FortiBleed: Hacker kapern 73.932 Firmen-Netzwerke weltweit
20.06.2026 - 04:07:06 | boerse-global.de
Die jĂŒngste Welle von Cyberangriffen hat ein alarmierendes AusmaĂ erreicht. Gleich mehrere VorfĂ€lle innerhalb weniger Tage zeigen: Kriminelle Gruppen haben ihre Methoden massiv professionalisiert. Betroffen sind nicht nur einzelne Nutzer, sondern ganze Konzerne und kritische Infrastrukturen weltweit.
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âFortiBleed" â Angriff auf globale Netzwerke
Am 19. Juni bestĂ€tigte der Sicherheitsanbieter Fortinet eine koordinierte Kampagne gegen seine Firewall-GerĂ€te. Die als âFortiBleed" bekannte Aktion nutzt keine neue SicherheitslĂŒcke. Stattdessen setzen die Angreifer auf gestohlene Zugangsdaten aus frĂŒheren VorfĂ€llen und brute?force-Attacken gegen GerĂ€te ohne Zwei-Faktor-Authentifizierung.
Ein Datensatz enthĂ€lt Login-Informationen fĂŒr 73.932 FortiGate-GerĂ€te in 194 LĂ€ndern. Eine russischsprachige Gruppe soll mit 45 Grafikprozessoren Passwort-Hashes geknackt haben. Zu den betroffenen Organisationen zĂ€hlen Samsung, Siemens, Foxconn, Oracle, Accenture, DHL und Infosys. Besonders brisant: Ein tĂŒrkischer NATO-RĂŒstungskonzern verlor durch den Angriff klassifizierte Dokumente.
Die Sicherheitsfirma CloudSEK analysierte die Angriffsmethode: Die Hacker nutzten eine Verzögerung bei der Passwort-VerschlĂŒsselung aus. Neuere FortiOS-Versionen verwenden den sicheren PBKDF2-Algorithmus, doch Ă€ltere SHA-256-Hashes bleiben oft in Konfigurationsdateien gespeichert. Erst wenn ein Administrator sich manuell anmeldet, wird das Passwort aktualisiert. Fortinet empfiehlt betroffenen Kunden, alle aktiven Sitzungen zu beenden, Passwörter zurĂŒckzusetzen und sofort MFA zu implementieren.
24 Milliarden DatensĂ€tze â die gröĂte Sammlung aller Zeiten?
Forscher von Cybernews entdeckten Anfang Juni eine ungesicherte Elasticsearch-Datenbank mit rund 24 Milliarden EintrĂ€gen. Der 8,3 Terabyte groĂe Datensatz wurde am 12. Juni offline genommen. Er vereinte Informationen aus 36 verschiedenen Quellen.
Die Datenbank enthielt Klartext-Passwörter, E-Mail-Adressen und Login-URLs. Ein Teil stammte aus historischen Leaks, ein erheblicher Anteil jedoch aus frischen Logs von âInfostealer"-Schadsoftware. Diese enthielt aktive Session-Cookies und Authentifizierungs-Token. Rund 1,7 Milliarden EintrĂ€ge kamen von Telegram-KanĂ€len, darunter 260 Millionen aus KanĂ€len der Gruppe âDarkside". Die Datenbank enthielt zudem 17.000 CVE-Beschreibungen und tausende aktuelle Sicherheitsartikel.
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Infostealer-Malware treibt die Zahl kompromittierter Konten in die Höhe
Am 15. Juni fĂŒgte der Benachrichtigungsdienst Have I Been Pwned (HIBP) einen Datensatz mit 56 Millionen E-Mail-Adressen und 124 Millionen Passwörtern hinzu. Anders als bei klassischen Datenbank-Hacks wurden diese Zugangsdaten direkt von infizierten GerĂ€ten abgegriffen.
Die Schadsoftware fĂ€ngt Passwörter ab, wĂ€hrend sie eingegeben oder im Browser gespeichert werden. Selbst komplexe Passwörter nĂŒtzen dann nichts, wenn das EndgerĂ€t nicht geschĂŒtzt ist. Besonders kleine und mittlere Unternehmen sind gefĂ€hrdet: Sie verwenden hĂ€ufig dieselben Passwörter auf mehreren Plattformen und verfĂŒgen oft nicht ĂŒber ausreichende Endpunktsicherung.
Lieferketten-Angriffe und internationale Strafverfolgung
Auch gezielte Attacken auf Dienstleister haben den Unternehmenssektor getroffen. Am 11. Juni kompromittierte ein Angreifer namens âIcarus" die Marktanalyse-Plattform Klue. Durch gestohlene OAuth-Tokens gelangte er an die Salesforce-Instanzen mehrerer Klue-Kunden, darunter Huntress, Recorded Future, Tanium und Jamf. Abgeflossene Daten umfassen GeschĂ€ftskontakte, Verkaufsangebote und interne Verteilungsdetails â Zahlungsdaten blieben demnach unberĂŒhrt.
Die internationale Gemeinschaft reagiert. Unter dem Namen âOperation Endgame" beschlagnahmten FBI, Europol sowie Polizeibehörden aus den Niederlanden und Deutschland 106 Server und Domains der SocGholish-Operation (FakeUpdates). Die Aktion fĂŒhrte zur Bereinigung von fast 15.000 infizierten WordPress-Seiten. Ermittler stellten zudem Zugangsdaten fĂŒr weitere 1,4 Millionen WordPress-Seiten sicher â ein Beleg fĂŒr die Beharrlichkeit der kriminellen Infrastruktur, die von Gruppen wie Evil Corp betrieben wird.
