Herzgesundheit, Lpa-Werte

Herzgesundheit: 20 Prozent haben erhöhte Lp(a)-Werte – kaum gemessen

28.06.2026 - 01:09:16 | boerse-global.de

Lipoprotein(a)-Screening, Bildgebung und EU-Strategie: Maßnahmen zur Senkung der häufigsten Todesursache in Deutschland.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Neue Strategien senken Sterblichkeit
Herzgesundheit - Nahaufnahme eines Herzfrequenzmonitors mit unregelmäßiger Wellenform und verschwommenem medizinischem Hintergrund. 28.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Neue medizinische Erkenntnisse und politische Entscheidungen könnten die Sterblichkeit nun deutlich senken.

Lipoprotein(a): Der unterschätzte Risikofaktor

Rund 20 Prozent der Bevölkerung haben erhöhte Lp(a)-Werte – doch gemessen wird kaum. Nur bei ein bis zwei Prozent der Menschen wurde der Wert bisher bestimmt. Dabei empfehlen die Leitlinien der ESC/EAS eine einmalige Messung im Leben.

Die Folgen sind gravierend: Lipoprotein(a) gilt als kausaler Risikofaktor für Herzinfarkte und Schlaganfälle. Normalwerte liegen unter 30 mg/dl, ab 50 mg/dl steigt das Risiko deutlich. Ein systematisches Screening der 40- bis 69-Jährigen könnte Deutschland über zehn Milliarden Euro einsparen.

Noch radikaler hilft die Lipoproteinapherese: Sie senkt die Konzentration um bis zu 75 Prozent.

Bildgebung als Gamechanger

Die Computertomografie des Herzens liefert präzise Daten. Der koronare Kalkscore (CAC) gilt als entscheidender Marker. Ein Wert von Null bedeutet ein sehr geringes Risiko. Werte über 300 gelten als Äquivalent für eine koronare Herzkrankheit.

Besonders streng sind die Regeln in der Luftfahrtmedizin: Die Ein-Prozent-Regel besagt, dass das Risiko für ein medizinisches Ereignis im Cockpit ein Prozent pro Jahr nicht überschreiten darf. Stenosen über 50 Prozent führen zur Fluguntauglichkeit.

EU-Strategie und Zuckersteuer

Das EU-Parlament verabschiedete am 24. Juni eine CVD-Strategie für bessere Herzgesundheit in Europa. Deutschland plant für 2028 eine Zuckersteuer auf gesüßte Getränke. Die DEGAM unterstützt das Vorhaben – übermäßiger Zuckerkonsum treibt Adipositas, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

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Eine aktuelle Studie in JAMA Network Open zeigt zudem: Rauchverbote am Arbeitsplatz senken die Herz-Kreislauf-Sterblichkeit effektiv. Schadstoffe fördern die Entstehung von Atherosklerose.

Blutzucker und Viszeralfett

Die Normalisierung des Blutzuckers senkt das kardiovaskuläre Risiko bei Prädiabetes um 58 Prozent, in der Allgemeinbevölkerung um 42 Prozent. Eine Reduktion des Viszeralfetts um zehn Prozent verringert das Diabetesrisiko um 28 Prozent.

Diskutiert wird auch der Einsatz von SGLT2-Inhibitoren und GLP-1-Agonisten. Sie senken nicht nur den Blutzucker – Studien deuten auf ein reduziertes Risiko für neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer hin.

Sozioökonomische Faktoren und Hitze

Das Forschungszentrum Jülich analysierte über 260 Einflussfaktoren auf die Herzgesundheit. Neben Rauchen und Ernährung treiben auch Luftverschmutzung und sozioökonomische Ungleichheit die Erkrankungsrate.

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Ein oft übersehener Punkt: die Zahnarztversorgung. Finanzielle Barrieren beim Zahnarztbesuch erhöhen das Risiko für Herzinfarkte und Demenz. Experten schätzen, dass zwei bis vier Prozent dieser Erkrankungen vermieden werden könnten, wenn der Zugang kostenfrei wäre.

Der Hitzeschutz wird ebenfalls zur Präventionsaufgabe. 2018 starben schätzungsweise 7.000 Menschen hitzebedingt, 2025 waren es noch 2.500. Viele Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen sind nicht ausreichend vorbereitet.

Sicher trainieren ab 35

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin untersucht laufend den Einfluss von Arbeitsbedingungen auf das Herz-Kreislauf-System.

Für Sporteinsteiger ab 35 bis 40 Jahren empfehlen Experten kardiologische Screening-Untersuchungen – besonders bei bestehenden Risikofaktoren. Ziel ist nicht Bewegungseinschränkung, sondern ein sicherer Trainingsrahmen. Plötzliche kardiovaskuläre Ereignisse während der Belastung lassen sich so vermeiden.

de | wissenschaft | 69642711 |