Hitzeschutz, Senioren

Hitzeschutz für Senioren: Nur 14% der Pflegeheime klimatisiert

Veröffentlicht am: 28.07.2026 um 22:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Trotz hoher Temperaturen fehlt in vielen Pflegeheimen und Krankenhäusern die nötige Kühltechnik. Kommunen starten eigene Initiativen.

Hitzewelle in Deutschland: Defizite beim Hitzeschutz in Kliniken und Heimen
Ein lichtdurchflutetes Seniorenzimmer mit geschlossenen Jalousien zum Hitzeschutz, ein Glas Wasser und ein Thermometer. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Bis zu 39 Grad Celsius werden lokal erwartet. Ministerpräsident Gordon Schnieder ruft zur Eigenvorsorge auf.

Die Landesregierung setzt auf Lüften in den kühlen Nachtstunden, geschlossene Jalousien am Tag und klimatisierte Rückzugsorte für ältere Menschen. Kommunen erhalten Unterstützung bei Hitzeschutzplänen – etwa durch Stadtgrün oder Sprühanlagen.

Doch die bauliche Situation in vielen Einrichtungen bleibt kritisch.

Defizite in Krankenhäusern und Pflegeheimen

Nur 34 Prozent der 2025 neu fertiggestellten Krankenhäuser und Heime verfügten über eine Kühlanlage. Zum Vergleich: Bei Bürogebäuden lag der Anteil bei 38 Prozent.

Besonders dramatisch ist die Lage in Pflegeheimen. Rechnerisch ist nur jede siebte Einrichtung mit Kühltechnik ausgestattet. Im Gesundheitszentrum Betzdorf wurden in Seniorenzimmern trotz extremer Wetterlagen Temperaturen von bis zu 40 Grad gemessen.

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Eine Umfrage aus dem Jahr 2021 zeigte: 60 Prozent der Kliniken hatten kein einziges gekühltes Patientenzimmer. Auch 2024 ergriffen rund 60 Prozent der Einrichtungen keine spezifischen Hitzeschutzmaßnahmen. Hauptgrund: fehlende Finanzierung.

Die Dringlichkeit wird durch die Statistik unterstrichen. 2024 gab es in Deutschland rund 6800 hitzebedingte Todesfälle – 6500 davon bei Menschen über 65 Jahren.

Kommunen starten eigene Initiativen

Viele Städte handeln bereits eigenständig. Filderstadt richtet ab 38 Grad einen klimatisierten Hitzeschutzraum im Foyer der FILharmonie ein – speziell für Senioren, Vorerkrankte und Schwangere.

Heidelberg setzt auf mobile Klimageräte in Kitas und eine digitale Karte mit schattigen Plätzen und Trinkstationen. In Singen wurden 536 Quadratmeter Fläche entsiegelt, um das Stadtklima nach dem Schwammstadt-Prinzip zu verbessern.

Politisch wird ein strukturiertes Sofortprogramm gefordert. Kritik gibt es an der Nutzung von Klimaschutzmitteln: Nur 25 Prozent der Gelder aus kommunalen Investitionsprogrammen flossen in die Klimaanpassung.

Ein Blick nach Österreich zeigt, wie es gehen könnte. Die Kärntner Landesregierung beschloss 720.000 Euro Förderung für Klimaanlagen in Pflegeheimen. Bis zu 60 Prozent der Kosten werden übernommen, maximal 9.000 Euro pro Anlage.

Was Senioren jetzt tun können

Neben baulichen Maßnahmen zählt das richtige Verhalten. Schlafmediziner Michael Sommerauer von der Uniklinik Bonn empfiehlt: Die optimale Schlaftemperatur liegt bei 18 Grad. Ab 25 Grad nimmt die Schlafqualität deutlich ab.

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Fachleute raten zu lauwarmen Duschen vor dem Schlafengehen, Bettwäsche aus Naturmaterialien wie Baumwolle oder Leinen und dem Einsatz von Kühlflaschen.

Rund 150 Organisationen fordern, den Hitzeschutz rechtlich im Katastrophenschutz zu verankern. In Basel-Stadt gibt es während extremer Hitzephasen bereits spezielle Hotlines für Senioren. Sie informieren über angepasste Flüssigkeitsaufnahme und die Prüfung der Medikation auf Hitzeverträglichkeit.

Die langfristige Lösung? Eine Kombination aus moderner Dämmung, technischer Kühlung und klimaangepasster Stadtplanung.

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