Exosuit für Senioren: Gehen kostet im Test durchschnittlich 13,6 Prozent weniger Energie
Veröffentlicht am: 04.10.2026 um 00:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Erhaltung der körperlichen Leistungsfähigkeit und des Wohlbefindens bis ins hohe Alter gewinnt zunehmend an Bedeutung. Dabei rücken verschiedene Ansätze in den Fokus, die traditionelle Wellness-Praktiken mit modernen medizinischen Protokollen oder individuellen Fitnessstrategien kombinieren. Ziel dieser Entwicklungen ist es, den Alterungsprozess nicht lediglich zu verwalten, sondern aktiv zu gestalten.
Gesellschaftlicher Wandel und ökonomische Dimensionen
Der Umgang mit dem Älterwerden unterliegt einem Paradigmenwechsel. Auf einem gemeinsamen Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie sowie der Deutschen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie in Frankfurt am Main plädierte der Philosoph Otfried Höffe dafür, gewonnene Lebensjahre als Gewinn und nicht als Belastung für die Gesellschaft zu begreifen.
Kongresspräsident Hans-Werner Wahl unterstrich in diesem Zusammenhang laut Berichten vom Anfang Oktober 2026, dass gesellschaftliche Teilhabe und Selbstbestimmung essenzielle Faktoren seien, damit die zusätzliche Lebenszeit eine hohe Qualität behalte.
Diese Entwicklung spiegelt sich auch in globalen Marktdaten wider. Nach Schätzungen von Global Market Insights hat der weltweite Gesundheitstourismusmarkt die Billionen-Dollar-Grenze überschritten; bis zum Jahr 2035 wird ein Anstieg auf zwei Billionen US-Dollar prognostiziert.
Allein für Wellnessangebote wird für das aktuelle Jahr ein Volumen von 1,08 Billionen US-Dollar beziffert. Der Markt für Medizintourismus wird dabei, je nach statistischer Abgrenzung, auf 53 bis 109 Milliarden US-Dollar geschätzt.
Muskelerhalt und metabolische Grundlagen
Ein zentraler Aspekt der sogenannten Longevity-Strategien ist der Erhalt der Muskelmasse. Daten des National Institute on Aging zeigen, dass die Muskelmasse bereits ab dem 30. Lebensjahr abnimmt, wobei sich dieser Prozess nach dem 60. Lebensjahr beschleunigt.
Demnach verlieren Erwachsene pro Jahrzehnt etwa 3 bis 8 % ihrer Muskelmasse. Experten raten daher zu Krafttraining zwei- bis dreimal wöchentlich. Die Expertengruppe PROT-AGE empfiehlt zudem für Personen über 65 Jahre eine tägliche Proteinzufuhr von 1,0 bis 1,2 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht.
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Hinsichtlich des Energieverbrauchs lieferte eine großangelegte Studie aus dem Jahr 2021 mit über 6.400 Teilnehmenden wichtige Erkenntnisse: Der an Körpergröße und -zusammensetzung angepasste tägliche Energieverbrauch bleibt zwischen dem 20. und 60. Lebensjahr relativ konstant und sinkt erst danach um durchschnittlich weniger als 1 % pro Jahr – konkret um etwa 0,7 %.
In der Forschung werden zudem spezifische biologische Mechanismen untersucht. Ein im Oktober 2026 veröffentlichter Perspektivbeitrag in der Fachzeitschrift Cell Metabolism deutet darauf hin, dass Zell-Sensoren und das Leberhormon FGF21 die Reaktion auf Proteinmangel koordinieren könnten.
In Tierversuchen mit männlichen Mäusen verlängerte eine proteinreduzierte Diät die Lebensspanne, sofern das Hormon FGF21 vorhanden war. Fachleute betonen jedoch, dass diese Ergebnisse aus Tierstudien nicht unmittelbar als Empfehlung zur Proteinreduktion für den Menschen übernommen werden können.
Regionale Ansätze und technologische Unterstützung
In der Praxis etablieren sich unterschiedliche lokale Konzepte. In Bad Wörishofen werden traditionelle Kneippkuren mit modernen Methoden wie Fasten, Schlafkuren oder Heilwäldern verknüpft. Auch in Regensburg finden sich mittlerweile Longevity-Angebote, die ohne invasive US-Methoden wie Bluttransfusionen auskommen.
Für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen werden technologische Lösungen entwickelt. Forscher der Technischen Universität München (TUM) stellten eine Studie zu einem weichen Exosuit vor, der Hüfte und Beine unterstützt.
In Tests mit Senioren im Durchschnittsalter von 77,7 Jahren konnte die Zahl der Sitz-Steh-Zyklen pro Minute im Mittel um 1,8 gesteigert werden. Der Energieaufwand beim Gehen sank bei der Mehrheit der Probanden im Durchschnitt um 13,6 %, in Einzelfällen sogar um bis zu 27,5 %.
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Soziale Komponente und präventives Training
Neben High-Tech-Lösungen bleibt die soziale Integration ein Pfeiler der Altersgesundheit. Eine aktuelle Studie der MedUni Wien verdeutlichte, dass in Österreich nur etwa 30 % der Senioren ausreichend körperlich aktiv sind.
Formate wie Rollator-Spaziergruppen in Reinach (Schweiz) oder neue Bewegungszentren für Über-50-Jährige in Dresden setzen hier an. Diese kombinieren motorisiertes Training mit Möglichkeiten zur sozialen Interaktion, um Einsamkeit im Alter entgegenzuwirken.
Ergänzt werden diese Maßnahmen durch spezialisierte Kurse, wie Yoga 50+ in Flensburg oder Seniorengymnastik in Lintorf, die gezielt auf Beweglichkeit, Gleichgewicht und Sturzprävention setzen. Auch unkonventionelle Ansätze wie das Projekt „Musik für das Gedächis“ der Universität Wien untersuchen derzeit, inwieweit etwa Gesangsunterricht die kognitiven Funktionen bei Alzheimer-Patienten positiv beeinflussen kann.
