Endometriose: Warum Schmerzen auch nach OP fortbestehen können
Veröffentlicht am: 21.08.2026 um 09:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Endometriose gehört zu den häufigsten gynäkologischen Erkrankungen, doch warum die damit verbundenen Schmerzen bei vielen Betroffenen chronisch werden und selbst nach Behandlung fortbestehen können, war lange unklar.
Ein Forschungsteam um Prof. So Kyung-ah vom Korea University Guro Hospital hat gemeinsam mit der University of Missouri eine Analyse vorgelegt, die den Schmerz als Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels von Hormonen, Immunsystem und Nervensystem beschreibt. Die Arbeit wurde als Featured Article in der Fachzeitschrift Endocrine Reviews veröffentlicht.
Hormone als Auslöser einer Kaskade
Im Zentrum der Analyse steht die Rolle der weiblichen Sexualhormone. Laut dem Forschungsteam erhöht Östrogen die Schmerzentstehung, während die Reaktion des Körpers auf Progesteron in diesem Zusammenhang vermindert ist. Dieses hormonelle Ungleichgewicht wirkt nach Angaben der Autoren wie ein Auslöser für nachgeschaltete Prozesse: Es aktiviert Entzündungsreaktionen und fördert gleichzeitig das Wachstum von Nervenfasern im betroffenen Gewebe.
Entzündung, Nerven und ein sich selbst verstärkender Kreislauf
Die Studie beschreibt, wie Entzündung und Nervenwachstum sich gegenseitig verstärken können. Entzündliche Prozesse im Gewebe begünstigen demnach das Einwachsen neuer Nervenfasern, die wiederum empfindlicher auf Reize reagieren und Schmerzsignale verstärken.
Besonders bedeutsam ist laut den Forschenden, dass sich dieser Prozess nicht auf das ursprünglich betroffene Gewebe beschränkt: Chronischer Schmerz kann durch Veränderungen im Rückenmark und im Gehirn selbst persistieren – also auch dann fortbestehen, wenn die ursprünglichen Auslöser im Beckenbereich behandelt oder entfernt wurden.
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Ein neues Krankheitsverständnis
Auf Basis dieser Befunde schlägt das Team um Prof. So Kyung-ah vor, Endometriose-Schmerz nicht mehr allein als lokales gynäkologisches Problem zu betrachten, sondern als das, was die Autoren eine neuroimmun-endokrin-fibrotische Integrationserkrankung nennen.
Dieser Begriff soll verdeutlichen, dass an der Schmerzentstehung und -aufrechterhaltung mehrere Körpersysteme gleichzeitig beteiligt sind: das Nervensystem, das Immunsystem, der Hormonhaushalt und fibrotische Gewebeveränderungen.
Bedeutung für Diagnostik und Behandlung
Ein solches Krankheitsverständnis hat Konsequenzen für den Umgang mit Endometriose in der Praxis. Wenn Schmerz nicht mehr ausschließlich als Folge sichtbarer Gewebeherde verstanden wird, sondern als Ergebnis eines Zusammenspiels aus Hormonwirkung, Entzündung und zentralnervösen Veränderungen, rückt die Frage in den Vordergrund, warum manche Patientinnen trotz erfolgreicher operativer oder hormoneller Behandlung weiterhin unter Schmerzen leiden.
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Die im Rückenmark und Gehirn beschriebenen Veränderungen liefern dafür einen möglichen Erklärungsansatz, der über die reine Beseitigung von Endometriose-Herden hinausgeht.
Die Veröffentlichung in Endocrine Reviews reiht sich damit in eine wachsende Zahl von Arbeiten ein, die chronischen Schmerz generell als Phänomen begreifen, das sich vom ursprünglichen Auslöser lösen und im Nervensystem selbst verankern kann.
Für die Endometriose-Forschung liefert die Analyse des Teams um Prof. So Kyung-ah einen konkreten Rahmen, der Hormonstatus, Immunreaktion und Nervensystem als gemeinsam wirkende Faktoren zusammenführt – ein Ansatz, der künftige Forschung zu gezielteren Therapieansätzen anregen dürfte.
