Ernährung und Alterung: Zehn gesunde Muster teilen über 70 Prozent der Signalwege
Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 22:35 Uhr | Redaktion boerse-global.deWie sich die tägliche Kost auf den Alterungsprozess des menschlichen Körpers auswirkt, ist Gegenstand intensiver wissenschaftlicher Debatten. Eine Untersuchung des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE), veröffentlicht in der Fachzeitschrift Nature Communications, liefert differenzierte Erkenntnisse über den Zusammenhang zwischen ausgewogener Ernährung und der biologischen Alterung. Im Fokus der Auswertung standen zehn gesunde Ernährungsmuster, darunter die mediterrane Ernährungsform sowie die DASH- und MIND-Konzepte.
Gemeinsame Signalwege epigenetischer Uhren
Die Datenbasis der wissenschaftlichen Untersuchung umfasst 6.470 Teilnehmende der Bonner Rheinland-Studie sowie 1.034 Probanden aus der EPIC-Potsdam-Kohorte, insgesamt also rund 7.500 Erwachsene. Als Messgrundlage dienten den DZNE-Forschenden molekularbiologische Marker: Sie analysierten die DNA-Methylierung an rund 850.000 Stellen im Erbgut und wandten drei etablierte epigenetische Uhren an.
Dabei stellte sich heraus, dass über 70 Prozent der betroffenen biologischen Signalwege allen zehn untersuchten Ernährungsmustern gemeinsam sind. Eine gesundheitsfördernde Ernährungsweise scheint demnach über weitgehend identische zelluläre Pfade auf die biologische Alterung einzuwirken.
Im September 2026 vorgelegte Ergebnisse des DZNE zeigten, dass alle zehn betrachteten Muster zu einem gesünderen Altern beitragen. Erstautorin Juliana Tavares empfiehlt vor diesem Hintergrund, auf ein breites Repertoire gesunder Ernährungsformen zu setzen, anstatt sich strikt auf ein einziges starres Konzept festzulegen.
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Grenzen der Messbarkeit und Einfluss des Lebensstils
Trotz der erkennbaren Zusammenhänge ordnen die Forschenden die Ergebnisse vorsichtig ein. Studienleiterin Breteler betonte, dass die gemessenen Effekte zwar statistisch nachweisbar, insgesamt jedoch klein seien. Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, lässt sich zudem kein direkter Kausalnachweis ableiten.
Ein auffälliges Ergebnis zeigte sich bei Personen, die rauchen: In dieser Gruppe war der statistische Zusammenhang zwischen einer gesunden Ernährungsweise und verlangsamter biologischer Alterung zwar am stärksten messbar, die substanziellen gesundheitlichen Risiken des Tabakkonsums lassen sich durch die Kost jedoch nicht ausgleichen.
Muster statt isolierter Nährstoffe
Die Ergebnisse stützen eine breitere Entwicklung in der Ernährungsmedizin, die ganzheitliche Muster über isolierte Einzelstoffe stellt. Kardiologe Dariush Mozaffarian von der Tufts School of Medicine verweist darauf, dass chronische Leiden wie Herzinfarkte, Schlaganfälle, Immunerkrankungen sowie die Folgen von Diabetes eng mit übergeordneten Ernährungsgewohnheiten verknüpft sind und weniger mit einzelnen Komponenten wie Zucker oder gesättigten Fetten.
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Während eine westliche Ernährungsweise mit Weißmehl, zuckerhaltigen Erfrischungsgetränken, Burgern, Pommes frites und Chips Entzündungsreaktionen anregt, die Darmflora beeinträchtigt und den Blutdruck steigert, bezieht eine mediterrane Kost beispielsweise 43 Prozent der Kalorien aus Fett, das überwiegend aus Pflanzenölen stammt.
In eine ähnliche Richtung zielen die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Die Fachgesellschaft rät zu einer vorwiegend pflanzlichen Kost, ergänzt durch moderate Mengen an tierischen Produkten.
Bereits in ihren Empfehlungen aus dem Jahr 2024 riet die DGE zu einem verstärkten Konsum von Vollkorn, Gemüse, Nüssen und Hülsenfrüchten bei reduziertem Verzehr von rotem und verarbeitetem Fleisch. Ziel dieser Vorgaben ist die Minderung der Krankheitslast durch koronare Herzkrankheiten, Schlaganfälle, Typ-2-Diabetes und kolorektale Karzinome sowie eine verringerte Belastung von Umwelt und Flächen.
