GedÀchtnis, Protein

GedÀchtnis: Protein Syt3 steuert aktiv das Vergessen im Gehirn

Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 17:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Forschende erklÀren, warum traumatische Ereignisse dauerhaft im GedÀchtnis bleiben und wie Syt3, PTBS sowie chronischer Stress wirken.

25 Jahre 9/11: Wie Trauma, Stress und Erinnern das Gehirn prÀgen
Ein minimalistischer, leerer Raum mit einfallendem Licht und langen Schatten, der eine kontemplative AtmosphÀre vermittelt. Illustration mit AI erstellt.

Die TerroranschlÀge vom 11. September 2001 markieren einen Wendepunkt der Zeitgeschichte, der sich nicht nur politisch, sondern auch tiefgreifend in das kollektive und individuelle GedÀchtnis eingeschrieben hat.

Zum 25. Jahrestag rĂŒcken Analysen in den Fokus, die untersuchen, wie solche traumatischen Erlebnisse die Funktionsweise und Struktur des menschlichen Gehirns verĂ€ndern. Das PhĂ€nomen, dass sich die meisten Menschen prĂ€zise daran erinnern können, in welcher Situation sie von den AnschlĂ€gen erfuhren, ist dabei ein zentraler Gegenstand der GedĂ€chtnisforschung.

Das PhÀnomen der Flashbulb Memories

In der psychologischen Forschung werden diese dauerhaften Erinnerungen als „Flashbulb Memories“ bezeichnet. Laut der Erinnerungsforscherin Astrid Erll zeichnen sich diese dadurch aus, dass sie ĂŒber das gesamte Leben hinweg stabil bleiben. Neben den Ereignissen von 9/11 werden oft auch regionale Katastrophen, wie das Flugschau-UnglĂŒck in Ramstein, als Beispiele fĂŒr solche tiefen EinprĂ€gungsprozesse genannt.

FĂŒr die anhaltende Faszination und die intensive Auseinandersetzung mit diesen Ereignissen fĂŒhren Experten verschiedene psychologische Modelle an. Die „Terror Management Theory“ dient hierbei als ErklĂ€rungsansatz fĂŒr die psychischen BewĂ€ltigungsmechanismen angesichts massiver Bedrohungen.

Zudem wird das Konzept der „Morbid Curiosity“ (morbide Neugier) diskutiert. Aus evolutionsbiologischer Sicht könne dieses Interesse als Überlebensmechanismus verstanden werden, um potenzielle Gefahren besser einschĂ€tzen und verarbeiten zu können.

Die molekulare Basis von GedÀchtnis und Vergessen

WĂ€hrend traumatische Erlebnisse oft dauerhaft gespeichert werden, widmet sich die biologische Forschung den Mechanismen, die das Vergessen steuern. Ein Forscherteam um Dr. Camin Dean am European Neuroscience Institute Göttingen (ENI-G) identifizierte bereits in einer im Januar 2019 im Fachjournal Science veröffentlichten Studie ein spezifisches Protein, das hierbei eine SchlĂŒsselrolle spielt.

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Das Protein Synaptotagmin-3 (Syt3) ist demnach dafĂŒr zustĂ€ndig, Neurotransmitter-Rezeptoren aus den post-synaptischen Membranen zu entfernen, was den Prozess des Vergessens aktiv fördert. In Untersuchungen mit Syt3-defizienten MĂ€usen zeigte sich, dass diese zwar normal lernten, das Erlernte jedoch nicht vergessen konnten.

Die Forscher konnten zudem nachweisen, dass eine Blockade durch ein Peptid das Vergessen bei MĂ€usen verhinderte und in einem Alzheimer-Modell das GedĂ€chtnis normalisierte. Diese Erkenntnisse verdeutlichen die chemischen Prozesse, die ĂŒber die BestĂ€ndigkeit oder den Verlust von Informationen im Gehirn entscheiden.

Folgen traumatischer Belastungen

Die klinische Psychologie definiert die Folgen direkter oder indirekter Traumatisierung als Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS). Diese Diagnose wird gestellt, wenn Symptome ĂŒber mehr als einen Monat anhalten und das soziale, familiĂ€re oder berufliche Leben maßgeblich beeintrĂ€chtigen.

Zu den Kernsymptomen gehören das wiederholte Erleben des Traumas, ausgeprĂ€gtes Vermeidungsverhalten, emotionale VerĂ€nderungen sowie eine dauerhafte Übererregung (Hypervigilanz).

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In der Behandlung haben sich Standardtherapien wie EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) oder Expositionstherapien etabliert. ErgĂ€nzend hierzu werden pferdegestĂŒtzte Therapien, etwa die Hippotherapie oder Equitherapie, eingesetzt. Diese dienen laut Fachberichten als Supplement zu den klinischen Verfahren, können diese jedoch nicht vollstĂ€ndig ersetzen.

Auswirkungen von chronischem Stress

Neben akuten Traumata stellt chronischer Stress eine erhebliche Belastung fĂŒr die kognitive Gesundheit dar. Dieser Ă€ußert sich körperlich durch Symptome wie Herzrasen, Schlafstörungen oder Magen-Darm-Probleme. Mental fĂŒhren dauerhafte Belastungen oft zu Konzentrationsschwierigkeiten, GedĂ€chtnisproblemen und anhaltendem Gedankenkreisen.

Langfristig begĂŒnstigt chronischer Stress die Entstehung schwerwiegender Folgeerkrankungen, darunter Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, MagengeschwĂŒre sowie das Burnout-Syndrom. Die Forschung zum 25. Jahrestag von 9/11 unterstreicht somit die Notwendigkeit, sowohl die psychologischen als auch die physiologischen Mechanismen der Traumaverarbeitung weiter zu entschlĂŒsseln.

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