Empagliflozin: Studie zeigt erstmals verÀnderte Immunzellen bei Frauen
Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 04:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
SGLT2-Hemmer sind in der kardiologischen und diabetologischen Versorgung etabliert. Eine am Vanderbilt University Medical Center durchgefĂŒhrte Untersuchung liefert nun erste direkte Belege am Menschen dafĂŒr, dass der Wirkstoff Empagliflozin auch gezielt EntzĂŒndungsprozesse im Immunsystem beeinflussen kann.
Die in der Fachzeitschrift Circulation der American Heart Association im Jahr 2026 veröffentlichte Forschungsarbeit zeigt funktionelle VerÀnderungen von Immunzellen bei Patientinnen mit metabolischen Risikofaktoren.
Direkter Einfluss auf Immunzellen und EntzĂŒndungsmarker
In der Pilotstudie untersuchten die Wissenschaftler des Vanderbilt University Medical Center 16 Frauen mit Adipositas und PrĂ€diabetes ĂŒber einen Zeitraum von drei Monaten.
Unter der Gabe von Empagliflozin sank der Anteil entzĂŒndlicher Monozyten-Thrombozyten-Aggregate im Blut signifikant nach zwei Wochen und noch deutlicher nach zwölf Wochen. Eine parallel untersuchte Vergleichskohorte, die ĂŒber drei Monate eine kalorienarme DiĂ€t einhielt, zeigte hingegen keine Reduktion dieser Aggregate.
DarĂŒber hinaus beobachteten die Forscher eine metabolische Reprogrammierung der Monozyten. Die Immunzellen wandelten sich von einem hyperinflammatorischen in einen stabileren Zustand um. Dieser Befund gilt als erster direkter Nachweis einer solchen ImmunzellverĂ€nderung durch einen SGLT2-Hemmer im menschlichen Organismus.
Methodische Grenzen und laufende Folgeforschung
Das Forschungsteam weist auf die methodischen EinschrÀnkungen der Untersuchung hin. Als kleines Pilotprojekt konzipiert, war die Studie nicht auf klinisch-kardiovaskulÀre Endpunkte randomisiert. Gefördert wurden die wissenschaftlichen Arbeiten von den National Institutes of Health unter mehreren Förderkennzeichen (K23HL159351, T32HL094296, R01AI182159 und R01AI142095).
Um die Mechanismen weiter zu vertiefen, lĂ€uft am Vanderbilt University Medical Center eine randomisierte, placebokontrollierte Folgestudie. Diese schlieĂt 74 Teilnehmende mit Adipositas und metabolischem Syndrom ein. Das Projekt ist ebenfalls auf eine Dauer von drei Monaten angelegt und beinhaltet zusĂ€tzlich detaillierte Fettgewebsanalysen, um die zellulĂ€ren Effekte auĂerhalb des Blutkreislaufs zu prĂŒfen.
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KardiovaskulÀre Risiken und bisherige Studienlage
Die Reduktion systemischer EntzĂŒndungen ist von zentraler Bedeutung bei Stoffwechselerkrankungen. Weltweit verursachten Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Jahr 2019 rund 17,9 Millionen TodesfĂ€lle, was einem Anteil von 32 Prozent aller weltweiten TodesfĂ€lle entspricht.
In Europa entfallen 62 Prozent der jÀhrlichen Gesundheitskosten, was 169 Milliarden Euro entspricht, auf kardiovaskulÀre Erkrankungen. Bei Patienten mit Typ-2-Diabetes besteht zudem ein 2- bis 4-fach erhöhtes kardiovaskulÀres Risiko.
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Empagliflozin hatte seinen klinischen Nutzen bereits in mehreren groĂangelegten Endpunktstudien unter Beweis gestellt. In der EMPA-REG-OUTCOME-Studie aus dem Jahr 2015 mit 7.020 Patienten, die an Typ-2-Diabetes und einer kardiovaskulĂ€ren Vorerkrankung litten, senkte der Wirkstoff die kardiovaskulĂ€re MortalitĂ€t um 38 Prozent, die GesamtmortalitĂ€t um 32 Prozent, Hospitalisierungen wegen Herzinsuffizienz um 35 Prozent und die Progression chronischer Nierenerkrankungen um 39 Prozent.
Die EMPA-KIDNEY-Studie belegte eine Reduktion der Progression chronischer Nierenerkrankungen oder kardiovaskulĂ€rer TodesfĂ€lle um 28 Prozent. In den Herzinsuffizienz-Studien EMPEROR-Reduced aus dem Jahr 2021 mit 3.730 Patienten und einer Ejektionsfraktion von höchstens 40 Prozent sowie EMPEROR-Preserved aus dem gleichen Jahr mit 5.988 Patienten und einer Ejektionsfraktion von ĂŒber 40 Prozent senkte eine Dosierung von 10 Milligramm pro Tag jeweils das kombinierte Risiko aus Tod, Hospitalisierung oder dringender Herzinsuffizienzbehandlung.
Die neuen zellbiologischen Befunde liefern nun einen Ansatzpunkt dafĂŒr, wie diese kardiovaskulĂ€ren Schutzeffekte auch ĂŒber immunologische Mechanismen vermittelt werden könnten.
