Ernährungskrise: 2,69 Milliarden können sich keine gesunde Kost leisten
Veröffentlicht: 17.07.2026 um 09:13 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Das zeigt ein neuer Bericht der Welternährungsorganisation (FAO) von Mitte Juli 2026. Die Kosten für eine gesunde Ernährung sind demnach seit 2021 um durchschnittlich 25 Prozent gestiegen.
Die durchschnittlichen Kosten liegen bei 4,28 US-Dollar pro Person und Tag. Besonders teuer sind tierische Produkte – sie machen fast 30 Prozent der Gesamtkosten aus. Obst und Gemüse schlagen mit 16 Prozent zu Buche, Grundnahrungsmittel mit etwa 13 Prozent.
Das Problem liegt nicht in der Produktion
FAO-Chefökonom Maximo Torero betont: Die Herausforderung ist nicht mehr allein die ausreichende Kalorienproduktion. Entscheidend ist die wirtschaftliche Erschwinglichkeit von Qualität und Nährstoffdichte.
Ein Großteil der Kosten entsteht zudem erst nach der Ernte. Rund 70 bis 75 Prozent fallen in der Logistik, Verarbeitung und im Handel an. Die höchsten Belastungen für Verbraucher gibt es derzeit in Lateinamerika und der Karibik.
Afrika könnte Preise drastisch senken
Trotz der angespannten Lage sehen Experten großes Potenzial. In Afrika könnten die Preise für gesunde Lebensmittel um fast 80 Prozent sinken – durch eine Stärkung der lokalen Produktion. Das würde die Abhängigkeit von teuren Importen reduzieren.
Gleichzeitig warnen Fachleute vor neuen Risiken. Mögliche Blockaden strategischer Handelswege wie der Straße von Hormuz könnten die Düngemittelversorgung gefährden. Zudem erreicht ein starkes El-Niño-Phänomen voraussichtlich Ende 2026 seinen Höhepunkt – mit weiteren wetterbedingten Ernteausfällen. In vielen einkommensschwachen Ländern liegt die Nahrungsmittelinflation bereits bei über 5 Prozent.
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Studie fordert globale Ernährungswende
Eine im Juli 2026 in Nature veröffentlichte Studie der Cornell University unterstreicht die Notwendigkeit einer Ernährungswende. Bis 2050 könnte eine Umstellung der Essgewohnheiten den weltweiten Viehbestand um etwa 42 Prozent reduzieren. Die Treibhausgasemissionen aus der Tierhaltung würden um bis zu 85 Prozent sinken.
Die Forscher berechneten: Eine pflanzlich orientierte Ernährung würde die Produktion von Gemüse, Obst und Nüssen um etwa ein Viertel steigern. Gleichzeitig würde die landwirtschaftliche Flächennutzung insgesamt sinken.
Deutschland plant Zuckersteuer
Parallel setzen einzelne Staaten auf fiskalpolitische Steuerungsinstrumente. Gesundheitsministerin Nina Warken plant eine Zuckersteuer auf gesüßte Getränke ab 2027. Die Abgabe ist gestaffelt: 26 Cent pro Liter bei fünf bis acht Gramm Zucker pro 100 Milliliter, 32 Cent bei über acht Gramm.
Die erwarteten Einnahmen von rund 650 Millionen Euro jährlich sollen den gesetzlichen Krankenkassen zugutekommen. Vertreter der Getränkebranche kritisieren die Pläne und warnen vor einer Weitergabe der Kosten an die Verbraucher.
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Krisenregionen: Cholera im Sudan
Die ökonomischen Daten werden durch akute Krisen ergänzt. Laut einem UNICEF-Update vom Juli 2026 breitet sich im Sudan Cholera aus – verstärkt durch die beginnende Regenzeit. Besonders betroffen sind Darfur und Kordofan. Bereits im November 2025 wurde für Gebiete wie Al-Faschir und Kadugli eine Hungersnot festgestellt.
Auch im Gazastreifen bleibt die Lage prekär. Seit einer Waffenruhe im Oktober 2025 wurden weiterhin zahlreiche Kinder getötet oder verletzt. Die Organisationen mahnen die Einhaltung des humanitären Völkerrechts an – um die langfristigen Folgen von Hunger und Gewalt zu begrenzen.
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