Hilfe, Senioren

Erste Hilfe für Senioren: Herzdruckmassage mit 100 bis 120 Kompressionen

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 06:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Regionale Organisationen schulen ältere Menschen in Wiederbelebung, Defibrillator-Einsatz und weiteren Maßnahmen für Notfälle.
Ein heller Schulungsraum in einem Dorfgemeinschaftshaus mit einem an der Wand montierten Defibrillatorschrank. Illustration mit AI erstellt.

Immer mehr Hilfsorganisationen und regionale Initiativen passen ihre Erste-Hilfe-Angebote gezielt an die Bedürfnisse älterer Menschen an. Ein praxisnahes Beispiel dafür lieferte eine gemeinsame Schulung der Dorfgemeinschaft Osterforde und des DRK Varel in Bockhorn-Osterforde: An dem dortigen Ü60-Auffrischungskurs nahmen 14 Personen teil, die ausnahmslos älter als 60 Jahre waren.

Ausbilder Ingo Staack vom Deutschen Roten Kreuz betonte dabei, dass ältere Menschen trotz möglicher eigener körperlicher Einschränkungen handlungsfähig bleiben und im Notfall eingreifen sollten – sei es durch das zügige Absetzen eines Notrufs, das Durchführen einer Herzdruckmassage oder das Heranholen weiterer Helfer.

Angepasste Techniken und moderne Leitlinien

Bei der Schulung in Osterforde trainierten die Teilnehmer zentrale Maßnahmen wie die stabile Seitenlage, die Herzdruckmassage, das Anlegen von Verbänden sowie den Einsatz des am örtlichen Haus angebrachten und beim Landkreis registrierten Defibrillators.

Wie groß das Interesse an solchen Inhalten ist, zeigte sich auch beim Förderverein Kranken- und Pflegehilfe Buseck, der in Kooperation mit der Johanniter-Unfallhilfe Mittelhessen einen Auffrischungskurs im örtlichen Kulturzentrum organisierte.

Da die Nachfrage die Kapazitäten überstieg und nicht alle Anmeldungen berücksichtigt werden konnten, befindet sich für Anfang 2027 ein weiterer Termin in der Abstimmung.

Vermittelt wurden dort unter anderem aktuelle rettungsdienstliche Standards: Bei arteriellen Blutungen wird heute auf ein festes Abdrücken mittels keimfreiem Druckverband gesetzt, während das Abbinden durch Laien nicht mehr empfohlen wird.

Bei der Herzdruckmassage gelten eine Drucktiefe von mindestens fünf Zentimetern und eine Frequenz von 100 bis 120 Kompressionen pro Minute als Maßstab. Zudem wurde die Anwendung automatisierter externer Defibrillatoren (AED) geübt. Fachleute empfehlen eine Auffrischung dieser Fertigkeiten alle zwei Jahre.

Modulare Programme und regionale Informationsangebote

Um spezifische Lebenslagen besser abzudecken, entwickeln die Kreisverbände flexiblere Formate. Der DRK-Kreisverband Barnim-Uckermark führte ein Programm mit acht einzeln wählbaren Modulen ein, das neben Verkehrsunfällen, Wiederbelebung und Wundversorgung auch zielgruppenspezifische Bausteine für Senioren umfasst – darunter typische Gefahrenquellen im Haushalt und Sturzunfälle.

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Weitere Informationsveranstaltungen stehen an verschiedenen Orten bevor:
- Die Volkshochschule Ratingen bietet am 4. November 2026 eine Einheit zu Kreislaufproblemen, Schocklage und Notfallerkennung bei Diabetes an, gefolgt von einem Kurs zu Wiederbelebung und AED-Einsatz am 11. November 2026.
- Die Parkinson-Selbsthilfegruppe Rhein-Ahr holt am 12. November 2026 im Mehrgenerationenhaus Bad Neuenahr einen Vortrag mit dem DRK Ahrweiler nach.

Nach Angaben der Gruppe sind in Deutschland rund 400.000 Menschen von Morbus Parkinson betroffen, etwa zehn Prozent davon bereits vor dem 40. Lebensjahr.
- Der Stadtseniorenrat Calw informiert am 18. November 2026 im Seniorenzentrum Torgasse im Rahmen des Projekts „Herzsicherer Landkreis Calw“ über das Erkennen von Herzinfarkten, Schlaganfällen und Bewusstlosigkeit.
- Der BRK-Kreisverband Fürth startet ab dem 28. November 2026 das vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe geförderte Programm „Erste Hilfe mit Selbstschutzinhalten“, das auch Vorbereitungen auf Strom- oder Versorgungsausfälle beinhaltet.

Schnelle Hilfe im häuslichen Umfeld

Die Notwendigkeit von Basiskompetenzen unterstreichen Angaben des Evangelischen Krankenhauses Mülheim, das am 5. November 2026 ein kostenfreies Reanimationstraining durchführt. Demnach benötigt ein Rettungswagen bis zu acht Minuten zur Einsatzstelle. Während in Ländern wie Schweden, Dänemark und den Niederlanden rund 80 Prozent der Ersthelfer bei einem Herzstillstand eingreifen, liegt diese Quote in Deutschland bislang nur bei gut jedem Zweiten.

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Da laut dem „Report Pflegebedürftigkeit“ des Medizinischen Dienstes des Bundes vom Sommer 2026 neun von zehn pflegebedürftigen Menschen zu Hause versorgt werden, gewinnt auch die technische Absicherung an Gewicht. Neben Hausnotrufsystemen spielt der Zugang für Retter eine Rolle: Nach Angaben des Pflegedienstes Stracke gehen Alarme besonders häufig bis 23 Uhr und ab 4 Uhr morgens ein.

Die Polizei warnt in diesem Zusammenhang vor einfachen Schlüsselverstecken im Außenbereich. Stattdessen wird die Hinterlegung bei erreichbaren Vertrauenspersonen oder in fachgerecht montierten Schlüsseltresoren nach VdS-Richtlinie 3898 empfohlen.

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