besser lokal sichern.

Finanzamt wird digitaler – und strenger

Die geplante Einführung von Paragraf 1959a BGB zur digitalen Nachlassermittlung dürfte die Kontrollmöglichkeiten der Finanzbehörden massiv ausweiten. Bislang unentdeckte Vermögensübertragungen könnten dann ans Licht kommen.

Besonders Ehegatten sollten aufpassen: Sie können zwar alle zehn Jahre 500.000 Euro steuerfrei verschenken. Doch bei gemeinsamen Konten oder größeren Finanzspritzen droht schnell eine unbewusste Steuerverkürzung.

Auch bei Immobilien gibt es neue Leitlinien. Der Bundesfinanzhof entschied am 10. Oktober 2025: Wer auf einen Nießbrauch verzichtet, muss das als steuerpflichtige Einkunft versteuern. Bislang galt das als steuerfreie Vermögensumschichtung.

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Das Finanzgericht München präzisierte im Januar 2026 zudem die Regeln für das Familienheim. Ein Erbe verlor den Steueranspruch, weil er erst zweieinhalb Jahre nach dem Erbfall einzog. Die Richter sehen sechs Monate als Richtwert für den „unverzüglichen“ Einzug. Renovierungsarbeiten? Die begannen erst sieben Monate nach dem Erbfall – zu spät.

Erben über Grenzen hinweg

Internationale Erbfälle werden zum Fallstrick. Besonders zwischen der Schweiz und den USA ist Vorsicht geboten. Seit dem 1. Januar 2023 gilt in der Schweiz ein revidiertes Erbrecht: Der Pflichtteil der Kinder sank von drei Vierteln auf die Hälfte des gesetzlichen Anspruchs. Das soll Ehepartner besser absichern und Unternehmensnachfolgen erleichtern.

Doch das Schweizer Pflichtteilsrecht bleibt zwingend, wenn der Verstorbene dort seinen letzten Wohnsitz hatte. US-Trusts umgehen diese Regeln nicht automatisch. Für Unternehmerfamilien sind gesellschaftsvertragliche Nachfolgeklauseln und die Finanzierung von Pflichtteilsansprüchen daher zentral.

Ein weiteres Instrument: die Vor- und Nacherbschaft nach Paragraf 2100 BGB. Der Vorerbe bekommt eine Immobilie nur übergangsweise – und unterliegt oft Verfügungsbeschränkungen. Der Haken: Beim Tod des Vorerben droht eine doppelte Erbschaftsteuer.

Vorsorge als Schlüssel

Bildungsträger reagieren auf die wachsende Komplexität. Die Volkshochschule Wetterau hat in ihr Frühjahrsprogramm 2026 zahlreiche Kurse zu Erben, Schenken und Vorsorgevollmachten aufgenommen. In Bremerhaven gibt es im Sommer 2026 spezielle Sprechstunden zum digitalen Nachlass.

Dass Digitalisierung auch kulturellen Wert hat, zeigt das Projekt „Bachmann (re)visited“. Zum 100. Geburtstag der Schriftstellerin Ingeborg Bachmann im Jahr 2026 wird ihr Nachlass digitalisiert. Die Universität Klagenfurt erstellt einen digitalen Zwilling ihres Hauses sowie eine Bildungsplattform. Fertigstellung: Frühjahr 2027.

Fachleute raten: Dokumentiert alle Vermögensübertragungen lückenlos. Bei komplexen oder internationalen Strukturen – holt frühzeitig anwaltlichen oder steuerberaterlichen Rat ein. Sonst wird das Erbe schnell zum Erbstreit.

de | wissenschaft | 69567329 |