EU-Rechenzentren, Kommission

EU-Rechenzentren: Kommission plant Verdreifachung bis 2030

Veröffentlicht: 26.06.2026 um 07:56 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Die EU-Kommission will mit CAIDA die AbhÀngigkeit von US-Cloud-Diensten reduzieren und die heimische KI-Infrastruktur massiv ausbauen.

EU-Plan: Rechenzentren in Europa bis 2030 verdreifachen
Leuchtendes Schaltkreis-Gehirn ĂŒber Europa-Karte mit Datenströmen zwischen StĂ€dten, Symbol fĂŒr KI und digitale SouverĂ€nitĂ€t. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Ein am Donnerstag vorgestelltes Maßnahmenpaket sieht vor, die RechenzentrumskapazitĂ€ten in Europa bis 2030 zu verdreifachen. FĂŒr Deutschland kommt die Initiative zu einem kritischen Zeitpunkt: Das Land hinkt bei Softwareinvestitionen hinterher und kĂ€mpft mit hohen Energiekosten.

Deutschland investiert zu wenig in Software

Die Zahlen der Deutschen Bank sind alarmierend: Deutschland gibt weniger als ein Prozent seiner Wirtschaftsleistung fĂŒr Software aus. Damit liegt die Bundesrepublik am unteren Ende der OECD-Statistik – weit abgeschlagen hinter Spitzenreiter Schweden mit rund vier Prozent.

Doch es gibt auch eine positive Lesart. Robin Winkler, Chefvolkskonom der Deutschen Bank, sieht in diesem RĂŒckstand vor allem eines: Aufholpotenzial. Gerade fĂŒr den deutschen Mittelstand biete sich hier eine Chance auf ProduktivitĂ€tsgewinne. Und die viel beschworene Jobangst durch KĂŒnstliche Intelligenz? Die sei kurzfristig unbegrĂŒndet – der FachkrĂ€ftemangel wirke derzeit als natĂŒrliche Bremse.

Die infrastrukturelle Schieflage wird beim Blick auf die globale Rechenzentrumsverteilung deutlich: Die USA kontrollieren 44 Prozent der weltweiten KapazitĂ€ten, die EU kommt auf weniger als 20 Prozent. In Deutschland kommen noch hohe Stromkosten hinzu: Rund 18 Cent pro Kilowattstunde zahlen Betreiber hierzulande – in den USA und China sind es nur etwa acht Cent.

BrĂŒssel setzt auf SouverĂ€nitĂ€t und Regulierung

Die geopolitischen Entwicklungen der vergangenen Monate haben den Druck erhöht. Nachdem die US-Regierung den Zugang zu fortschrittlichen KI-Modellen wie Anthropics Fable 5 und Mythos 5 fĂŒr nicht-amerikanische Nutzer eingeschrĂ€nkt hat, reagiert BrĂŒssel nun mit dem Cloud and AI Development Act (CAIDA). Das Gesetzespaket soll die heimische Rechenleistung massiv ausbauen und eine Roadmap fĂŒr Energie- und Open-Source-Strategien liefern.

Parallel dazu ist die EU dem US-gefĂŒhrten Pakt „Pax Silica“ beigetreten, der Lieferketten fĂŒr KI-Chips und Exportkontrollen koordinieren soll. Neben den USA und der EU gehören Großbritannien, Japan und SĂŒdkorea zu den Unterzeichnern. Französische Regierungsvertreter ĂŒbten jedoch scharfe Kritik und sprachen von „digitaler Kolonialisierung“.

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Ein weiterer Schwerpunkt: der europĂ€ische Cloud-Markt. Zwei große US-Anbieter kontrollieren derzeit 60 Prozent des Sektors. Die Kommission plant, diese dominanten Plattformen als Gatekeeper im Sinne des Digital Markets Act (DMA) einzustufen. Die Folge: Sie mĂŒssten innerhalb von sechs Monaten fĂŒr mehr InteroperabilitĂ€t sorgen und Kundenbindungseffekte abbauen.

Zwischen KI-Tempo und DatensouverÀnitÀt

Eine aktuelle Studie unter EntscheidungstrĂ€gern in Europa, dem Nahen Osten und Afrika offenbart einen grundlegenden Zielkonflikt. Zwar bezeichnen 99 Prozent der Befragten DatensouverĂ€nitĂ€t als kritische PrioritĂ€t – doch 75 Prozent rĂ€umen ein, dass sie den schnellen KI-Einsatz ĂŒber die SouverĂ€nitĂ€t stellen.

Die Zahlen are ernĂŒchternd: 88 Prozent der Organisationen nutzen bereits KI-Agenten, aber nur sieben Prozent fĂŒhlen sich auf den Wandel vollstĂ€ndig vorbereitet. Rund 40 Prozent der FĂŒhrungskrĂ€fte sehen KI-generierte Daten als erhebliches „blinder Fleck“ in ihren Sicherheits- und SouverĂ€nitĂ€tskonzepten.

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Einige BundeslĂ€nder gehen eigene Wege. Schleswig-Holstein hat begonnen, 30.000 ArbeitsplĂ€tze in der öffentlichen Verwaltung auf Open-Source-Software umzustellen und ersetzt damit etablierte kommerzielle BĂŒro- und Kommunikationspakete. Parallel lĂ€uft das Pilotprojekt „LLMoin“, das eine souverĂ€ne KI-Nutzung in der Verwaltung ermöglichen soll.

Zeitplan fĂŒr KI-Regulierung verschoben

Der Vorstoß fĂŒr mehr SouverĂ€nitĂ€t folgt auf eine wichtige Entscheidung des Europaparlaments. Mitte Juni verabschiedeten die Abgeordneten den Digital Omnibus, der die Durchsetzung mehrerer Hochrisiko-KI-Verordnungen verschiebt.

Die Transparenzpflichten treten planmĂ€ĂŸig am 2. August 2026 in Kraft, ein Verbot von sogenannten „Nudifier“-Anwendungen folgt am 2. Dezember 2026. Doch die strengeren Regeln fĂŒr Hochrisiko-KI-Systeme kommen spĂ€ter: Systeme unter Anhang III mĂŒssen ab dem 2. Dezember 2027 konform sein, solche unter Anhang I erst ab dem 2. August 2028.

Die EuropĂ€ische Zentralbank mahnt derweil, dass strukturelle Reformen nötig bleiben, um Deutschlands demografische und wettbewerbliche Herausforderungen zu bewĂ€ltigen. Zwar stĂŒtzt der globale KI-Boom das Wirtschaftswachstum – doch nur sieben Prozent der Unternehmen in der Eurozone nutzen KI derzeit intensiv. Der hĂ€ufigste Grund: fehlendes Fachpersonal.

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