Eiweißzufuhr, Studie

Eiweißzufuhr im Alter: Studie misst täglich 29,1 g mehr Protein

Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 07:55 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Gelieferte proteinreiche Kost mit Beratung steigerte die Eiweißaufnahme älterer Menschen; eine Studie zeigte zusätzliche Zufuhr durch Training und Supplemente.
Eine Schüssel mit gesundem, proteinreichem Essen auf einem Holztisch in einer hellen, häuslichen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Ein erheblicher Teil der älteren Bevölkerung, die auf häusliche Unterstützung angewiesen ist, erreicht nicht die empfohlene tägliche Eiweißmenge. Eine Dissertationsstudie der Universität Ostfinnland zeigt auf, dass sich die Proteinzufuhr bei zu Hause lebenden älteren Menschen wirksam und kosteneffizient steigern lässt.

Laut einem Bericht vom 30. Oktober 2026 besteht bei rund der Hälfte der Klienten in der häuslichen Pflege sowie bei einem Fünftel der pflegenden Angehörigen ein Risiko für Mangelernährung.

Gezielte Interventionen und deren Wirtschaftlichkeit

Die finnische Forschungsarbeit stützte sich methodisch auf zwei randomisierte kontrollierte Interventionsstudien: die Power-Meals-Studie in Pori sowie die LENTO-Studie in Kuopio und Vesanto. Zur Erhebung nutzten die Forscher unter anderem das Mini Nutritional Assessment (MNA), standardisierte Ernährungsprotokolle, die Short Physical Performance Battery (SPPB) sowie das aCGA-Instrument.

Bei den meisten Probanden lag die Proteinzufuhr anfänglich unter den für das höhere Lebensalter empfohlenen Richtwerten. Während die herkömmliche Heimverpflegung keine Verbesserung der Zufuhr bewirkte, führten nach Hause gelieferte proteinreiche Mahlzeiten in Kombination mit individueller Ernährungsberatung zu einem messbaren Anstieg.

Zwar fällt eine proteinreiche Ernährung finanziell aufwendiger aus als eine herkömmliche Kost, dennoch konnte die gesteigerte Zufuhr im Rahmen des Projekts kosteneffizient realisiert werden. Zudem zeigte sich bei pflegenden Angehörigen, dass eine Ernährungsberatung und eine höhere Eiweißaufnahme mit einer geringeren Prävalenz von Gebrechlichkeit (Gerasthenie) einhergingen.

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Studienergebnisse zur Kombination aus Krafttraining und Supplementen

Ergänzende Befunde lieferte eine in der Fachzeitschrift BMC Nutrition veröffentlichte randomisierte kontrollierte Studie (Trial NL-OMON54919) mit 295 gebrechlichen, zu Hause lebenden Senioren bei einem mittleren Alter von 73,9 Jahren und einem Frauenanteil von 69 Prozent.

Untersucht wurde ein reines Krafttraining im Vergleich zu einem Krafttraining kombiniert mit einer Ernährungsberatung und einem täglichen Supplement von 20 g Molkenprotein, ausgerichtet auf eine Zielzufuhr von 1,2 bis 1,5 g Protein pro Kilogramm Körpergewicht am Tag.

Wie die Auswertung zeigte, verzeichnete die Interventionsgruppe ein signifikantes Plus bei der Proteineinnahme von 29,1 g pro Tag gegenüber der Kontrollgruppe (p<0,001). Das zusätzliche Eiweiß verteilte sich über den gesamten Tagesverlauf:
* Frühstück: +9,1 g
* Erster Snack: +2,4 g
* Mittagessen: +5,2 g
* Zweiter Snack: +2,3 g
* Abendessen: +3,2 g
* Abendsnack: +7,4 g

Sämtliche dieser Teilwerte wiesen ein Signifikanzniveau von p?0,028 auf. Die Proteinqualität stieg um 33,8 Punkte (p<0,001). Zugleich erhöhte sich die Energieaufnahme um 208,9 kcal pro Tag (p<0,001) und die Fettaufnahme um 7,3 g pro Tag (p=0,022), während Veränderungen bei den Kohlenhydraten nicht signifikant ausfielen. Die zusätzliche Eiweißaufnahme speiste sich vor allem aus Supplementen, Eiern, Käse und Milchprodukten.

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Richtwerte und Handlungsbedarf bei altersbedingtem Muskelabbau

Internationale Referenzwerte unterstreichen den gesteigerten Bedarf im Alter. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt für gesunde Erwachsene unter 65 Jahren täglich 0,8 g Protein pro Kilogramm Körpergewicht und ab 65 Jahren 1,0 g pro Kilogramm, wobei bei regelmäßigem Krafttraining höhere Mengen genannt werden.

Bei mehr als fünf Stunden Sport pro Woche gibt die Fachgesellschaft 1,2 bis 2,0 g pro Kilogramm täglich an. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) nennt 0,83 g pro Kilogramm täglich als Referenzwert für gesunde Erwachsene, was bei einem Körpergewicht von 70 kg etwa 58 g entspricht.

Forschungsdaten der Universidad Diego Portales verdeutlichen die Relevanz: Unter Verwendung des Wadenumfangs als Indikator ergab sich in der chilenischen Región Metropolitana, dass rund zwei von acht Personen über 70 Jahren potenziell von Sarkopenie betroffen sind, mit höheren Raten bei Frauen, Personen über 70 Jahren, in ländlichen Regionen sowie bei niedrigerem Bildungsniveau.

Da die Muskelmasse bereits um das 35. bis 40. Lebensjahr ihr Maximum erreicht, raten Experten im höheren Alter zu einer Zufuhr von 1 bis 1,2 g Protein pro Kilogramm Körpergewicht, um Funktionseinbußen rechtzeitig entgegenzuwirken.

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