Hochverarbeitete Lebensmittel: UCSF-Studie findet weniger Depressionssymptome
Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 05:41 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Zusammenhang zwischen der Ernährungsweise und der psychischen Verfassung rückt zunehmend in den Fokus der medizinischen Forschung. Eine im Fachjournal JAMA Psychiatry veröffentlichte Pilot-Crossover-Studie der University of California, San Francisco (UCSF), die von den National Institutes of Health (NIH) finanziert wurde, liefert neue Hinweise darauf, dass eine deutliche Reduktion hochverarbeiteter Lebensmittel (Ultra-Processed Foods, UPF) Symptome von Depressionen lindern könnte.
Fachberichten vom 23. September 2026 zufolge handelt es sich um die erste Untersuchung, die Depressionssymptome vor und nach einer gezielten Umstellung von stark verarbeiteter Kost auf eine gesündere Ernährung direkt vergleicht.
Studiendesign und beobachtete Veränderungen
An der Untersuchung der UCSF nahmen 20 Personen im Durchschnittsalter von 44 Jahren teil, von denen 70 Prozent weiblich waren. Alle Probanden wiesen einen hohen Body-Mass-Index sowie mindestens eine Stoffwechselerkrankung auf, darunter Hypertonie, Diabetes oder ein erhöhtes LDL-Cholesterin. Zudem litten 14 der Teilnehmenden an einer diagnostizierten Angststörung.
Das Crossover-Design sah vor, dass eine Gruppe über vier Wochen ihre gewohnte Ernährung beibehielt, während die andere auf eine UPF-reduzierte Kost umgestellt wurde, bevor die Gruppen die Rollen tauschten. Andere Lebensstilfaktoren wie Medikation, therapeutische Behandlungen, Bewegungsmuster und Schlafgewohnheiten blieben über den gesamten Studienzeitraum hinweg unverändert.
Im Verlauf der Intervention sank der Verzehr hochverarbeiteter Lebensmittel bei den Teilnehmenden um mehr als 85 Prozent. Diese Reduktion ging mit moderaten bis großen Verbesserungen bei drei standardisierten Maßen für Depressionssymptome einher. Bei den Angstmesswerten zeigte sich eine leichte Verbesserung.
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Erklärungsansätze und wissenschaftliche Kritik
Als möglicher biologischer Mechanismus hinter den beobachteten Effekten wird in der Fachwelt eine Schädigung der Darmauskleidung diskutiert, die zu chronischen, niedriggradigen Entzündungen führen kann. UCSF-Seniorautor Andrew Krystal sieht durch die Resultate vor allem die Machbarkeit einer größeren Anschlussstudie belegt. Eine Rekrutierung für die geplante Phase 2 wird für das Jahr 2028 erwartet.
Gleichzeitig stuften die Studienautoren die Arbeit als exploratorisch ein und betonten, dass diese bestenfalls neue Hypothesen generiere. Mehrere externe Experten, darunter Romero Ferreiro, Urrialde, Bes-Rastrollo, Ordovás und Sánchez Perona, verweisen auf methodische Einschränkungen.
Neben der geringen Stichprobengröße von sechs Männern und 14 Frauen handele es sich bei den psychischen Symptomveränderungen um sekundäre Endpunkte. Ein kausaler Nachweis fehle. Zudem lasse sich nicht eindeutig trennen, ob die Verbesserungen primär auf den Verzicht auf UPF oder auf allgemeine Verschiebungen bei der Zufuhr von Kalorien, Fetten und Zucker zurückzuführen seien.
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Breitere Datenbasis aus Beobachtungsstudien
Bisherige Beobachtungsstudien belegen bereits eine dosisabhängige Assoziation zwischen hohem UPF-Konsum und einem erhöhten Risiko für Depressionen, ohne jedoch den konkreten Wirkmechanismus abschließend nachzuweisen. Dies bestätigt eine Meta-Analyse von 51 prospektiven Kohortenstudien mit insgesamt 8.819.894 Teilnehmern im Alter von 23 bis 77 Jahren aus Amerika, Europa, Asien und Ozeanien, die Daten mit Nachbeobachtungszeiten zwischen zwei und 32 Jahren bis April 2026 erfasst hat.
Dieser Meta-Analyse zufolge ist ein höherer UPF-Verzehr mit einem um 27 Prozent höheren Risiko für Depressionen und Angstzustände verbunden. Über die Psyche hinaus steigt das relative Risiko pro zusätzlichen 100 Gramm UPF pro Tag für kardiovaskuläre Ereignisse um 14 Prozent, für Bluthochdruck um 11 Prozent, für Krebserkrankungen um 4 Prozent, für das Gesamtmortalitätsrisiko um 3 Prozent sowie für das metabolische Syndrom oder Diabetes um 2 Prozent.
Jede zehnprozentige Zunahme des Körpergewichts oder der Energieaufnahme war mit einem um 16 Prozent höheren Risiko für das metabolische Syndrom oder Diabetes assoziiert. Auch die Autoren dieser Übersichtsarbeit weisen darauf hin, dass die Daten lediglich Korrelationen abbilden, die auf Selbstauskünften beruhen, und Personen unter 18 Jahren nicht berücksichtigt wurden.
