Harninkontinenz: Studie mit 50 Frauen zeigt Wirkung von Beckenbodentraining
Veröffentlicht am: 07.11.2026 um 22:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deUnfreiwilliger Urinverlust betrifft Millionen Menschen, bleibt im Alltag jedoch häufig ein Tabuthema. Dabei existieren für die verschiedenen Formen der Inkontinenz differenzierte Ansätze, die von pflegerischen Alltagsmaßnahmen über physiotherapeutische Übungen bis hin zu medikamentösen und chirurgischen Eingriffen reichen.
Verschiedene Formen und pflegerische Basismaßnahmen
In einer pflegefachlichen Handreichung erläuterte Flora Horga von der Kirchlichen Sozialstation Hockenheim grundlegende Aspekte der Erkrankung. Zu den Erscheinungsformen zählen die Belastungs-, Drang-, Misch-, Überlauf- sowie die Stuhlinkontinenz, wobei Mischformen am häufigsten auftreten.
Als wirksame Basismaßnahme gilt ein tägliches Beckenbodentraining. Bei Dranginkontinenz oder einer Reizblase kann zudem ein strukturiertes Blasentraining nach festem Zeitplan helfen, etwa mit Toilettengängen im Intervall von einer bis anderthalb Stunden.
Pflegerische Empfehlungen raten dazu, ausreichend Wasser sowie ungesüßten Tee zu trinken, am Abend jedoch Kaffee und Alkohol zu meiden. Passende Hilfsmittel wie Einlagen böten den Betroffenen Sicherheit im Alltag. Treten Beschwerden öfter als einmal pro Woche auf, oder kommen Schmerzen, Blut im Urin, Fieber sowie ständiger Harndrang hinzu, sei eine ärztliche Abklärung unerlässlich.
Prävalenz und konservative Therapiewege
Nach Angaben der Urogynäkologin Janelle Evans von Reid Health leiden 20 bis 30 Prozent der Frauen vor der Menopause an relevanten Beschwerden, meist in Form von Belastungsinkontinenz. Nach den Wechseljahren steige der Anteil auf rund 50 Prozent, wobei dann vor allem eine überaktive Blase beziehungsweise Dranginkontinenz im Vordergrund stehe.
Ein Blasentagebuch könne dabei helfen, individuelle Reizstoffe wie Koffein, Alkohol oder Zigaretten zu identifizieren. Evans hob hervor, dass eine Gewichtsabnahme laut Literatur die Symptome einer überaktiven Blase verbessere.
Therapeutisch stehe zunächst die konservative Behandlung im Fokus, darunter Beckenboden-Physiotherapie und Lebensstilanpassungen. Bei Medikamenten wies Evans auf Anticholinergika hin, die mit einem Demenzrisiko verknüpft seien, sowie auf Beta-3-Agonisten oder Verfahren wie Neuromodulation, perkutane tibiale Nervenstimulation (PTNS) und Botulinumtoxin.
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Auch Fernando Mongelós verwies unter Berufung auf das US-Institut für Diabetes und Nierenkrankheiten darauf, dass eine Belastungsharninkontinenz entsteht, wenn der intraabdominelle Druckanstieg die Verschlussfähigkeit der Harnröhre übersteigt. Zu den Risikofaktoren zählen Schwangerschaften, vaginale Entbindungen, Übergewicht, Menopause, chronischer Husten und Operationen.
Eine im International Urogynecology Journal publizierte, zwölfwöchige randomisierte Studie an 50 Frauen zeigte, dass ein strukturiertes Training die Symptomschwere signifikant reduzieren kann: In der Telehealth-Gruppe sank der Schweregrad auf durchschnittlich 6,2, während er in der Kontrollgruppe bei 12,5 lag.
Medikamentöse und operative Optionen
Die Fachärztin für Frauenheilkunde Prof. Dr. Çi?dem Yayla Abide betonte, dass Harninkontinenz gut behandelbar sei und niemand stillschweigend darunter leiden müsse.
Zu den Optionen gehören neben Beckenbodentraining und Lebensstiländerungen auch lokale vaginale Östrogentherapien gegen hormonelle Mangelerscheinungen sowie chirurgische Eingriffe bei ausgewählten Fällen von Belastungsinkontinenz. Solche Operationen dauern rund eine halbe Stunde und lassen sich teils vaginal ohne sichtbare Narben durchführen.
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Für spezifische Indikationen existieren weitere chirurgische und interventionelle Verfahren. Dr. Joshua Ebel vom Blanchard Valley Health System erklärte, dass bei Belastungsinkontinenz oft Schlingen verwendet werden, wobei jedoch Mesh-Komplikationen auftreten können. Als Alternative komme eine robotische Burch-Kolposuspension infrage.
Zudem stehe mit dem Hydrogel Bulkamid ein ambulant injizierbares Bulking-Mittel zur Verfügung, das eine Linderung für bis zu sieben Jahre verspreche, während ältere Präparate lediglich ein bis zwei Jahre gehalten hätten. Bei Dranginkontinenz kommen neben Medikamenten auch Botulinumtoxin-Injektionen oder eine Sakralnervstimulation zur Anwendung.
