Uhrzeigersinn, Studie

Gehen gegen den Uhrzeigersinn: Studie zeigt natürlichen Linksdrall bei Menschen

Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 16:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Fünf Experimente in Spanien und Japan bestätigen einen unbewussten Linksdrall, der auch für die Planung von Personenströmen relevant ist.

Studie: Menschen gehen meist gegen den Uhrzeigersinn
Eine weitläufige, leere und ebene Wiesenfläche unter einem bewölkten Himmel. Illustration mit AI erstellt.

Menschen folgen bei der freien Bewegung im Raum einem überraschend einheitlichen Muster. Eine in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlichte Untersuchung der Universität Navarra in Spanien und der Universität Tokio in Japan belegt, dass Menschen einen statistisch signifikanten Drang besitzen, beim zielgerichteten oder freien Gehen gegen den Uhrzeigersinn zu laufen.

Die Forschungsreihe, die im Jahr 2020 ursprünglich als Experiment zu Abständen während der COVID-Pandemie begann und sich über fünf Jahre Forschung erstreckte, zeigt: Ohne vorgegebenes Ziel bewegen sich Personen fast immer linkswärts im Kreis.

Fünfjährige Kinder und offene Areale im Test

Für die Untersuchung führten die Wissenschaftler fünf Experimente durch. Dabei wurden Erwachsene, Teenager sowie Vorschulkinder sowohl isoliert als auch in Gruppen in Spanien und Japan beobachtet. Das Muster blieb über sämtliche Versuchsanordnungen und beteiligten Länder hinweg konstant. Eine besonders starke Tendenz zu dieser Drehrichtung zeigte sich bei fünfjährigen Kindern.

Auch die räumliche Umgebung spielte bei den Experimenten eine messbare Rolle. Bei einem Test auf einem 3.000 m² großen, offenen Schulhof mit über 100 Jugendlichen verstärkte sich die Rotation gegen den Uhrzeigersinn sogar noch, wenn keine begrenzenden Wände vorhanden waren.

In einem weiteren Versuchsaufbau bewegten sich über 200 Einzelpersonen allein in einer leeren Arena; auch hier wählte die deutliche Mehrheit selbstständig den Weg gegen den Uhrzeigersinn.

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Die Studie aus Nature Communications zeigt: Menschen bewegen sich instinktiv gegen den Uhrzeigersinn — ein Muster, das sich in fünf Experimenten in Spanien und Japan bestätigt hat. Für Planer heißt das: Wer Personenströme in Bahnhöfen, Museen oder bei Notausgang-Simulationen korrekt lenken will, braucht diesen Parameter. Der kostenlose Praxisleitfaden zeigt in 3 Schritten, wie Sie den Linksdrall in Ihre Raumplanung und Simulation einbauen. Kostenlosen Praxisleitfaden jetzt anfordern

Kulturelle Einflüsse und körperliche Faktoren ausgeschlossen

Die Datenerhebung widerlegte gängige Vermutungen über kulturelle Prägungen oder physische Voraussetzungen. Das Experiment in Japan, wo im Straßenverkehr Linksverkehr gilt, sowie die Beobachtung der Vorschulkinder machten deutlich, dass weder erlernte Verkehrsordnungen noch soziale Gewohnheiten den Ausschlag geben. Eine begleitende Umfrage zu sozialen Normen hatte zuvor ergeben, dass die Befragten mehrheitlich eher eine Bewegung im Uhrzeigersinn erwartet hätten.

Ebenso schieden körperliche Asymmetrien als primäre Auslöser aus. Händigkeit, Fußdominanz, Augendominanz, das Geschlecht sowie das Tragen einer Augenklappe führten zu keinen signifikanten Abweichungen. Weder Linkshänder noch Personen mit Vorlieben für Drehungen nach rechts änderten das grundlegende Bewegungsmuster der Gruppe.

Mögliche Ursachen und praktische Anwendung

Das Forscherteam um Iñaki Echeverría-Huarte sieht die genaue neurologische Ursache für dieses Verhalten weiterhin als ungeklärt an. Der Forscher Claudio Feliciani vermutet winzige Asymmetrien im Gleichgewichtssinn des Innenohrs als mögliche Ursache für das Phänomen. Ähnliche Bewegungsmuster gegen den Uhrzeigersinn wurden in der Natur bereits bei Fischen und Wanderameisen beobachtet.

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Notausgang-Simulationen arbeiten oft mit Annahmen, die die reale Gehrichtung von Menschen nicht abbilden — die aktuelle Forschung zeigt einen statistisch signifikanten Linksdrall, der sich sogar auf offenen Flächen ohne Wände verstärkt. Wer Fluchtwege und Besucherführung belastbar auslegen will, findet in diesem Leitfaden konkrete Parameter und 5 Fallstudien für Bahnhof, Flughafen und Museum. Checkliste für belastbare Personenstrom-Modelle sichern

Die Ergebnisse besitzen über die Grundlagenforschung hinaus Bedeutung für die räumliche Planung. Die Erkenntnisse über die unbewusste Gehrichtung lassen sich für die Gestaltung von Bahnhöfen, Flughäfen, Museen und Einkaufszentren nutzen. Zudem liefern sie praxisnahe Parameter für computergestützte Simulationen von Notausgängen und Personenströmen in Gebäuden.

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