Gehirntraining, Demenzrisiko

Gehirntraining: 25% weniger Demenzrisiko durch gezieltes Speed-Training

Veröffentlicht am: 18.08.2026 um 12:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Kognitive Trainings und PrĂ€ventionsmodelle rĂŒcken in den Fokus: Studien belegen reduziertes Demenzrisiko durch gezielte Übungen.

Gehirntraining und PrÀvention: Neue Studien zeigen Wege gegen Demenz
Eine Ă€ltere Frau konzentriert sich an einem sonnendurchfluteten Tisch auf ein GedĂ€chtnistraining in einem Gemeinschaftsraum. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Im Bereich der kognitiven Gesundheitsvorsorge gewinnen strukturierte Trainingsprogramme zunehmend an Bedeutung. Sowohl soziale TrĂ€ger als auch die akademische Forschung befassen sich verstĂ€rkt mit der Frage, inwieweit regelmĂ€ĂŸige mentale Aktivierung den kognitiven Verfall im Alter verzögern kann.

Aktuelle Initiativen und Studienergebnisse verdeutlichen dabei das Zusammenspiel von regionalen Bildungsangeboten und wissenschaftlichen Erkenntnissen zur PrÀvention.

Regionale Bildungsangebote als Basis kognitiver Vorsorge

Ein wesentlicher Pfeiler der kognitiven Aktivierung findet sich in lokalen Kursangeboten. In Troisdorf bietet die AWO Oberlar ab dem 14.09.2026 ein regelmĂ€ĂŸiges Gehirntraining an.

Die Veranstaltung ist fĂŒr einen Rhythmus von alle 14 Tage jeweils zwischen 15 und 16 Uhr in der Sieglarer Straße 66-68 angesetzt. Unter der Leitung von Carolin Adler-Blume richtet sich das Angebot ohne Voranmeldung an interessierte BĂŒrger, um die mentale LeistungsfĂ€higkeit durch gezielte Übungen zu fördern.

Parallel dazu erweitert die VHS Werra-Meißner ihr Programm fĂŒr das kommende Wintersemester, das ebenfalls am 14.09.2026 startet. Mit insgesamt 430 Kursen setzt die Volkshochschule einen Schwerpunkt auf lebenslanges Lernen.

Neu in den Lehrplan aufgenommen wurden neben speziellen GedĂ€chtnistrainings auch Sprachkurse wie Persisch fĂŒr Kinder und Erwachsene. Solche Angebote unterstĂŒtzen laut Experten nicht nur die Wissensvermittlung, sondern fördern durch soziale Kontakte und neue Lernreize auch die neuronale PlastizitĂ€t.

Langzeitstudien belegen prÀventive Effekte kognitiven Trainings

Die Wirksamkeit solcher Maßnahmen wird durch umfangreiche wissenschaftliche Daten gestĂŒtzt. Die sogenannte ACTIVE-Studie begleitete ĂŒber einen Zeitraum von 20 Jahren insgesamt 2.832 Ă€ltere Erwachsene im Alter zwischen 65 und 94 Jahren.

Die in der Fachzeitschrift Alzheimer's & Dementia veröffentlichten Ergebnisse zeigen, dass Teilnehmer der Gruppe, die ein spezifisches kognitives Schnelligkeitstraining (Speed-Training) absolvierte, ein um 25 % geringeres Demenzrisiko aufwiesen.

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In Österreich wird dieser Forschungszweig durch die LETHE-AT-Studie weiter vertieft. An den Medizinischen UniversitĂ€ten in Wien, Graz und Innsbruck werden aktuell 300 Teilnehmer im Alter von 55 bis 75 Jahren gesucht, die ein erhöhtes Demenzrisiko aufweisen.

Innerhalb der 18-monatigen Studie soll untersucht werden, wie sich gezielte Interventionen auf die Gehirngesundheit auswirken. Fachleute der Lancet-Kommission weisen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass theoretisch 45 % der weltweiten DemenzfÀlle durch die gezielte Beeinflussung von 14 spezifischen Risikofaktoren verhindert werden könnten.

Ein Bericht der Tageszeitung WELT unterstreicht zudem, dass bereits die Vermeidung von drei wesentlichen Risikofaktoren den Ausbruch einer Demenzerkrankung um bis zu 12 Jahre hinauszögern könne.

Ganzheitliche AnsÀtze und medizinische Begleitfaktoren

Experten wie der ErnĂ€hrungswissenschaftler Tseng Chien-Ming plĂ€dieren fĂŒr ein Vier-SĂ€ulen-Modell der PrĂ€vention, das ErnĂ€hrung, körperliche Bewegung, kognitive Herausforderungen und soziale Kontakte kombiniert. Internationale Studien wie FINGER oder POINTER deuten darauf hin, dass durch solche ganzheitlichen AnsĂ€tze Verbesserungen der Gehirnleistung von bis zu 150 % im Vergleich zu Kontrollgruppen möglich sind.

ErgÀnzend zur kognitiven Aktivierung wird die Rolle medizinischer Faktoren untersucht. Eine Untersuchung des schwedischen Karolinska Institutet analysierte die Daten von 7.308 Alzheimer-Patienten, die zusÀtzlich unter Vorhofflimmern litten. Dabei wurde beobachtet, dass Patienten, die mit modernen oralen Antikoagulanzien (NOAC) behandelt wurden, einen geringeren kognitiven Abbau verzeichneten.

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Der jĂ€hrliche Verlust auf der MMSE-Skala (Mini-Mental State Examination) lag bei diesen Patienten um 0,23 Punkte niedriger als bei Patienten ohne BlutverdĂŒnnung.

Nach einem Zeitraum von fĂŒnf Jahren erreichten NOAC-Patienten einen wert von 15,3 Punkten, wĂ€hrend die unbehandelte Vergleichsgruppe bei 14,3 Punkten lag. Die Forscher betonten jedoch, dass dies keinen Beweis fĂŒr eine direkte Alzheimer-Therapie darstellt, sondern lediglich auf die Bedeutung der vaskulĂ€ren Gesundheit fĂŒr den Erhalt der Kognition hinweist.

Forderungen an die Struktur von Bildungsprozessen

Über die rein medizinische und prĂ€ventive Perspektive hinaus fordern Fachleute Anpassungen in der Bildungsbiografie. Der Bildungsforscher Ulrich Trautwein von der UniversitĂ€t TĂŒbingen betonte die Notwendigkeit, Schulen und Hochschulen stĂ€rker auf die Vermittlung von Selbstregulation auszurichten. Dies sei essenziell, um Individuen auf die Anforderungen der modernen Arbeitswelt vorzubereiten.

Zudem warnte er vor einem einseitigen Vertrauen in kĂŒnstliche Intelligenz und mahnte an, die eigenen kognitiven Kompetenzen und SteuerungsfĂ€higkeiten konsequent weiterzuentwickeln.

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