Fibromyalgie, Forscher

Fibromyalgie: Forscher finden biologische Belege für Gehirnentzündung

22.06.2026 - 01:48:28 | boerse-global.de

Neue Studie der Universität Barcelona identifiziert neuroimmune Veränderungen als mögliche Ursache der chronischen Schmerzerkrankung Fibromyalgie.

Fibromyalgie: Forscher finden biologische Belege für Entzündungen im Gehirn
Fibromyalgie - Abstrakte Darstellung von Mikrogliazellen und neuralen Netzwerken in einer gehirnähnlichen Struktur, die subtil leuchtet. 22.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Jetzt liefern Forscher biologische Belege für entzündliche Prozesse im Gehirn.

Eine Studie der Universität Barcelona, veröffentlicht am 21. Juni in „Brain, Behavior, and Immunity“, zeigt: Neuroimmune Veränderungen könnten eine Schlüsselrolle bei der Entstehung der chronischen Schmerzerkrankung spielen. Die Forscher kombinierten Neuroimaging, Liquor-Analysen sowie Zell- und Genexpressionsstudien.

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Das Ergebnis: ein konsistentes Muster biologischer Abweichungen. Dazu gehören eine mögliche Aktivierung der Mikroglia – der Immunzellen des Gehirns – sowie veränderte Zytokinspiegel im Nervenwasser. Auch die Genexpression zeigte signifikante Modifikationen, die mit Entzündungsprozessen zusammenhängen.

Die Autoren sehen darin den Weg für objektive Biomarker. Die Diagnose der chronischen Schmerzerkrankung ließe sich künftig stärker auf biologische Parameter stützen.

Cannabis ohne Rausch: Vier Terpene zeigen Wirkung

Parallel zur Ursachenforschung gibt es Fortschritte bei der Behandlung. Forscher der University of Arizona identifizierten vier Cannabis-Terpene mit schmerzlindernder Wirkung in präklinischen Modellen.

Geraniol, Linalool, Beta-Caryophyllen und Alpha-Humulen interagieren mit dem Adenosin-A2a-Rezeptor. Der Clou: Sie verursachen keine psychoaktiven Effekte. Die Studie, publiziert in „Pharmacological Reports“, deutet auf Potenzial für neue, nicht-psychoaktive Therapieoptionen hin. Klinische Studien am Menschen stehen allerdings noch aus.

Postvirale Syndrome: Fortschritte und Grenzen

Die Fibromyalgie-Forschung profitiert vom wachsenden Verständnis der Zusammenhänge zwischen Immunreaktionen und neurologischen Symptomen. Ein Beispiel: Das Nationale Referenzzentrum für postvirale Syndrome (PAIS) an der MedUni Wien wird über das ursprüngliche Vertragsende im Herbst 2027 hinaus fortgeführt.

Gleichzeitig zeigen Studien die Grenzen bestimmter Verfahren. Die IAMPOCO-Studie, veröffentlicht 2026 in „The Lancet Regional Health – Europe“, untersuchte die Immunadsorption bei Post-COVID-Patienten. Trotz erfolgreicher Entfernung von Autoantikörpern brachte das Verfahren bei 40 Teilnehmern keine signifikante Verbesserung der Erschöpfung oder kognitiven Leistungsfähigkeit. Die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie empfiehlt es daher nicht als allgemeine Therapie.

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Darm-Hirn-Achse und epigenetische Ansätze

Systemische Faktoren rücken zunehmend in den Fokus. Studien vom Juni 2026 untersuchen die Darm-Hirn-Achse und deren Einfluss auf Schmerzsensitivität und Stimmung. Getestet werden unter anderem Immunmodulatoren wie Tocilizumab bei erhöhten Entzündungsmarkern sowie darmzentrierte Ansätze mit Probiotika.

Forscher der Universität Zürich und der Universität Pisa lieferten zudem Hinweise auf epigenetische Medikamente. In Untersuchungen an menschlichem Gewebe und Tiermodellen reduzierten sogenannte BET-Protein-Inhibitoren entzündliche Prozesse in Gefäßnähe. Die Idee der „epigenetischen Reprogrammierung“ zielt darauf ab, krankhafte Gewebeveränderungen grundlegend zu beeinflussen – statt nur Symptome zu behandeln.

de | wissenschaft | 69599430 |