Hülsenfrüchte, Bluthochdruck

Hülsenfrüchte bei Bluthochdruck: 170 Gramm täglich sind mit geringerem Risiko verbunden

Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 09:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Studien verbinden Hülsenfrüchte und kaliumreiche DASH-Ernährung mit günstigeren Blutdruckwerten; bei Nierenerkrankungen ist besondere Vorsicht nötig.
Verschiedene rohe Hülsenfrüchte wie Linsen, Kichererbsen und Bohnen auf einer hölzernen Unterlage. Illustration mit AI erstellt.

In der diätetischen Begleitung von Bluthochdruck gewinnen gezielte Ernährungsmuster und eine kontrollierte Kalorienzufuhr an Bedeutung. Neben klassischen Restriktionen rücken zunehmend pflanzliche Lebensmittel in den Mittelpunkt therapeutischer Ansätze. Fachgesellschaften und aktuelle Studien heben dabei insbesondere den Stellenwert von Hülsenfrüchten für das Gefäßsystem hervor.

Nährstoffdichte und kardioprotektive Effekte von Hülsenfrüchten

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt Erwachsenen mindestens eine Portion Hülsenfrüchte pro Woche, was etwa 125 Gramm gegarter Ware entspricht.

Gegarte Bohnen, Kichererbsen und Linsen weisen einen niedrigen glykämischen Index auf und liefern je nach Sorte sowie Zubereitung zwischen 5 und 7 Gramm Ballaststoffe pro 100 Gramm. Zum Vergleich liegt der Ballaststoffgehalt bei herkömmlichem Gemüse meist bei 2 bis 3 Gramm pro 100 Gramm.

Wissenschaftliche Untersuchungen deuten auf direkte gefäßschützende Effekte hin: Eine tägliche Zufuhr von 54 bis 360 Gramm gekochten Hülsenfrüchten wird als potenziell kardioprotektiv eingestuft. Ein Konsum von etwa 170 Gramm pro Tag ist mit einem geringeren Bluthochdruckrisiko assoziiert. Bei Personen mit Typ-2-Diabetes und begleitender Hypertonie konnte bereits der Verzehr von drei wöchentlichen Portionen zu einer Blutdrucksenkung beitragen.

Über Hülsenfrüchte hinaus zeigen weitere pflanzliche Proteinquellen günstige Effekte. Eine Metaanalyse ermittelte, dass 60 bis 80 Gramm Soja pro Tag das Hypertonierisiko reduzieren können; auch eine Isoflavon-Supplementierung wirkt sich womöglich vorteilhaft auf den systolischen und diastolischen Blutdruck aus.

Nüsse weisen einen Proteinanteil von 8 bis 22 Prozent auf und korrelieren bei höherem Konsum mit einer niedrigeren Hypertonieinzidenz. Kürbiskerne wiederum liefern L-Arginin, das als Vorläufer des gefäßerweiternden Botenstoffs Stickstoffmonoxid fungiert.

Gleichzeitig sind bei der Integration von Leguminosen individuelle Faktoren zu beachten: Unverdauliche Kohlenhydrate wie Stachyose können Blähungen auslösen, bei Gichterkrankungen ist der Puringehalt relevant und bei bestehenden Soja- oder Lupinenallergien ist Vorsicht geboten.

Auf landwirtschaftlicher Ebene umfasst der Anbau in Deutschland derzeit Erbsen, Ackerbohnen, Sojabohnen sowie Lupinen, wobei der Leguminosenanteil an der Ackerfläche bis 2030 ausgebaut werden soll.

Lebensstilfaktoren und Kaliumzufuhr im therapeutischen Kontext

Ergänzend zu spezifischen Nahrungsmitteln spielen umfassende Lebensstilmodifikationen eine wesentliche Rolle. Nach Angaben der Mayo Clinic sinkt der Blutdruck im Schnitt um etwa 1 mm Hg pro verlorenem Kilogramm Körpergewicht.

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Strukturierte Ernährungsformen wie die DASH-Diät (Dietary Approaches to Stop Hypertension) oder die mediterrane Ernährung können den systolischen Blutdruck um bis zu 11 mm Hg senken.

Eine gezielte Salzreduktion führt zu einer Absenkung um 5 bis 6 mm Hg, während regelmäßiges aerobes Training (150 Minuten moderat oder 75 Minuten intensiv pro Woche kombiniert mit zweimaligem Krafttraining) eine Reduktion um 5 bis 8 mm Hg bewirken kann.

Die Weltgesundheitsorganisation rät zu einem Salzkonsum von unter 5 Gramm pro Tag (weniger als 2.000 mg Natrium); für viele Erwachsene gilt ein Richtwert von unter 1.500 mg als vorteilhafter.

Bezüglich der DASH-Diät stand lange die Frage im Raum, ob der hohe Kaliumanteil bei gleichzeitiger Einnahme blutdrucksenkender Medikamente zu gefährlichen Kaliumspiegeln führen könnte.

Eine Sekundäranalyse der Studien GoFresh und GoFresh Rx, die unter der Leitung von Marian Budu (Beth Israel Deaconess Medical Center, Boston) auf den wissenschaftlichen Sitzungen der American Heart Association Anfang Oktober im US-Bundesstaat Virginia vorgestellt wurde, untersuchte 356 Erwachsene.

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Bei einer kaliumreichen Kost mit einem Zielwert von 4.700 mg Kalium pro Tag und einem Kalium-Natrium-Verhältnis von 2:1 traten keine bedenklichen Kaliumerhöhungen im Blut auf (mittleres Serumkalium 4,16 gegenüber 4,18 mmol/L in der Vergleichsgruppe).

Ausgeschlossen waren Patienten mit fortgeschrittener Nierenerkrankung. Fachleute weisen darauf hin, dass eine klinische Überwachung, insbesondere bei paralleler Einnahme von nichtsteroidalen Antirheumatika wie Ibuprofen, dennoch angezeigt bleibt.

Umsetzung im Alltag

Die DGE empfiehlt für eine vollwertige Ernährung neben mehr Hülsenfrüchten, Vollkorn und Nüssen eine deutliche Reduktion von verarbeitetem und rotem Fleisch auf maximal 300 Gramm Fleisch und Wurst pro Woche für gesunde Erwachsene. In Deutschland lag der Pro-Kopf-Verzehr im Jahr 2025 nach vorläufigen Berechnungen des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft bei 54,9 Kilogramm und damit bei etwas mehr als einem Kilogramm wöchentlich.

Ernährungsmediziner betonen, dass bereits schrittweise Anpassungen in Rezepten – wie das teilweise Ersetzen von Hackfleisch durch rote Linsen – die Krankheitslast durch koronare Herzkrankheiten und Folgeerkrankungen der Hypertonie verringern können.

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