Hochdosis-Grippeimpfung: Studie findet fast 55 Prozent weniger Alzheimer-Risiko
Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 21:32 Uhr | Redaktion boerse-global.deEine in der Fachzeitschrift Neurology veröffentlichte Untersuchung liefert neue Einblicke in den Zusammenhang zwischen Influenza-Vakzinen und neurodegenerativen Erkrankungen.
Daten von fast 165.000 älteren Erwachsenen zeigen, dass Personen ab 65 Jahren, die einen Hochdosis-Grippeimpfstoff erhielten, in einer zweijährigen Nachbeobachtung ein relatives Alzheimer-Risiko aufwiesen, das fast 55 % niedriger lag als bei einer Verabreichung der Standarddosis.
Beobachtete Effekte und methodische Grenzen
Der in der Studie betrachtete Hochdosis-Grippeimpfstoff enthält viermal mehr Antigen als die herkömmliche Standarddosis. Die Studienautoren weisen jedoch darauf hin, dass die Daten keine Kausalität belegen, sondern eine statistische Assoziation beschreiben. Verglichen wurden zwei geimpfte Kohorten miteinander, nicht geimpfte mit ungeimpften Personen.
Fachleute mahnen vor voreiligen Schlüssen. Der Neurologe Clifford Segil erklärte hierzu, die Ergebnisse rechtfertigten derzeit keine explizite Empfehlung der Grippeimpfung als Maßnahme zur Demenzprävention.
Hinweise auf einen potenziellen Zusammenhang zwischen Immunisierungen und kognitiver Gesundheit gab es bereits in früheren Untersuchungen. Laut einer 2022 von der UTHealth Houston veröffentlichten Studie lag die Alzheimer-Inzidenz bei über 65-Jährigen über einen Zeitraum von vier Jahren bei 8,5 % in der ungeimpften Gruppe gegenüber 5,1 % bei den Geimpften. Dies entsprach einem um etwa 40 % niedrigeren Wert.
Ein allgemeiner Meinungsbeitrag bezifferte die Risikoreduktion für Alzheimer bei Geimpften gegenüber Nichtgeimpften ebenfalls auf 40 %, blieb konkrete Belege oder Detaildaten dazu jedoch schuldig.
Rolle von Entzündungsprozessen und vaskulären Faktoren
Der Mechanismus hinter den beobachteten Effekten wird in der Medizin unter anderem im Zusammenhang mit systemischen Entzündungen diskutiert. Li Ping-ying, Chefarzt am Universitäts-Kinderspital Taiwan und Vorsitzender der Taiwanischen Impfgesellschaft, legte dar, dass Impfungen gegen Influenza, Herpes Zoster sowie Pneumokokken das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall senken können.
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Als treibenden Faktor nannte er systemische Entzündungsprozesse im Alter, das sogenannte Inflammaging; auch das Demenzrisiko sei demnach relativ verringert.
Dass Infektionen erhebliche kardiovaskuläre Risiken bergen, ist seit Längerem dokumentiert. In den ersten zwei Wochen einer Grippeerkrankung besteht bei über 65-Jährigen ein zwei- bis dreifach erhöhtes Schlaganfallrisiko sowie ein drei- bis fünffach erhöhtes Risiko für einen akuten Myokardinfarkt.
Innerhalb einer Woche nach einer Influenza-Infektion ist das Herzinfarktrisiko laut einer Studie sogar sechsfach erhöht. Zudem ist das Sterberisiko älterer Infizierter im Durchschnitt sechsmal höher als bei jüngeren Menschen.
Bereits ein Übersichtsartikel aus dem Fachblatt Praktický Léka? aus dem Jahr 2004 stufte eine jährliche Grippeimpfung als vielversprechend zur Vorbeugung von Myokardinfarkten und zerebralen Ischämien bei Patienten über 60 Jahren ein, da Atherosklerose multifaktoriell bedingt sei und chronische Entzündungen eine zentrale Rolle spielten.
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Präventionspotenzial der Hochdosis-Vakzine
Die Krankheitslast durch Influenza bleibt bei Älteren hoch. In Japan infizieren sich jährlich schätzungsweise 10 Mio. Menschen mit Influenza, was zu etwa 10.000 Todesfällen führt; schwere Verläufe bei älteren Patienten fordern jährlich mehrere Tausend Menschenleben.
In Tschechien werden jährlich schätzungsweise 1.500 bis 2.000 grippebedingte Todesfälle verzeichnet. Personen ab 65 Jahren machen dort 70 bis 85 % aller grippebedingten Todesfälle und 50 bis 70 % der Hospitalisierungen aus.
Vor diesem Hintergrund bieten stärker dosierte Präparate einen weitergehenden Schutz vor schweren Verläufen. Bei dem Vakzin Efluelda handelt es sich um einen tetravalenten Hochdosis-Grippeimpfstoff für Personen ab 60 Jahren, der mit 60 µg Hämagglutinin pro Stamm viermal mehr Antigen enthält als Standardimpfstoffe.
Das Präparat wurde in Japan für 2024 zugelassen; die Markteinführung ist ab dem nächsten Jahr geplant. In Tschechien wird das Präparat für über 65-Jährige voll erstattet.
Auswertungen über zehn Saisons bei 34 Mio. Personen über 65 Jahren verdeutlichen den klinischen Nutzen: Die Hochdosis senkte im Vergleich zur Standarddosis Krankenhausaufenthalte wegen Pneumonie um 27,3 %, wegen kardiovaskulärer Erkrankungen um 17,9 %, wegen Grippe um 11,7 % und aus allen Ursachen um 8,4 %.
Ob sich diese Schutzeffekte langfristig auch direkt auf neurodegenerative Abbauprozesse im Gehirn auswirken, bleibt Gegenstand weiterer epidemiologischer Forschung.
