Empagliflozin: Studie zeigt weniger entzündliche Zellaggregate bei Frauen
Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 05:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein wissenschaftliches Team des Vanderbilt University Medical Center unter der Leitung von Mona Mashayekhi von Vanderbilt Health hat neue Einblicke in die Wirkungsweise von SGLT2-Hemmern vorgelegt.
Wie Untersuchungen zeigen, verringert der Wirkstoff Empagliflozin entzündliche Immunzellen bei Frauen mit Adipositas und Prädiabetes. Damit liefert die Arbeit direkte Hinweise darauf, wie das Medikament kardiovaskuläre Entzündungsprozesse dämpfen und das Risiko für Folgeerkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems senken könnte.
Signifikanter Rückgang entzündlicher Zellkomplexe
Im Zentrum der Untersuchung standen sogenannte monozytär-thrombozytäre Aggregate (MPAs). Diese Verbindungen aus Monozyten und Blutplättchen gelten als wichtiger Labormarker für Gefäßentzündungen. Für die Pilotstudie erhielten 16 Frauen mit Adipositas und Prädiabetes über einen Zeitraum von drei Monaten den Wirkstoff Empagliflozin.
Die Messungen ergaben, dass der Rückgang der MPAs bereits nach zwei Wochen signifikant messbar war. Nach zwölf Wochen zeigte sich der Effekt noch deutlicher ausgeprägt. Um zu überprüfen, ob die Veränderung schlicht auf einen Gewichtsverlust zurückzuführen ist, beobachtete das Team eine Vergleichsgruppe, die sich drei Monate lang einer kalorienarmen Diät unterzog.
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Bei dieser Diätgruppe trat kein vergleichbarer MPA-Rückgang auf, was darauf hindeutet, dass der entzündungshemmende Effekt unabhängig von einer reinen Gewichtsreduktion zustande kommt.
Mittels Gen-Sequenzierung und Zellbildgebung stellten die Forschenden zudem fest, dass es zu einem metabolischen Reprogrammieren der Monozyten kam. Es handelt sich um die erste Humanstudie, die direkt nachweist, dass SGLT2-Hemmer menschliche Immunzellen auf diese Weise verändern.
Die Ergebnisse wurden im Fachjournal Circulation der American Heart Association unter der DOI 10.1161/CIRCULATIONAHA.125.077432 im Jahr 2026 veröffentlicht. Die Forschungsarbeiten wurden unter anderem durch die National Institutes of Health (NIH) unter den Fördernummern K23HL159351, T32HL094296, R01AI182159 und R01AI142095 unterstützt.
Methodische Grenzen und laufende Folgestudie
Trotz der vielversprechenden Befunde weist das Studiendesign methodische Einschränkungen auf. Es handelte sich um eine kleine Pilotstudie mit 16 Probandinnen, die weder randomisiert noch placebokontrolliert durchgeführt wurde. Zudem stellt der MPA-Spiegel einen reinen Laborwert dar; harte klinische Endpunkte wie eine tatsächliche Verringerung von Herzinfarkten oder Schlaganfällen wurden im Rahmen dieses Versuchs nicht erfasst.
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Um diese Lücken zu schließen, läuft am Vanderbilt University Medical Center bereits eine Folgestudie. Diese Folgeforschung ist als randomisierte, placebokontrollierte Untersuchung konzipiert und rekrutiert derzeit 74 Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit Adipositas und metabolischem Syndrom. Über eine Laufzeit von drei Monaten soll neben Blutwerten auch das Fettgewebe analysiert werden, um die zellulären Mechanismen weiter aufzuschlüsseln.
Einordnung des therapeutischen Spektrums
Empagliflozin, bekannt unter dem Handelsnamen Jardiance, erhielt bereits 2014 durch die US-amerikanische Zulassungsbehörde FDA die Zulassung zur Behandlung von Typ-2-Diabetes. In späteren Jahren wurde das Indikationsgebiet sukzessive erweitert, darunter zur Senkung des kardiovaskulären Todes sowie zur Behandlung von Herzinsuffizienz und chronischer Nierenerkrankung.
Für eine alleinige Behandlung von Prädiabetes oder Adipositas ohne Begleiterkrankungen liegt derzeit jedoch keine arzneimittelrechtliche Zulassung vor. Die neuen Daten tragen dazu bei, die molekularen Wirkpfade jenseits der reinen Blutzuckersenkung besser zu verstehen.
