Humanoide, Roboter

Humanoide Roboter: 20.000 Einheiten 2025, doch 90% bleiben ungenutzt

Veröffentlicht: 14.07.2026 um 02:30 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Die weltweite Fertigung humanoider Roboter stieg 2025 rasant, doch die praktische Nutzung bleibt mit zehn Prozent gering.

Humanoiden-Boom: Produktion verzehnfacht, Einsatzquote gering
Ein hochentwickelter humanoider Roboter in einer modernen Testanlage, umgeben von digitalen Displays und Industrieausrüstung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die weltweite Produktion humanoider Roboter ist 2025 sprunghaft gestiegen – doch nur ein Bruchteil der Maschinen kommt tatsächlich zum Einsatz. Branchenexperten sprechen von einer strategischen Neuausrichtung.

Weltweit wurden im vergangenen Jahr mehr als 20.000 humanoide Roboter produziert, ein zehnfacher Anstieg gegenüber den knapp 2.000 Einheiten aus 2024. Der Großteil der Fertigung entfällt auf China: Das Land stellt über 90 Prozent der weltweiten Produktion und ist für rund 75 Prozent aller Auslieferungen verantwortlich. Fünf chinesische Hersteller teilen sich etwa 70 Prozent des Marktes.

Doch die hohen Stückzahlen täuschen über ein grundlegendes Problem hinweg: Nur rund zehn Prozent der 2025 produzierten Roboter kamen tatsächlich in der Praxis zum Einsatz. Analysten zufolge könnte der große kommerzielle Durchbruch noch mehr als f?nf Jahre auf sich warten lassen.

Milliarden-Subventionen aus Peking

Die chinesische Regierung will die Entwicklung nun massiv beschleunigen. Im Rahmen des 15. Fünfjahresplans sind rund 300 Milliarden Euro an Subventionen für Robotik und künstliche Intelligenz vorgesehen. Das Geld soll helfen, die Lücke zwischen Pilotprojekten und großflächiger kommerzieller Nutzung zu schließen.

Ein vielversprechender Ansatz: das Robot-as-a-Service-Modell (RaaS). Statt teurer Einmalanschaffungen können Unternehmen Roboter mieten oder leasen. Gleich mehrere Hersteller haben in dieser Woche entsprechende Angebote vorgestellt.

Neue Modelle für Logistik und Pflege

Das Unternehmen Robot.com präsentierte seinen humanoiden R-noid, der für repetitive Aufgaben in Logistik, Gastgewerbe und Fertigung konzipiert ist. Der Roboter unterstützt verschiedene KI-Modelle, darunter ?0.7 von Physical Intelligence, und soll innerhalb von acht bis zwölf Wochen einsatzbereit sein – etwa für Pack-, Kommissionier- oder Empfangsaufgaben.

Ebenfalls neu: AGIBOT brachte seinen A3-Humanoiden in Großbritannien auf den Markt – ebenfalls im RaaS-Modell. Im Konsumenten- und Pflegesegment sorgte UBTech für Aufsehen. Das Unternehmen gab Details zu seinen Uworld-U1-Androiden bekannt, die mit emotionaler KI und synthetischer Haut ausgestattet sind. Bereits 13.000 Anzahlungen gingen ein. Das Ziel: innerhalb von drei Jahren bis zu 100.000 Einheiten verkaufen.

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US-Markt: Agility Robotics auf dem Sprung

In den USA treibt Agility Robotics seinen Börsengang voran – über eine Fusion mit einem SPAC, bewertet mit rund 2,5 Milliarden Euro. Der Auftragsbestand liegt bei etwa 300 Millionen Euro, getrieben vor allem von einem Dreijahresvertrag über 1.000 Roboter. Das aktuelle Modell Digit v5 kostet im RaaS-Modell 30 Euro pro Stunde. Allerdings fehlt noch die Sicherheitszertifizierung für den Betrieb in ungesicherten Umgebungen.

Forschung made in Germany

Auch Europa rüstet auf. Das Fraunhofer IOSB eröffnete ein Humanoid Robots Experience Lab an drei Standorten: Karlsruhe, Lemgo und Ilmenau. Kleine und mittlere Unternehmen, Sicherheitsbehörden und Agrarbetriebe sollen dort humanoide Technologie testen können. Die Eröffnungsveranstaltung in Lemgo ist für den 23. September 2026 geplant.

Forscher haben zudem neue Testverfahren entwickelt. Mit ThorArena und dem Force-Aware Tracking Score (FATS) lässt sich messen, wie Roboter unter realistischen physischen Belastungen reagieren. Die Ergebnisse offenbaren Leistungslücken, die herkömmliche Tests übersehen.

Industrie setzt auf Robotik gegen Fachkräftemangel

Große Industriekonzerne sichern sich frühzeitig Kapazitäten. Mitsubishi unterzeichnete eine Absichtserklärung mit Highlanders, einem Spin-off der Universität Tokio. Mitsubishi stellt Fertigungswissen und Werkshallen zur Verfügung. Die Produktion der Highlanders-Roboter könnte Anfang 2027 im Mitsubishi-Werk in Kyoto anlaufen.

Auch die Medizin entdeckt die humanoide Robotik für sich. Eine in Nature veröffentlichte Studie beschreibt einen erfolgreichen Eingriff: Ein Chirurg entfernte mit einem Unitree-G1-Roboter namens "Surgie" per Teleoperation Gallenblasen bei Schweinen. Der Eingriff reduzierte die körperliche Belastung des Operateurs deutlich. Technische Hürden gab es jedoch: Die Geräte überhitzten und mussten häufig neu positioniert werden.

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Ausblick: Milliardenmarkt in zehn Jahren?

Institutionelle Investoren beginnen, den Sektor neu zu bewerten. Chinesische Hersteller wollen ihre Produktionskapazität bis Ende 2026 auf 100.000 Einheiten steigern. In Nordamerika plant Boston Dynamics eine Kapazität von 30.000 Robotern pro Jahr bis 2028.

Die Prognosen für den weltweiten Markt humanoider Roboter liegen bei 150 Milliarden Euro bis 2036. Die Finanzierungsaktivität ist hoch: Ant Group führte kürzlich eine Finanzierungsrunde über rund 74 Millionen Euro für Zeroth an. Unitree erhielt grünes Licht für einen Börsengang im Volumen von rund 620 Millionen Euro.

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