GLP-1-Therapie: Abnehmspritzen senken AktivitÀt um 11 Prozent
22.06.2026 - 01:48:28 | boerse-global.de
Neue Daten zeigen: Patienten mit GLP-1-Therapie laufen deutlich weniger.
Eine auf dem ENDO-Kongress in Chicago vorgestellte Untersuchung analysierte die AktivitÀtsdaten von 753 Erwachsenen. Das Durchschnittsalter lag bei 52,7 Jahren. Die Teilnehmer trugen Wearables, die ihre Schritte zÀhlten.
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Das Ergebnis: Nach dem Start einer GLP-1-Therapie sank die tĂ€liche Schrittzahl von 5.047 auf 4.487. Ein RĂŒckgang um rund 11 Prozent oder 560 Schritte pro Tag.
MĂ€nner betroffen, Frauen weniger
Besonders auffĂ€llig: MĂ€nnliche Patienten liefen im Schnitt 1.000 Schritte weniger. Bei Frauen fiel die Reduktion mit rund 450 Schritten moderater aus. Auch bei moderater bis intensiver Bewegung gab es EinbuĂen â von 28 auf 22 Minuten tĂ€glich.
Studienleiterin Dr. Sajana Maharjan betont: Der Effekt sei bei Patienten mit bestehenden Gelenk- oder Muskelschmerzen besonders stark ausgeprÀgt.
Warum ist das problematisch? Weniger Bewegung beschleunigt den Verlust von Muskelmasse. Daten der STEP-1-Studie belegen: Bis zu 40 Prozent des Gewichtsverlusts durch GLP-1-PrÀparate entfallen auf Magermasse.
âKörperliche BetĂ€tigung wĂ€hrend der Therapie darf nicht als optional betrachtet werdenâ, warnt Maharjan. Nur so lieĂen sich Stoffwechselgesundheit und funktionelle Kraft erhalten.
Ărzte beraten zu selten
Die Zahlen decken sich mit Ă€lteren Erhebungen. Bereits 2024 berichtete eine Meta-Analyse: 38 Prozent der GLP-1-Nutzer stellten innerhalb von sechs Monaten einen AktivitĂ€tsrĂŒckgang fest. Daten aus dem Jahr 2025 zeigten zudem, dass viele Patienten begonnene Bewegungsprogramme wieder abbrachen.
Trotz dieser Erkenntnisse hapert es an der medizinischen Begleitung. Eine Umfrage der American Medical Association aus dem Jahr 2026 ergab: 41 Prozent der Ărzte geben keine spezifische Bewegungsberatung, wenn sie Abnehmspritzen verschreiben.
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Die Therapietreue bleibt ebenfalls eine Herausforderung. Versicherungsdaten aus den Jahren 2019 bis 2025 zeigen: Rund 40 Prozent der Patienten setzen die Medikation innerhalb des ersten Jahres ab. Nach zwei Jahren steigt die Quote auf 60 Prozent. HĂ€ufiger Grund: Ăbelkeit.
Prof. Lars Selig von der Uniklinik Leipzig plĂ€diert deshalb fĂŒr ein Gesamtkonzept. âDie Wirkstoffe mĂŒssen in ErnĂ€hrungs- und Bewegungstherapie eingebettet seinâ, fordert der Experte.
Neue Wirkstoffe gegen Muskelverlust
Die Pharmaindustrie reagiert bereits. Mehrere Unternehmen arbeiten an Medikamenten, die gezielt Fett abbauen und gleichzeitig die Muskulatur schĂŒtzen sollen.
Eli Lilly treibt die Entwicklung von Bimagrumab voran. AstraZeneca investiert in Projekte wie SPX-001. Novo Nordisk testet mit CagriSema eine Kombination aus Semaglutid und Cagrilintide. Und die sogenannte âBewegungspilleâ ATX-304 zeigte in frĂŒhen Studien eine Reduktion des viszeralen Fetts bei gesteigertem Ruheumsatz.
Dass viszerales Bauchfett abzubauen lohnt, belegte eine im Juni 2026 in der Fachzeitschrift âCirculationâ veröffentlichte Langzeitstudie. Demnach senkt eine Verringerung um 10 Prozent das Risiko fĂŒr Typ-2-Diabetes um 28 Prozent.
Um solche Erfolge nachhaltig zu sichern, bleiben LebensstilĂ€nderungen essenziell. Eine begleitende Gewichtsabnahme von 7 Prozent in Kombination mit 150 Minuten Bewegung pro Woche kann das Risiko fĂŒr MultimorbiditĂ€t langfristig um bis zu 25 Prozent senken.
