HörgerÀte, Studie

HörgerÀte: Studie zeigt 33 Prozent weniger Demenzrisiko bei Hörverlust

Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 07:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bei Menschen mit mittlerem Hörverlust war das Demenzrisiko mit HörgerÀt niedriger; die Studie belegt jedoch keine direkte Ursache.
Ein ruhiger, sonnendurchfluteter Raum mit einem leeren Stuhl, der eine AtmosphĂ€re von Stille und RĂŒckzug vermittelt. Illustration mit AI erstellt.

Die frĂŒhzeitige Erkennung von HörschĂ€den und der konsequente Einsatz von Hörhilfen gewinnen in der DemenzprĂ€vention zunehmend an Bedeutung. Zahlreiche internationale Mediziner und Forscher weisen darauf hin, dass die Versorgung von Hörminderungen zu den wirksamsten vermeidbaren Hebeln gehört, um das Risiko eines kognitiven Abbaus im Alter zu verringern.

Kognitive Belastung und Reizmangel als Ursachen

Nach EinschĂ€tzung von Fachmedizinern begĂŒnstigt ein unversorgter Hörverlust das Demenzrisiko ĂŒber mehrere Mechanismen. Dr. Stephanie Rogers von der UCSF School of Medicine hebt hervor, dass die dauerhafte kognitive Überlastung beim Verstehen von Sprache, eine Hirnatrophie infolge ausbleibender auditiver Reize sowie soziale Isolation wesentliche Treiber seien.

Unbehandelter Hörverlust stelle den grĂ¶ĂŸten modifizierbaren Risikofaktor dar. Auch HNO-Arzt Chen Yijia vom Cardinal-Tien-Krankenhaus in Taiwan sieht eine klare Assoziation zwischen auditiven Defiziten und Demenz, wenngleich es sich nicht um einen zwingend kausalen Zusammenhang handele. Als typische Warnsignale im Alltag gelten das Überhören von TĂŒrklingeln oder Telefonen sowie hĂ€ufiges Nachfragen im GesprĂ€ch.

Chen Yijia unterscheidet zwischen sensorineuralem Hörverlust durch Alter oder LĂ€rmbelastung, der irreversibel ist, und leitungsbedingten Formen durch Ohrenschmalz, MittelohrentzĂŒndungen, Cholesteatome oder Otosklerose, die teilweise behandelbar sind. Ein plötzlicher einseitiger Hörverlust sei zudem ein medizinischer Notfall, der meist mit Steroiden therapiert werden mĂŒsse.

Studiendaten belegen Risikoreduktion durch HörgerÀte

Wissenschaftliche Untersuchungen untermauern den Nutzen einer Therapie. Prof. Gill Livingston vom University College London verweist darauf, dass bis zu 45 Prozent aller DemenzfÀlle vermeidbar oder verzögerbar seien, wobei 14 verÀnderbare Faktoren eine Rolle spielen.

Ein mittlerer Hörverlust erhöhe das Demenzrisiko laut Studien um 40 Prozent, wÀhrend Sehverlust das Risiko um etwa 50 Prozent steigere. Livingston selbst nutzt seit fast zehn Jahren Hörhilfen.

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Eine im Fachjournal Neurology veröffentlichte Studie unter Leitung von Joanne Ryan an der Monash University in Melbourne begleitete 2.777 Personen mit einem Durchschnittsalter von 75 Jahren ĂŒber einen Zeitraum von sieben Jahren.

Von den Probanden mit mittlerem Hörverlust erhielten 664 Personen ein HörgerĂ€t. In dieser Gruppe lag das Demenzrisiko bei 5 Prozent, verglichen mit 8 Prozent bei Personen ohne Hörhilfe – was einer relativen Risikoreduktion von 33 Prozent entspricht.

Eine allgemeine kognitive BeeintrĂ€chtigung trat bei 36 Prozent der HörgerĂ€tetrĂ€ger auf, gegenĂŒber 42 Prozent bei den Nichtversorgten. Ryan betont jedoch, dass HörgerĂ€te bestehende kognitive Messwerte nicht verbesserten und die Daten eine Korrelation, aber keine direkte KausalitĂ€t bewiesen.

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Weitere Hinweise liefert eine Untersuchung von Dr. Justin S. Golub: Behandelbare Ursachen von Schallleitungsschwerhörigkeit wie Trommelfellperforationen oder Cholesteatome gingen mit einem höheren Demenzrisiko einher, das nach einer Operation oder dem Einsatz von HörgerÀten wieder sank. Bei Otosklerose zeigte sich dieser Zusammenhang hingegen nicht.

Eine koreanische Untersuchung unter Leitung von Han Jae-sang am St. Mary's Krankenhaus der Katholischen UniversitĂ€t in Eunpyeong an ĂŒber 100.000 Personen ergab zudem, dass beidseitige Schwerhörigkeit das Alzheimer-Risiko um den Faktor 1,89 und einseitige Schwerhörigkeit um den Faktor 1,49 erhöht, wobei linksseitige Defizite stĂ€rker ins Gewicht fielen.

Auch auf dem Kongress der European Academy of Neurology wurde berichtet, dass Erwachsene mit Epilepsie und Hörverlust durch das Tragen von HörgerÀten ihr Demenzrisiko um 23 Prozent senken konnten.

FrĂŒhe Screenings und fachgerechte Anpassung

Angesichts dieser Befunde rĂ€t Rogers zu regelmĂ€ĂŸigen Hörtests ab dem 50. Lebensjahr im Abstand von drei bis fĂŒnf Jahren sowie ab dem 65. Lebensjahr alle ein bis drei Jahre. WĂ€hrend bei leichtem bis mittlerem Verlust freiverkĂ€ufliche GerĂ€te infrage kĂ€men, seien bei schwerem Verlust verschreibungspflichtige Modelle nötig. ErgĂ€nzend schĂŒtzen gesunde Lebensgewohnheiten, LĂ€rmschutz und die Kontrolle kardiovaskulĂ€rer Werte.

Damit Hörhilfen zuverlÀssig getragen werden, ist eine prÀzise Abstimmung entscheidend. Laut der Bundesinnung der Hörakustiker, deren PrÀsident Eberhard Schmidt auf rund 20.000 Hörakustiker in mehr als 7.500 deutschen FachgeschÀften verweist, scheitere die Nutzung im Alltag hÀufig an schlechtem Sitz, PfeifgerÀuschen oder StörlÀrm. Chen Yijia mahnt an, HörgerÀte exakt an das individuelle Audiogramm anzupassen, anstatt Töne lediglich pauschal zu verstÀrken.

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