Griffkraft, Schwache

Griffkraft: Schwache HĂ€nde verraten Demenz-Risiko von bis zu 14%

Veröffentlicht am: 25.07.2026 um 18:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Muskelkraft der HĂ€nde gilt als zuverlĂ€ssiger Marker fĂŒr kognitive Gesundheit und allgemeine Sterblichkeit. Neue Studien belegen den Zusammenhang.

Handgreifkraft als Indikator fĂŒr Demenz- und Sterberisiko
Nahaufnahme einer Hand bei einer medizinischen Untersuchung zur Messung der Griffkraft in einer klinischen Umgebung. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Die Greifkraft der HĂ€nde verrĂ€t mehr ĂŒber die Gesundheit als gedacht. Mediziner sehen in der Muskelkraft zunehmend einen verlĂ€sslichen Indikator fĂŒr Demenz-Risiken und die allgemeine Sterblichkeit.

Was die HĂ€nde ĂŒber das Gehirn verraten

Eine Studie mit 4.656 Erwachsenen ĂŒber 60 Jahren aus Kolumbien zeigt klare ZusammenhĂ€nge. MĂ€nner mit einer Griffkraft unter 27 Kilogramm hatten ein 12,2-prozentiges Risiko fĂŒr kognitive EinschrĂ€nkungen. Bei Frauen lag die Schwelle bei 16 Kilogramm – hier betrug das Risiko 14,2 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit einer Demenz lag in dieser Gruppe bei MĂ€nnern bei 4,9 Prozent, bei Frauen bei 6,6 Prozent.

Die Griffkraft dient als Marker fĂŒr die MuskelqualitĂ€t und die SignalĂŒbertragung durch sogenannte Myokine. Daten der UK Biobank mit ĂŒber 500.000 Teilnehmern bestĂ€tigen: Eine schwache Griffkraft hĂ€ngt mit einem erhöhten Risiko fĂŒr Herz-Kreislauf-, Atemwegs- und Krebserkrankungen zusammen. Laut der NAKO-Gesundheitsstudie steigt die Handgreifkraft bis etwa zum 40. Lebensjahr – danach nimmt sie kontinuierlich ab.

Jedes Kilo mehr Kraft senkt das Sterberisiko

Langzeitstudien untermauern die prognostische Bedeutung der Muskelkraft. Eine im Fachmagazin JAMA veröffentlichte Studie begleitete 5.000 Frauen zwischen 63 und 99 Jahren ĂŒber acht Jahre. Ergebnis: Pro sieben Kilogramm zusĂ€tzlicher Griffkraft sank die Sterblichkeitsrate um zwölf Prozent.

Eine Untersuchung im Lancet an rund 140.000 Erwachsenen aus 17 LĂ€ndern kam zu Ă€hnlichen Ergebnissen. FĂŒnf Kilogramm weniger Griffkraft erhöhten das Sterberisiko um 16 Prozent.

Zur Einordnung der eigenen LeistungsfĂ€higkeit dienen Richtwerte fĂŒr den sogenannten „Dead Hang“ – freies HĂ€ngen an einer Stange. FĂŒr 20- bis 50-JĂ€hrige gelten ĂŒber 60 Sekunden als guter Trainingszustand. Bei Über-50-JĂ€hrigen sind bereits mehr als 45 Sekunden ĂŒberdurchschnittlich.

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KI erkennt Alzheimer Jahre vor Ausbruch

Parallel zur physischen Diagnostik entwickeln sich technische Verfahren rasant weiter. Das KI-System NITROGEN kann Alzheimer mit 92-prozentiger Genauigkeit erkennen – bis zu sieben Jahre vor Auftreten erster Symptome.

Auch biochemisch gibt es Fortschritte. Mitte Juli veröffentlichten Forscher der Ruhr-UniversitĂ€t Bochum Ergebnisse einer 17-jĂ€hrigen Blutstudie. Unter Leitung von Prof. Dr. Klaus Gerwert analysierten sie Proben der ESTHER-Kohorte. Ergebnis: Die Fehlfaltung des Amyloid-?-Proteins ist im symptomfreien Stadium der stĂ€rkste blutbasierte PrĂ€diktor. Der Biomarker P-tau 217 zeigte sich erst im fortgeschrittenen Stadium als aussagekrĂ€ftig. Ein kombiniertes Panel verschiedener Marker erreichte in der prĂ€klinischen Phase eine hohe diagnostische GĂŒte.

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Bewegung als Medizin

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) betont in ihren Leitlinien vom Juli 2026 die Bedeutung körperlicher AktivitÀt zur Demenz-PrÀvention. Bereits 3.000 Schritte tÀglich können die Ausbreitung pathologischer Proteine im Gehirn verlangsamen. Bei 5.000 bis 7.500 Schritten sind die Effekte noch stÀrker. Empfohlen werden zudem 150 bis 300 Minuten moderate Bewegung pro Woche sowie 40 bis 60 Minuten gezieltes Krafttraining.

Neben Bewegung spielen ErnÀhrung und Medikation eine zentrale Rolle:

  • ErnĂ€hrung: Eine entzĂŒndungshemmende Kost senkt das Demenzrisiko um 29 Prozent (JAMA Network Open, Juni 2026). Die sogenannte MIND-DiĂ€t wird mit einer Risikoreduktion von bis zu 40 Prozent in Verbindung gebracht.
  • Medikamente: Studien vom Juli 2026 deuten darauf hin, dass SGLT2-Inhibitoren das Alzheimer-Risiko um 43 Prozent senken könnten, GLP-1-Agonisten um 33 Prozent.
  • Forschung: In der Phase-III-Studie PrevenTRON wird aktuell die Wirkung des Wirkstoffs Trontinemab an 1.600 symptomfreien Personen untersucht.

Experten betonen zudem die Bedeutung der GefĂ€ĂŸgesundheit. Ein Blutdruck unter 130/80 mmHg sowie ein LDL-Cholesterinwert unter 70 mg/dl gelten als entscheidend fĂŒr den langfristigen Erhalt der kognitiven LeistungsfĂ€higkeit.

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