Gürtelrose-Impfung senkt Demenzrisiko um 24 Prozent
19.06.2026 - 14:30:00 | boerse-global.de
Weltweit setzen Forschungseinrichtungen auf moderne Sequenzierungstechnologien, um die genetischen Grundlagen von Alzheimer, Parkinson und Autismus zu entschlüsseln. Das Ziel: maßgeschneiderte Therapien für neurodegenerative und neuropsychiatrische Erkrankungen.
Deutschland investiert sechs Millionen in „NeuroGenomeHub“
Das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) startet ein ambitioniertes Projekt. Rund sechs Millionen Euro fließen in die Genom-Datenbank „NeuroGenomeHub“. Innerhalb von zwei Jahren sollen die Erbinformationen von 25.000 Menschen erfasst werden. Die Daten stammen aus klinischen Studien und der großangelegten Rheinland Studie.
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Technologisch setzt das Vorhaben auf Long-Read-Verfahren und DNA-Methylierungsanalysen. Damit wollen die Forscher komplexe Krankheitsbilder wie Alzheimer, Parkinson, ALS und Huntington besser verstehen.
Brasilien und Australien ziehen nach
Auch international wird kräftig investiert. In Brasilien startete Mitte Juni die zweite Phase des Programms „Genomas SUS“. Mit 180 Millionen Brasilianischen Real (BRL) sollen weitere 50.000 Genome sequenziert werden. Ein Teil der Mittel fließt an das Centro Âncora in Guarapuava – für die größte genetische Datenbank der brasilianischen Bevölkerung.
Forscher der University of Queensland konzentrieren sich auf die Motoneuron-Erkrankung (MND/ALS). Die Datenbank „SALSA-SGC“ umfasst Proben und Daten von über 1.300 Patienten. Sie dient der Validierung neuer Wirkstoffe und der Entwicklung gezielter Therapien.
Ethnische Vielfalt als Schlüssel zum Erfolg
Die „Pakistan Genome Resource“ (PGR) zeigt, wie wichtig ethnische Vielfalt in Genom-Datenbanken ist. Eine aktuelle Auswertung von über 166.000 Teilnehmern förderte rund 6,6 Millionen kodierende Varianten zutage – fast die Hälfte gilt als einzigartig. Besonders wertvoll: die hohe Zahl an homozygoten „Loss-of-Function“-Varianten. Sie erlauben Rückschlüsse auf die Funktion einzelner Gene bei Parkinson oder dem Schmerzempfinden. Langfristig ist eine Erweiterung auf eine Million Teilnehmer geplant.
In Katalonien treibt das GCAT-Projekt die Nutzbarkeit solcher Daten voran. Mit „PolyGenie“ entstand eine Open-Source-Pipeline, die polygene Risikoscores mit phänotypischen Variablen verknüpft. Das ermöglicht präzisere Vorhersagen von Krankheitsrisiken.
KI diagnostiziert Hirntumoren in 12 Minuten
Neben der Datensammlung gewinnen automatisierte Auswertungsverfahren an Bedeutung. Ein Team des DKFZ und der Universität Heidelberg stellte das KI-System „Hetairos“ vor. Die Software klassifiziert Hirntumoren anhand von Gewebeschnitten in etwa 12 Minuten – Standardverfahren brauchen dafür mehrere Tage. Das System unterscheidet 102 molekulare Subtypen und lag in der Validierung deutlich über der Trefferquote von Experten.
Auch bei Alzheimer gibt es Fortschritte. Das Unternehmen Sysmex brachte ein vollautomatisiertes Bluttestsystem auf den Markt. Es misst Biomarker wie die Aß42/40-Ratio in 17 Minuten. Validierungsstudien in Amsterdam und Barcelona belegen eine hohe diagnostische Genauigkeit. Das könnte die hohe Quote an undiagnostizierten Fällen bei Patienten mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen senken.
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Autismus: Neue Einblicke in die Biologie
Aktuelle Studien liefern differenziertere Einblicke in neuropsychiatrische Entwicklungen. Eine Untersuchung des ISTA-Teams in Nature deutet darauf hin, dass unterschiedliche Mutationen bei Autismus häufig dieselben zellulären Prozesse in der frühen Gehirnentwicklung betreffen. Es handele sich oft um vorübergehende Verzögerungen, nicht um dauerhafte Schäden.
Eine weitere Studie in Nature Neuroscience identifizierte zwei Subtypen von Autismus anhand der Hirnkonnektivität. Ein Typ zeigt eine schwächere Vernetzung (Hypokonnektivität), der andere eine stärkere (Hyperkonnektivität).
Impfung gegen Gürtelrose senkt Demenzrisiko
Eine großangelegte Untersuchung in den Annals of Internal Medicine zeigt einen überraschenden Zusammenhang. Die Impfung gegen Gürtelrose mit dem Vakzin Shingrix senkt das relative Demenzrisiko bei Menschen über 66 Jahren um 24 Prozent. Besonders ausgeprägt ist der Effekt bei Frauen. Er wird etwa ein Jahr nach der Immunisierung sichtbar.
