Haferflocken, Erkältung

Haferflocken gegen Erkältung: 14 Studien belegen keinen Schutz durch Beta-Glucane

Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 16:08 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Prüfung von 14 Studien findet keine ausreichenden Belege für Erkältungsschutz durch Hafer; Cholesterin- und Sättigungseffekte sind belegt.
Nahaufnahme von Haferflocken und Kürbiskernen auf einem rustikalen Holztisch bei natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Haferflocken gelten im Ernährungsbereich traditionell als gesundheitsförderndes Lebensmittel. Häufig wird ihnen auch eine schützende Wirkung gegen Infektionen und Erkältungskrankheiten zugeschrieben.

Ein wissenschaftlicher Faktencheck der Universität für Weiterbildung Krems kommt jedoch zu dem Ergebnis, dass die vorhandene Studienlage diese Annahme nicht stützt. Die untersuchten Daten zu Beta-Glucanen reichen demnach nicht als beleg für einen Erkältungsschutz aus.

Fragwürdige Übertragbarkeit und methodische Mängel

Im Rahmen der wissenschaftlichen Prüfung analysierte die Universität für Weiterbildung Krems 14 Studien zu Beta-Glucanen. Die darin verabreichten Dosen bewegten sich zwischen 35 und 900 Milligramm täglich über einen Zeitraum von vier bis 26 Wochen. Diese Arbeiten liefern nach Einschätzung der Prüfer jedoch keine tragfähige Grundlage, um Haferflocken eine präventive Wirkung gegen Erkältungen zu attestieren.

Ausschlaggebend hierfür sind mehrere Faktoren: Fast alle der herangezogenen Untersuchungen wurden direkt von Beta-Glucan-Herstellern finanziert. Auffällig war zudem, dass der berichtete Effekt bei niedrigerer Dosierung und kürzerer Einnahmedauer paradoxerweise größer erschien. Hinzu kommt ein grundlegender methodischer Unterschied im Ausgangsstoff: Die Studien untersuchten Beta-Glucane, die aus Hefe gewonnen wurden, und nicht solche aus Hafer. Eine direkte Übertragung dieser Ergebnisse auf den Konsum von Haferflocken ist aus wissenschaftlicher Sicht daher unzulässig.

Zu einem ähnlichen Bild bezüglich entzündlicher Prozesse kam eine Auswertung aus dem Jahr 2024. Diese umfasste 16 Studien mit insgesamt 1.091 Teilnehmern. Bei gesunden Personen zeigten sich keine überzeugenden entzündungshemmenden Effekte. Lediglich bei Menschen mit Übergewicht oder erhöhtem Cholesterinspiegel ergaben sich Hinweise auf niedrigere Entzündungswerte.

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Belegte Effekte auf Cholesterinspiegel und Sättigung

Während die Schutzwirkung gegen Infekte unzureichend belegt bleibt, gelten andere gesundheitliche Eigenschaften von Hafer als wissenschaftlich gesichert. So ist anerkannt, dass eine tägliche Aufnahme von mindestens 3 Gramm Hafer-Beta-Glucanen zur Aufrechterhaltung eines normalen Cholesterinspiegels beitragen kann. Messbare Effekte auf das LDL-Cholesterin treten ab etwa dieser Menge auf, welche in rund 70 Gramm Haferflocken enthalten ist.

Zudem sorgt das Getreide für eine langanhaltende Sättigung. Dieser Umstand beruht darauf, dass die enthaltenen Beta-Glucane im Verdauungstrakt aufquellen und somit die Magenentleerung verzögern. Nach Angaben der Verbraucherzentrale liefern Haferflocken wichtige Ballaststoffe, Vitamine und Mineralstoffe, die sich positiv auf die Verdauung, das Herz-Kreislauf-System sowie den Blutzuckerspiegel auswirken können.

Nährstoffdichte, Zubereitung und medizinische Leitlinien

Hinsichtlich der Nährstoffzusammensetzung liefern 100 Gramm Haferflocken rund 350 Kilokalorien, circa 13 Gramm Eiweiß, 7 Gramm Fett und etwa 10 Gramm Ballaststoffe. Gemäß dem Bundeslebensmittelschlüssel 4.0 aus dem Jahr 2025 enthalten 100 Gramm Haferflocken 348 Kilokalorien sowie 11,0 Gramm Ballaststoffe, wovon 4,8 Gramm wasserlöslich sind.

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In gekochter Form reduzieren sich die Werte je 100 Gramm auf 66 Kilokalorien und 2,1 Gramm Ballaststoffe. Eine Portion von 60 Gramm liefert laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung (DGE) 5,8 Gramm Ballaststoffe.

Ein ernährungsphysiologischer Faktor ist die im Hafer enthaltene Phytinsäure, deren Gehalt laut Berichten zwischen 1 und 7 Gramm pro 100 Gramm schwankt.

Nach Angaben der Krankenkasse Barmer bindet sich die Säure an Mineralstoffe wie Eisen, Zink, Kalzium und Magnesium, was deren Verwertung im Körper erschwert. Die Kombination mit Vitamin-C-haltigen Lebensmitteln wie Kiwi, Orange, Paprika oder Petersilie kann die Aufnahme dieser Nährstoffe jedoch verbessern.

Auch in medizinischen Behandlungspfaden findet das Getreide Erwähnung. In der S2k-Leitlinie zu gastrointestinalen Infektionen der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) aus dem Jahr 2023 wird Hafer mit etwas Salz neben gekochten Kartoffeln, Nudeln, Reis, Suppen, Bananen und blandem Joghurt als besonders geeignete Kost bei akutem Durchfall genannt.

Diese Empfehlung basiert auf einem fachlichen Konsens; spezifische Hafer-Studien existieren dazu nicht. Liegt keine Dehydrierung vor, gelten ohnehin keine speziellen Ernährungsregeln.

Nach Angaben des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) aus dem Jahr 2023 müssen Betroffene vorrangig Flüssigkeits- und Salzverluste ausgleichen, wobei Durchfälle ab einer Dauer von 48 Stunden ärztlich abgeklärt werden sollten.

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