Herzgesundheit, ACC

Herzgesundheit: ACC empfiehlt Ernährungsmuster statt einzelner Nährstoffe

Veröffentlicht am: 01.11.2026 um 20:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der ACC-Ausschuss betont pflanzenbetonte Kost und den Austausch gesättigter Fette; Vollmilch wird mit höherem Koronarrisiko verknüpft.
Frische pflanzliche Lebensmittel wie Nüsse, Gemüse und Hülsenfrüchte auf einem Holztisch bei natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

In der kardiovaskulären Prävention gewinnt die Betrachtung ganzer Ernährungsmuster gegenüber einzelnen Nährstoffen zunehmend an Bedeutung. Eine wissenschaftliche Stellungnahme eines Ausschusses des American College of Cardiology (ACC) unter dem Vorsitz von Frank B. Hu von der Harvard University im Journal of the American College of Cardiology (JACC) verdeutlicht diesen Paradigmenwechsel. Für die Herzgesundheit sei demnach nicht die isolierte Zufuhr bestimmter Stoffe ausschlaggebend, sondern die Qualität der gesamten Ernährungsweise.

Empfohlene Ernährungsmuster und Fettquellen

Das Gremium hebt bewährte Konzepte wie die mediterrane Ernährung und die DASH-Diät hervor. Diese basieren vorrangig auf minimal verarbeiteten pflanzlichen Lebensmitteln, darunter Obst, Gemüse, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen, ergänzt durch Fisch und ungesättigte Fette. Im Gegenzug sollten raffinierte Stärke, Zucker, Natrium, gesättigte Fette sowie hochverarbeitete Produkte streng begrenzt werden.

Besonderes Augenmerk widmet die Stellungnahme dem Austausch von Fettarten. Werden gesättigte Fette wie Butter, Schmalz, Rindertalg oder Kokosöl durch mehrfach ungesättigte Fettsäuren aus Pflanzenölen, Nüssen, Samen und Fisch ersetzt, sinken das LDL-Cholesterin und das koronare Risiko.

Beobachtungsstudien belegen, dass der Ersatz von 5 % der täglichen Kalorien aus gesättigten Fetten durch mehrfach ungesättigte Fette mit einem um 19 bis 27 % geringeren Gesamtsterberisiko einhergeht. Wird gesättigtes Fett hingegen lediglich durch raffinierte Stärke oder Zucker ausgetauscht, zeigt sich kein reduziertes Koronarrisiko.

Zugleich widerspricht der Ausschuss Teilen der US-Ernährungsrichtlinien (Dietary Guidelines for Americans 2025–2030), welche Butter sowie Rindertalg als gesunde Fette aufführen und drei Portionen Vollfett-Milchprodukte täglich empfehlen.

Laut dem ACC-Bericht ist Vollmilch mit einem höheren Koronarrisiko verbunden, während Käse neutral bis leicht schützend wirke. Die Richtlinien halten ihrerseits daran fest, den Anteil gesättigter Fette auf unter 10 % der Gesamtkalorien zu begrenzen.

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Nährstoffziele, Getränke und moderne Therapien

Die Auswertung der Ernährungsgewohnheiten in den USA verdeutlicht erhebliche Defizite. Die durchschnittliche Natriumaufnahme liegt bei über 3.400 mg pro Tag und übersteigt damit die empfohlene Höchstgrenze von 2.300 mg deutlich; 95,8 % der Männer und 77,8 % der Frauen überschreiten diesen Wert.

Bei den Ballaststoffen erreichen lediglich 6 % die Zielwerte von 25 g täglich für Frauen beziehungsweise 38 g für Männer im Alter von 19 bis 50 Jahren.

Bezüglich der Proteinempfehlungen der US-Richtlinien von 1,2 bis 1,6 g pro Kilogramm Körpergewicht und Tag – was dem 1,5- bis 2-Fachen früherer Empfehlungen entspricht – verweist der Bericht auf eine Datengrundlage aus 30 Studien mit Übergewichtigen und Adipösen, während eine separate Bundesprüfung unzureichende Evidenz für einen alters- oder gesundheitsbedingt höheren Bedarf feststellte.

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Bei Getränken empfiehlt das ACC vor allem Wasser und ungesüßte Flüssigkeiten. Für Alkohol existiere kein sicherer Schwellenwert, weshalb Nichttrinker nicht damit beginnen sollten.

Ein mäßiger Konsum von gefiltertem Kaffee (zwei bis fünf Tassen à 240 ml täglich) ist hingegen mit einem geringeren Risiko für Typ-2-Diabetes, Herzkrankheiten, Schlaganfälle und Herzinsuffizienz assoziiert. Bei Vorhofflimmern zeigte sich nach einem Reset bei mindestens einer Tasse pro Tag ein um 39 % geringeres Rückfallrisiko.

Auch neuere medikamentöse Ansätze finden Eingang in das Dokument: GLP-1-Rezeptoragonisten führen zwar zu Gewichtsverlust und bieten kardiovaskulären Nutzen, ersetzen oder ergänzen jedoch keine vollwertige Ernährung. Bei deren Einnahme rät der Ausschuss zu einer Zufuhr von 60 bis 75 g Protein pro Tag. Zudem bestätigte das ACC gemeinsam mit der American Heart Association, dass die perioperative Leitlinie aus dem Jahr 2024 unverändert gültig bleibt.

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