Gehirnjogging, Waldspaziergang

Gehirnjogging: Waldspaziergang schlÀgt teure Apps um 20%

21.06.2026 - 04:50:45 | boerse-global.de

Wissenschaftliche Studien widerlegen Wirksamkeit kommerzieller Gehirnjogging-Spiele. Naturerfahrung und Bewegung zeigen stÀrkere Effekte auf die Kognition.

Gehirnjogging-Studie: Forscher entlarven Mythen um kognitive Spiele
Gehirnjogging - Eine Hand interagiert mit einer holographischen Gehirn-Schnittstelle; im Hintergrund ein sonnendurchfluteter Wald. 21.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

WĂ€hrend kommerzielle Anbieter boomen, zeigen Forscher: Die wirksamsten Methoden fĂŒr geistige Fitness sind oft einfacher und gĂŒnstiger.

Gehirnjogging: Viel Hype, wenig Belege

70 Kognitionspsychologen und Neurowissenschaftler von Stanford University und Max-Planck-Institut fĂŒr Bildungsforschung haben Klartext geredet. Ihre Botschaft: Es gibt kaum wissenschaftliche Belege fĂŒr die Wirksamkeit kommerzielle Gehirnjogging-Spiele.

Die Anwendungen verbessern zwar die Leistung innerhalb des jeweiligen Spiels. Einen nachweisbaren Einfluss auf die allgemeine Alltagskompetenz oder die Vorbeugung von geistigem Abbau haben sie jedoch nicht.

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Ulman Lindenberger vom Max-Planck-Institut fĂŒr Bildungsforschung betont: Körperliche AktivitĂ€t, ein aktives soziales Leben und eine geistig anregende LebensfĂŒhrung sind wesentlich effektiver fĂŒr ein gesundes Altern.

Trotzdem bleiben Formate wie Wissensquizze populĂ€r. Ein Wettbewerb bei MagentaTV am 18. Juni 2026 zwischen den Fußballprofis Thomas MĂŒller und Mats Hummels zeigte das. Solche Veranstaltungen betonen den Unterhaltungswert – die medizinische PrĂ€vention setzt auf andere Faktoren.

Der Wald als Konzentrationsbooster

Einen wesentlichen Beitrag zur kognitiven Erholung leistet der Aufenthalt im GrĂŒnen. Das belegt eine aktuelle Studie der University of Utah unter der Leitung von Amy McDonnell.

Die Forscher maßen mittels EEG die GehirnaktivitĂ€t nach einem Waldspaziergang. Ergebnis: Das Gehirn arbeitete bei anschließenden Konzentrationstests effizienter. Die allgemeine GehirnaktivitĂ€t sank zunĂ€chst – Erholung. Bei konkreten Aufgaben traten dann stĂ€rkere AktivitĂ€tsspitzen auf.

Diese Beobachtungen stĂŒtzen die „Attention Restoration Theory“. Marc Berman von der University of Michigan formulierte sie bereits 2008. Er wies nach: Die Leistung in kognitiven Tests stieg nach einem Spaziergang im Park um rund 20 Prozent.

Forscher diskutieren als mögliche Ursachen fraktale Muster in der Natur oder verbesserte LuftqualitÀt. Die genauen KausalzusammenhÀnge sind noch unklar.

Neue Erkenntnisse zu Alzheimer und Medikamenten

Die Alzheimer-Forschung liefert im Juni 2026 neue Erkenntnisse. Forscher der UniversitĂ€t MĂĄlaga identifizierten gealterte Gehirnzellen – sogenannte seneszente Astrozyten – als wesentliche Treiber der Erkrankung.

Eine in Nature Medicine veröffentlichte KI-Analyse von Daten 60.000 Personen belegt: Extreme Alterung dieser Zellen verdreifacht das Alzheimer-Risiko bei genetisch vorbelasteten Personen. Besonders betroffen sind TrĂ€ger des APOE4-Gens. Bei homozygoten TrĂ€gern ab 65 Jahren wurden in ĂŒber 95 Prozent der FĂ€lle hohe Amyloidwerte gemessen.

Parallel dazu laufen neue medikamentöse AnsĂ€tze. Die ETH ZĂŒrich untersuchte im Juni 2026 den Wirkstoff CPD10, der in Mausmodellen Plaques reduzierte. FĂŒr das PrĂ€parat ACD856 von AlzeCure Pharma wurde eine Phase-II-Studie angekĂŒndigt.

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Ein weiterer Forschungszweig: Die UniversitÀten Oxford und Birmingham untersuchten den Einsatz von Prucaloprid bei kognitiven Restbeschwerden nach Depressionen. In einer kleinen Studie mit 50 Erwachsenen zeigten Probanden nach zehntÀgiger Einnahme Verbesserungen bei GedÀchtnis und Emotionserkennung. Die Forscher betonen: Eine allgemeine Therapieempfehlung ist das noch nicht.

ErnĂŒchterung bei NahrungsergĂ€nzungsmitteln

Die Hoffnung auf einfache Pillen fĂŒrs Gehirn bekommt einen DĂ€mpfer. Eine am 18. Juni 2026 in eBioMedicine veröffentlichte Studie der Keck Medicine of USC liefert ernĂŒchternde Ergebnisse.

In einer zweijĂ€hrigen placebokontrollierten Doppelblindstudie mit 365 Teilnehmern zwischen 55 und 80 Jahren zeigte sich: Die tĂ€gliche Einnahme von 2.000 mg Fischöl (DHA) brachte keine signifikanten Verbesserungen. Weder das GedĂ€chtnis noch das Hippocampus-Volumen verĂ€nderten sich positiv – obwohl der Omega-3-Spiegel im Blut deutlich anstieg.

Anders sieht es bei Citicolin aus. Kyowa Hakko prÀsentierte auf der ISSN-Konferenz 2026 Daten zu einer Einzeldosis von 500 mg. EEG-Messungen deuteten auf eine akute Verbesserung von Fokus und Aufmerksamkeit nach 60 bis 240 Minuten hin.

Die unterschiedlichen Studienergebnisse unterstreichen die KomplexitÀt der kognitiven Leistungssteigerung. Wer kurzfristig die Konzentration verbessern will, braucht andere Mittel als bei der langfristigen KrankheitsprÀvention.

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