Hirnentwicklung: Neue Studie kippt 60 Jahre altes Modell
Veröffentlicht am: 07.08.2026 um 09:29 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Neue Forschungsergebnisse stellen ein 60 Jahre altes Modell der Hirnentwicklung infrage. Neuronale Stammzellen spalten sich demnach viel frĂŒher in spezialisierte Zelllinien auf als bisher angenommen.
Parallele Programme statt FlieĂband
Bisher galt: Die Schichten der Hirnrinde entstehen nach einem einheitlichen, sequenziellen Schema. Doch die Anfang August 2026 in Science Advances veröffentlichte Studie zeigt ein anderes Bild. Radiale Gliazellen â die VorlĂ€uferzellen der Neuronen â verfolgen bereits in einem sehr frĂŒhen Stadium zwei unterschiedliche Programme.
Die Untersuchungen an Mausmodellen belegen: Die VorlĂ€ufer teilen sich in zwei distinkte Linien. Eine produziert ausschlieĂlich intratelencephale Projektionsneuronen (IT-PNs). Die zweite bringt sowohl extratelencephale Projektionsneuronen (ET-PNs) als auch IT-PNs hervor. Das widerlegt die Annahme eines rein sequenziellen Prozesses â die Entwicklung lĂ€uft offenbar parallel.
Kleine Cluster, groĂe Klone
Die Forschungsgruppen des Institute of Science and Technology Austria (ISTA) und des CNB-CSIC entdeckten zudem deutliche Unterschiede in der Lebensdauer der Zelllinien. Die Produktion der ET-PNs kommt frĂŒhzeitig zum Erliegen. Diese Neuronen bilden daher nur kleine Cluster im Gehirn.
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Ganz anders die IT-PN-Linien: Sie zeigen deutlich mehr Ausdauer und bilden gröĂere Zellgruppen, die sich ĂŒber alle Schichten der kortikalen Hirnrinde verteilen. Verfolgt haben die Forscher diese Prozesse mit der MADM-Technik (Mosaic Analysis with Double Markers), die eine prĂ€zise Beobachtung einzelner ZellstammbĂ€ume ermöglicht. Als mögliche Regulatoren identifizierten die Wissenschaftler zudem POU3F-Transkriptionsfaktoren.
Abschied vom Inside-Out-Modell
Das klassische Inside-Out-Modell sah vor, dass die Schichten der Hirnrinde nacheinander aus einer einheitlichen Population von Stammzellen aufgebaut werden. Rund 60 Jahre galt es als Standard. Die neuen Daten belegen nun: Die Vielfalt der neuronalen Zelltypen ist bereits durch die frĂŒhe Aufspaltung der VorlĂ€uferzellen vorbestimmt.
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