Herpes-zoster-Impfung, Demenzrisiko

Herpes-zoster-Impfung: 20% weniger Demenzrisiko in Langzeitstudien

Veröffentlicht am: 18.08.2026 um 10:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Zoster-Impfung ist laut Studien mit einem um 20 % reduzierten Demenzrisiko verbunden. Die STIKO empfiehlt Shingrix® nun ab 60 Jahren.

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Eine ältere Person im Gespräch mit einer medizinischen Fachkraft in einer hellen, modernen Arztpraxis. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

In der medizinischen Forschung mehren sich die Anzeichen dafür, dass Impfprävention über den Schutz vor Infektionskrankheiten hinaus signifikante Auswirkungen auf die langfristige Gehirngesundheit haben könnte.

Aktuelle Auswertungen wissenschaftlicher Daten, unter anderem thematisiert durch das Deutsche Ärzteblatt im August 2026, deuten darauf hin, dass insbesondere die Impfung gegen Herpes zoster mit einem reduzierten Risiko für demenzielle Erkrankungen assoziiert ist.

Während die statistische Korrelation in mehreren internationalen Langzeitbeobachtungen belegt wurde, bleibt die Frage nach der zugrunde liegenden Kausalität Gegenstand intensiver Untersuchungen.

Internationale Studien belegen signifikante Risikoreduktion

Wissenschaftliche Analysen aus Wales, Australien und Kanada, die einen Zeitraum von 2013 bis 2026 umfassen, liefern eine breite Datenbasis für diesen Zusammenhang. Besonders detailliert stellt sich die Situation in Wales dar: Dort stieg die Impfquote nach der Einführung entsprechender Programme im Jahr 2013 von ursprünglich 0,01 % auf 47,2 % an.

Parallel dazu beobachteten Forscher, dass das Demenzrisiko bei den geimpften Personen im Vergleich zur ungeimpften Kontrollgruppe relativ um 20 % niedriger ausfiel. Dieser Befund gilt mit einem p-Wert von 0,019 als statistisch belastbar.

Ähnliche Tendenzen zeigen Daten aus Australien. Über einen Beobachtungszeitraum von 7,4 Jahren wurde dort eine signifikant geringere Wahrscheinlichkeit für die Entwicklung einer Demenz festgestellt (p=0,01).

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Trotz dieser deutlichen statistischen Ergebnisse betonen Fachleute, dass ein direkter kausaler Zusammenhang bisher nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden konnte. Es bleibt offen, ob die Impfung selbst biologische Schutzmechanismen im Gehirn aktiviert oder ob Menschen, die sich impfen lassen, generell einen gesundheitsbewussteren Lebensstil pflegen, der kognitiven Verfall verzögert.

Anpassung der Impfempfehlungen und Versorgungsrealität

Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat auf die Erkenntnisse zur Wirksamkeit bereits reagiert und ihre Empfehlungen im Oktober 2025 angepasst. Seither wird die Anwendung des Impfstoffs Shingrix® für alle Personen ab einem Alter von 60 Jahren empfohlen.

Das Impfschema sieht dabei zwei Dosen in einem Abstand von zwei Monaten vor. Für Personen ab 18 Jahren, die an einer Immundefizienz oder einer schweren Grunderkrankung leiden, ist die Maßnahme als Indikationsimpfung eingestuft und wird als Kassenleistung übernommen.

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Trotz der offiziellen Empfehlungen und der potenziellen Zusatznutzen für die kognitive Gesundheit besteht in der Umsetzung noch eine erhebliche Lücke. Aktuellen Erhebungen zufolge sind lediglich 22 % der 60- bis 69-Jährigen entsprechend geimpft.

Die medizinische Fachwelt sieht hier noch erhebliches Potenzial zur Verbesserung der Vorsorge, zumal eine Metaanalyse zudem belegt, dass die Zoster-Impfung das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse um 21 % senken kann.

Forschungsprioritäten und künftige klinische Prüfungen

Die Identifikation von Medikamenten und Impfstoffen, die das Potenzial zur Demenzprävention besitzen, ist Kern systematischer Auswahlprozesse. Forscher der Universität Exeter veröffentlichten in der Fachzeitschrift „Alzheimer's Research & Therapy“ eine Untersuchung, in der 80 potenzielle Wirkstoffe bewertet wurden.

Ein Gremium aus 21 Experten priorisierte in einem Delphi-Konsens drei Kandidaten für künftige klinische Studien: die Zoster-Impfung (Zostavax), den Wirkstoff Sildenafil sowie das Medikament Riluzole.

Zwar unterstreichen die Experten, dass diese Priorisierung noch keinen Beleg für eine präventive Wirkung darstellt, sie dient jedoch als Grundlage für die gezielte klinische Forschung. Ziel ist es, die beobachteten schützenden Effekte von Impfungen und anderen Therapeutika in kontrollierten Studien zu verifizieren und die Mechanismen zu entschlüsseln, durch die das Risiko für neurodegenerative Erkrankungen gesenkt werden kann.

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